Filmkritik

“Viel Lärm um Nichts” von Joss Whedon

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Alexis Denisof (links) und Amy Acker (rechts) in Joss Whedons "Much Ado About Nothing"

Alexis Denisof (links) und Amy Acker (rechts) in Joss Whedons “Much Ado About Nothing”

Was tun, wenn man nicht ausgelastet ist? Eigentlich hätte es Regisseur Joss Whedon gar nicht erst so ergehen sollen, während er sich inmitten der Nachbereitung zu seinem Blockbuster The Avengers befand. Aber just im Postproduktionsprozess hat er sich einige Tage frei genommen, ein paar Freunde aus seinen bisherigen Fernsehserien zusammen getrommelt und mal eben eine höchst sehenswerte Neuinterpretation von William Shakespears Komödie Viel Lärm um Nichts inszeniert. In nur zwölf Drehtagen wurde in Santa Monica im Haus und Garten von Joss Whedon gedreht, wo sich u.a. Alexis Denisof und Amy Acker (Angel), Nathan Fillion (Firefly) und Tom Lenk (Buffy) einfanden um für ihren Freund vor der Kamera zu stehen. Darüber hinaus sollte ursprünglich Anthony Head (ebenfalls aus Buffy) die Rolle des Leonato übernehmen. Nach zeitlichen Problemen übernahm kurzerhand Clark Gregg, gerade als Agent Coulson für Whedon in The Avengers aktiv, den Part und gesellte sich damit zum Whedonschen Freundeskreis (und hat inzwischen mit Agents of S.H.I.E.L.D. auch seinen Serienplatz unter Whedons Kreationen gefunden).

Das klassische Stück von Shakespeare dreht sich, wie auch der Film, um zwei Liebespaare: Benedick und Beatrice (hier gespielt von Denisof und Acker) und um Claudio und Hero (Fran Kranz und Jillian Morgese). Während Benedick und Beatrice eher eine kriegsähnliche Ehe führen, sich kaum noch ausstehen können, bilden Claudio und Hero das Kontrastpärchen, die als Verkörperung von harmonischer Liebe herhalten können. Ein Vorzeigepaar, wie es Benedick und Beatrice schon lange nicht mehr sind. Während nun Benedick und Beatrice in eine Finte gelockt werden um sich ihre gegenseitige Liebe einzugestehen und zurück zu kehren zu romantischeren Tagen, werden Claudio und Hero Opfer eines Komplotts, bei dem Claudio Glauben gemacht wird, dass Hero ihm untreu war. Um auch diese Liebe wieder zurecht zu rücken, muss nun das wieder zusammen geführte Paar Benedick und Beatrice die Wogen glätten.

Amy Acker ist Beatrice

Amy Acker ist Beatrice

Von Shakespeares Originalgeschichte wurde etwa ein Drittel gekürzt um einen runden Film zu haben, Text und Sprache musste unter dieser Veränderung aber nicht leiden, sämtliche Dialoge sind in Shakespears Stil beibehalten worden. Joss Whedon hat einen Prolog vor die Handlung gesetzt, der unkommentiert bleibt, eine Eigeninterpretation der früheren Liebe zwischen Benedick und Beatrice, die in der eigentlichen Handlung zuerst nicht mehr zu sehen ist, da sich diese beiden spinnefeind geworden sind. Darüber hinaus wurde Much Ado About Nothing (so der Originaltitel) in die Moderne verlagert, Conrades Geschlecht (Mann) in eine Frau verwandelt (nun dargestellt von Riki Lindhome) und Ursula (Emma Bates) hat einige Dialogszenen bekommen, die nach Shakespeare eigentlich Margaret (Ashley Johnson) gehört hätten.

Joss Whedon hat inzwischen mit The Avengers auch dem Kinopublikum bewiesen, dass seine beste Arbeit immer ein starkes Ensemble beinhaltet. Von Buffy bis Angel, von Firefly über Dollhouse und nun auch Agents of S.H.I.E.L.D. kann man sich auf den Filmemacher verlassen, so lange er eine fähige Mannschaft um sich versammelt hat. Dass diese zumeist nicht aus Hollywood-Darstellern (Ausnahme: The Avengers) besteht, sondern aus Serien-Alumnis, wirft zugleich eine gewisse Independent-Produktionsfaszination auf seine Machwerke, als auch eine Anziehungskraft für Whedon-Nerds, die immer wieder gerne die von ihm entdeckten Darsteller zu sehen bekommen. Dass diese den bekannten Gesichtern aus Hollywood-Produktionen in Nichts nachstehen beweisen hier vor allem Denisof und Acker, die als Leading-Couple sowohl zynisch witzig als auch romantisch verliebt spielen, der Shakespeare Komödie einen immensen Charakter verleihen.

Nathan Fillion (rechts) mit Tom Lenk (links) als Dogberry und Verges

Nathan Fillion (rechts) mit Tom Lenk (links) als Dogberry und Verges

Im Zusammenspiel zeigt sich aber das gesamte Ensemble beeindruckend harmonisierend. Damit geben sie Shakespeares Viel Lärm um Nichts eine Lockerheit und Leichtigkeit, die es vielleicht benötigt um ein solch klassisches Werk in die Moderne zu übersetzen. Dabei wird niemals respektlos der Vorlage gegenüber gearbeitet. Damit toppt Whedons Shakespeare-Welt freie Interpretationen wie 10 Dinge die ich an dir hasse (oder Der widerspenstigen Zähmung), zieht gleich mit Baz Luhrmans Romeo und Julia und überflügelt gar Ralph Fiennes Coriolanus. Und unbedingt muss auch nach Nathan Fillion Ausschau gehalten werden, der ein Patent auf kleine Gastrollen zu haben scheint, die immer wieder höchst amüsant in Szene gesetzt werden. Hier als Dogberry mit cooler Sonnenbrille ausgestattet – sowie einem verstümmelten Vokabluar – als Szenenstehler des Films.

Joss Whedon setzt seine Spieler konsequent richtig ein um aus allen Darstellern ihre Stärken hinaus zu kitzeln, die sie aber auch in Zusammenarbeit mit ihrem nicht nur Regisseur, sondern eben auch langjährigen Freund, recht locker aus dem Ärmel schütteln.


Much Ado About Nothing_Poster“Viel Lärm um Nichts”

Originaltitel: Much Ado About Nothing
Altersfreigabe: noch nicht bekannt
Produktionsland, Jahr: USA, 2012
Länge: ca. 109 Minuten
Regie: Joss Whedon
Darsteller: Amy Acker, Alexis Denisof, Nathan Fillion, Clark Gregg, Reed Diamond, Fran Kranz, Jillian Morgese, Sean Maher, Spencer Treat Clark, Riki Lindhome, Ashley Johnson, Emma Bates, Tom Lenk, Nick Kocher, Brian McElhaney

Kinostart: 24.07.2014
Im Netz: muchadomovie.com


2 Comments

  1. Vermutlich bin ich befangen, da ich mich erheitert fühle sobald das Whedonverse involviert ist. Clark Gregg hab ich mit Agents of S.H.I.E.L.D. lieben gelernt und Amy Acker war schon in Angel immer mein Liebling. Dennoch eine unterhaltsame Shakespeare-Interpretation und ein schöner Einblick in Whedons eigene vier Wände. 😉

  2. Es ist halt schwierig, nach der Version von Kenneth Brannagh noch was drauf zu setzen. Das haben sie aber alle ganz gut gemacht. So richtig umgehauen hat mich die Whedonverse-Variante hingegen nicht. Die “Sigh no more”-Coverversion war allerdings sehr, sehr schön.

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