Früher hat man selbst Mixtapes zusammengestellt. Das erste Tape war immer unfassbar genial. Es war eine Ansammlung der besten Songs, die man den ganzen Tag lang rauf und runter hören konnte. Trotzdem musste irgendwann eine Alternative her. Ein zweites Mixtape. Hier musste man schon ein wenig länger darüber nachdenken, welche Songs man nun wie aneinanderreihen sollte. Es waren nicht mehr die absoluten Highlights, sondern eben gute Songs, die gerade in diesem Moment cool waren. Vielleicht musste sogar der eine oder andere Lückenfüller auf das Mixtape gepackt werden, damit die komplette Laufzeit der Kassette ausgenutzt werden konnte. Willkommen bei James Gunns Guardians of the Galaxy Vol 2.

Im Sequel muss sich Star-Lord nun mit seinem Vater (Kurt Russell) herumschlagen, während sich Gamora und Nebula als Schwestern wieder näher kommen. Rocket fühlt sich als schwarzes Schaf der Guardians-Familie, ebenso wie sich Yondu als schwarzes Schaf seiner Ravenger-Familie fühlt. Derweil lernt Drax die Empathin Mantis kennen, die mit ihren emotionalen Fähigkeiten seinen Schmerz über den Verlust seiner Familie nur allzu gut spüren kann.

Wer ist hier eigentlich der Papa?

Damit finden die Guardians in Yondu und Nebula unerwarteten Familienzuwachs, während der kleine Baby Groot überall so ein wenig mitmischt, weil er ach so liebreizend ausschaut und “Ich bin Groot” quietschen kann. Der Most Valuable Player ist dabei Yondu, fabelhaft von Michael Rooker gespielt. Die Haupthandlung plätschert so vor sich hin, bis sich Yondu als quasi Ersatz-Vater in die Auseinandersetzung aus Sohnemann Star-Lord und Papa Kurt Russell einmischt.

Nett ist auch ein Besuch bei den Sovereign – ein Volk von in Gold gehüllten Mensch-Aliens, die in einer Arcade-ähnlichen Kriegshalle in Drohnen schlüpfen, um diese wie in einem Computerspiel durch die Galaxis zu steuern. Das wird mit Soundeffekten direkt aus Pac-Man und Space Invaders untermalt, so dass hier die 80er Jahre noch einmal hörbar gemacht werden.

Einzig die Witz-Dichte ist etwas zu hoch geraten. Manchmal wirkt Guardians of the Galaxy Vol 2 wie eine Persiflage auf sich selbst. Jeder Bösewicht muss sich mindestens einmal selbst lächerlich machen. So wird jeder Moment von ernster Boshaftigkeit mit einer Comedy-Einlage beendet, wodurch nie wirklich eine bedrohliche Stimmung aufkommen will.

Dennoch ist James Gunn ein unfassbar unterhaltsamer Film gelungen, der überaus emotional daherkommt, denn gerade das Ende ist einfach herzerweichend und zu Tränen rührend.

Bild Copyright The Walt Disney Company