Man kann nicht so genau sagen, ob Joss Whedon mit Avengers: Age of Ultron wirklich ein Film gelungen ist, der eigenständig für sich funktioniert. Man kann nicht einmal sagen, ob es die Zusammenführung der vorherigen Filme ist oder aber eine Vorausschau auf Dinge, die dort noch kommen mögen: Man nehme die Streitigkeiten zwischen Iron Man und Captain America oder den Vibranium-Handel von Ulysses Klaue, der dem Volk von Wakanda wenig Gefallen dürfte. Zwischendurch wird Thor von einer Infinity Steine-Vision geplagt und macht sich auf, sein ganz eigenes Abenteuer zu erleben. Das macht aus dem zweiten Avengers-Film einen merkwürdigen Flickenteppich.

Und dann wäre da ja auch noch die Entwicklung einer künstlichen Intelligenz namens Ultron, die allerdings ein Eigenleben entwickelt. Ultron erwacht zum Leben und identifiziert die Avengers als gefährlich. Seine Aufgabe ist es also, die Welt vor der Zerstörungswut der Superhelden zu retten. Die Wunder-Zwillinge Scarlet Witch (Elizabeth Olsen) und Quicksilver (Aaron Taylor-Johnson) schließen sich schon bald Ultron an, um sich dafür zu rächen, dass ihre Eltern durch eine Bombe von Stark Industries getötet wurden. Derweil wird mit Vision eine weitere künstliche Intelligenz zum Leben erweckt, die sich wiederum auf die Seite der Avengers schlägt.

Scarlet Witch und Hawkeye

Schade ist, dass die creepiness von Scarlet Witch nur einmal kurz zum Vorschein kommt, wenn sie sich wie in einem Horrorfilm hexenhaft bewegen darf. Leider wird ihr Hexen-Dasein später fallen gelassen und sie verkommt zum Gedanken kontrollierenden Mädchen. Die schönste Episode wiederum erhält Hawkeye, der in The Avengers noch selbst unter einer Dauer-Gedankenkontrolle durch Loki zu leiden hatte. Hier wird seine Figur weitaus mehr in den Mittelpunkt gestellt und es gibt gar ein wenig Backstory sowie Bedenken über die Zusammenarbeit mit den Avengers.

Es sind eher die kleinen, wenn auch immer noch bombastisch inszenierten Momente, durch die Age of Ultron von sich überzeugen kann. Die Gänsehaut ist vorprogrammiert, wenn die Avengers endlich wieder Seite an Seite zu sehen sind. Wie sie gemeinsam eine Nazi-Festung stürmen und sich dazu die unterschiedlichen Musikthemes abwechseln, bis sie zur Avengers-Titelmelodie kulminieren.

Was bestehen bleibt ist Whedons Dialog-Witz. Ob kleine Reibereien über Captain Americas Wortschatz oder ein Mitarbeiter Von Struckers, der kleinlaut Iron Mans Auftritt kommentiert – trotz Flickenteppich weiß Joss Whedon, wie er nicht nur durch große Kämpfe, sondern auch kleine Worte unterhalten kann.

Avengers: Age of Ultron ist der harten Aufgabe nicht gewachsen, seinen Vorgänger zu übertrumpfen, obwohl man uns von allem mehr gegeben hat. Dieses “mehr” an Neuzugängen wie Scarlet Witch, Quicksilver und Vision kommt zwar cool daher, kann aber nicht voll ausgespielt werden. Das Avengers-Sequel wirkt eher wie ein gigantischer Set-Up, der die Vorarbeit für noch kommende Filme liefern soll.

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