Marvel Cinematic Universe

The Avengers (2012)

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Und da kommen sie alle zusammen. Ein monumentaler – ja, wirklich – Filmmoment, wenn sich die Kamera um die Avengers dreht, wie sie gemeinsam inmitten von New York City stehen, sich Rücken an Rücken einer Übermacht von Aliens entgegen stellen, die von Loki angeführt die Erde für sich beanspruchen wollen.

The Avengers kommt von Regisseur und Drehbuchautor Joss Whedon, mit dessen Involvierung in das Projekt die Fanmassen befriedigt wurden. Whedon, ein Liebling des modernen Nerdtums, Erschaffer von Serien wie Buffy, Angel, Firefly, Dollhouse und Marvels Agents of S.H.I.E.L.D., durfte diesen sechsten Film des Marvel Cinematic Universe inszenieren und damit die sogenannte “Phase 1” abschließen, in der die Avengers zusammen geführt werden.

Nach diversen Einzelfilmen und Gastauftritten müssen sich nun also Iron Man (Robert Downey Jr.), Captain America (Chris Evans), Thor (Chris Hemsworth), Hulk (Mark Ruffalo übernimmt von Edward Norton), Black Widow (Scarlett Johansson) und Hawkeye (Jeremy Renner) zusammen tun. S.H.I.E.L.D.-Direktor Nick Fury (Samuel L. Jackson) benötigt dringend die Avengers-Initiative, nachdem der Bruder des Donnergotts, Loki, auf die Erde kommt und unbedingt Unheil verbreiten möchte.

Um sich die Gemeinschaft der Helden vom Leib zu halten, wendet Loki die klassische Divide & Conquer-Taktik an, so dass sich kleine Reibereien unter den Avengers entwickeln und es zu diversen handfesten Auseinandersetzungen kommt. Dabei bezieht Loki seine Macht aus seinem magischen Stab, in dem sich wiederum ein Infinity Stein (der gelbe Gedankenstein) befindet. Auch der Tesseract (inklusive dem blauen Raumstein) aus Thor spielt erneut eine Rolle, während die After Credits Sequenz zum ersten Mal einen Blick auf Thanos wirft, jenen übermächtigen Bösewicht, der als dunkle Gestalt über allen bisherigen Filmen des Marvel Cinematic Universe schwebt.

Man merkt wie der Film unter der Regie von Whedon und vor allem mit seinem Drehbuch funktioniert. Wer die Werke des Filmemachers kennt, weiß um seine Qualitäten – er hat immer eine Vielzahl von Charakteren voll unter Kontrolle, ohne dass es dabei an einer Figur mangeln würde – auch wenn The Avengers gerne für den eher schmalen Einsatz von Jeremy Renners Hawkeye kritisiert wird. Er verstrickt alle Figuren in großartige Dialoge, die oftmals Schlag-auf-Schlag kommen. Wenn ein Aaron Sorkin sich mit seinen blitzschnellen Dialogen in der filmischen Politik- und Medienwelt etabliert hat, dann ist Joss Whedon so etwas wie der Sorkin der Nerd-Community.

So lässt er anfangs geschickt S.H.I.E.L.D. zum Zuge kommen und setzt dessen Agenten Nick Fury, Phil Coulson (Clark Gregg, späterer Hauptakteur der S.H.I.E.L.D. Fernsehserie) und Natasha Romanov / Black Widow ein, um die Rekrutierungsaufgaben zu übernehmen. Sie bringen Bruce Banner / Hulk, Tony Stark / Iron Man und Steve Rogers / Captain America auf den Helicarrier von S.H.I.E.L.D., einem visuell beeindruckend in Szene gesetzten Flugzeugträger, der dank kräftiger Turbinenkraft in die Lüfte abheben kann.

Ebenso stark wie S.H.I.E.L.D. hier gezeigt wird – auch Cobie Smulders (How I Met Your Mother) nimmt ihre Arbeit als Agentin Maria Hill auf – so sehr wird aber auch schon an der Organisation gezweifelt. Erst stellt Tony Stark seine Ermittlungen an, dann findet auch Steve Rogers dunkle Geheimnisse heraus, die sein Weltbild ins Schwanken bringen und in seiner eigenen Filmreihe noch viel weiter ausgeführt werden sollen.

Während Clark Greggs Agent Coulson hier sowohl den Prolog zur S.H.I.E.L.D.-Serie abliefert als auch die Motivation für das Zusammenkommen der Avengers darstellt, wird ebenso schon das Ego von Tony Stark gegen den Patriotismus von Steve Rogers gestellt. Bereits hier wird deutlich, dass diese zwei Streithähne irgendwann aufeinander treffen werden, auch wenn in 2012 noch alle von The Avengers zu begeistert waren, als dass sie über den späteren Civil War hätten philosophieren können.

Wenn die Phase 1 des Marvel Cinematic Universe bis hierher unterhaltsam war, erreicht sie durch Joss Whedon ein neues Level. Er erhöht die Witz-Dichte und gibt den Figuren zugleich viel mehr Tiefe. Nach The Avengers glaubt man die Grundmotivationen und Herangehensweisen dieser Helden zu kennen. Dabei geht es dem Film niemals darum eine Komödie zu sein und Whedon versteht sich in der richtigen Kombination aus Action, One-Linern und Dramatik, hat in jedem Bereich die richtige Dosierung gefunden.

Ebenso hat er seine Hausaufgaben mit den bisherigen Filmen gemacht. Er zeigt Thor und Loki in einer Shakespeare-ähnlichen Szenerie, als habe er Kenneth Branagh aus dessen Thor zitiert. Er zeigt Loki als Hitler-ähnlichen Unterdrücker in Deutschland, wo er sich mit Captain America auseinandersetzen muss und dieser wie in seinem eigenen Film erscheint. Durch solcherlei Puzzlestücke und das finale Zusammensetzen wirkt The Avengers wie ein äußerst gut durchdachtes Stück Kino.

Hinzu kommen großartige Kämpfe zwischen Iron Man, Captain America und Thor oder aber der Gott des Donners gegen Hulk, ein Kampf der wiederum in Thor: Ragnarok fortgeführt werden darf, während die Freunde Black Widow und Hawkeye miteinander ringen müssen, nachdem sich der Superschütze in der Gedankenkontrolle Lokis wiederfindet.

Und ganz nebenbei findet Komponist Alan Silvestri immer die richtigen Töne. Er kombiniert Einzelthemes zu einem großen Ganzen. Wir hören Anleihen aus Iron Man, aus Captain America und lassen sie uns von Silvestri zum großen, pompösen Superhelden-Theme der Avengers zusammenführen. Bis heute steht Marvel unter Beschuss, keine erinnerungswürdigen Melodien für ihre Helden parat zu haben, aber das The Avengers-Theme kann man nach dem Film ohne Probleme vor sich hin summen.

The Avengers hat darüber hinaus die Filmwelt verändert. Nicht immer sind Veränderungen gut, schaut man auf die bereits vielen Versuche, den filmischen Universumsgedanken zu kopieren. Zumindest das Marvel Cinematic Universe hat hier aber gezeigt, dass der Plan aufgeht, die Einzelhelden immer mal wieder aufeinander treffen zu lassen um sie miteinander oder gegeneinander agieren zu sehen.

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