Filmkritik

“Mavericks” von Michael Apted & Curtis Hanson

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© Senator/Central / Viele Surfer versuchen sich an den legendären Mavericks

© Senator/Central / Viele Surfer versuchen sich an den legendären Mavericks

Wirft man einen oberflächlichen Blick auf die Hollywoodproduktionen, die es geschafft haben das Thema Surfen in eine weite Öffentlichkeit hinaus zu tragen, wird schnell auffällig, dass bisher immer ein sehr femininer Blick auf die Welt dieses Sports geworfen wurde. Sei es dadurch, dass sich Regisseurinnen für Inszenierungen verantwortlich zeigen (Kathryn Bigelows „Gefährliche Brandung“ und Catherine Hardwickes „Dogtown Boys“) oder dass schlicht Frauen im Mittelpunkt einer Erzählung stehen („Blue Crush“ mit Kate Bosworth und Michelle Rodriguez und „Soul Surfer“ mit AnnaSophia Robb). Mit Gerard Butler an Bord eines Filmprojekts, ist jedoch die Männlichkeit in ihrer puren Form gesichert. Aber Butler ist nur in der Rolle von Frosty Hesson zu sehen, zwar selbst ein Surfer, aber in „Mavericks“ eine Nebenfigur, Trainer des Jungsurfers Jay Moriarity. Es ist seine wahre Geschichte, die hier erzählt wird. Eine Geschichte von einem jungen Mann aus Santa Cruz, Kalifornien, der bereits im Alter von sechzehn Jahren die Mavericks südlich von San Francisco surft. Hier erreichen die Wellen eine Höhe von über sieben Metern, 25 Meter ist ein bis heute stehender Maximalwert. Profi-Surfer wie Mark Foo und Sion Milosky ließen ihr Leben beim Surfen der gigantischen Wellen, 2010 wurden Zuschauer bei einem Surfwettbewerb von einer Uferwelle erfasst und davon gespült. Moriaritys Ausflüge zu den Mavericks wurden auf Film festgehalten, ein Coverfoto auf einem Surfmagazin brachte ihm weltweiten Ruhm. Wie er es bis dorthin schaffen konnte, davon erzählen die Regisseure Michael Apted („James Bond: Die Welt ist nicht genug“) und Curtis Hanson („L.A. Confidential“) in dieser Gemeinschaftsarbeit.

Der Film setzt ein Jahr vor dem weltumspannenden Surfereignis ein. Jay Moriarity (Jonny Weston) ist ein fünfzehn-jähriger Teenager, der nur durch Zufall herausfindet, dass die berühmt-berüchtigten Riesenwellen namens Mavericks keine Legenden sind, sondern gar nicht weit vor der Küste seiner Heimatstadt entstehen und somit pure Realität sind. Jay ist von der unbändigen Kraft dieser Giganten fasziniert und fasst einen Plan. Er bittet die lokale Surflegende Rick ‘Frosty’ Hesson (Gerard Butler) um dessen Hilfe. Er soll ihm beibringen, diese Mavericks zu surfen. Das Training soll binnen zwölf Wochen von statten gehen, ein Zeitfenster das allen Ehrgeiz des jungen Surfers erfordert.

Gerard Butler und Jonny Weston

Gerard Butler und Jonny Weston

Aber um Ehrgeiz ist der kleine Jay Moriarity nicht verlegen, dass wird in der ersten viertel Stunde bereits deutlich, wo der Zuschauer den Mini-Surfer kennenlernt. Nicht etwa als Teenager mit fünfzehn Jahren, sondern nur halb so alt, gespielt von Cooper Timberline, Schauspieldebütant und schon bald als junger Clark Kent in der Neuverfilmung „Man of Steel“ zu sehen. Bei ihm sieht man diese großen Augen der Verwunderung, dieser träumerische Blick wenn er Frosty heimlich am Strand beobachtet, wie dieser auf den Wellen reitet. Das weckt die eigene Leidenschaft. Dann macht der Film einen Sprung, sieben Jahre vergehen und Jay wird filmisch um einige Surf-Erfahrungen reicher. Aber auch Probleme außerhalb dieser Welt werden etabliert. Im Schnellverfahren wird aus dem Vater ein herrschsüchtiges Anti-Vorbild, welches aus der Familie verstoßen wird. Jugendliche Halbstarke machen darüber hinaus dem Surferboy das Leben schwer. Die ganz normalen sozialen Probleme eines Teenagers brechen über ihn herein. Dadurch wird das Surfen nicht nur zu einer Leidenschaft, sondern zugleich auch die Flucht vor dem alltäglichen Leben. Die Flucht in eine bessere Welt.

Das Surfen wird zu seinem Lebensinhalt. Eine willkommene Fluchtmöglichkeit, bietet sein Umfeld doch nicht unbedingt die besten Bedingungen für ein harmonisches Dasein. Seine Mutter flüchtet sich in weniger erfüllende Dinge. Der Ehemann und Vater wird in einer Szene als höchst brutal dargestellt, bevor er nie wieder auftaucht. Alkohol und ein ständiger Jobverlust sind die Konsequenzen dieses Verhaltens, die Mutter als instabiler Halt für einen Jungen, der sich inmitten seiner Orientierungsphase befindet. Hier aber werden die Rollen umgekehrt, Jay ist derjenige im Haus, der sich kümmern muss. Neben der Schule und seiner Passion, wird ihm die Mutter zur Last, die er aber bereitwillig auf sich nimmt. Vielleicht ist hier das frühe Erwachsenwerden verankert, vielleicht treibt dieser Umstand ihn an, ein Bestreben diesen Ehrgeiz zu entwickeln, den er so dringend benötigt um sein Vorhaben zu realisieren.

Jonny Weston auf hoher See

Jonny Weston auf hoher See

Aber nicht der Ehrgeiz allein genügt, um in dieser Welt der Profi-Surfer zu bestehen. Er muss hier erst einmal hinein finden, wo Gerard Butlers Frosty gerade recht kommt. Er wird nicht nur Jays Trainer, sondern zugleich auch Ersatz-Vaterfigur, ein Freund, jemand der versteht was die Leidenschaft des Surfens mit sich bringt. „Kleine weiße Jungs steigen nicht mit Mike Tyson in den Boxring“ heißt seine Analogie auf den kleinen, schmächtigen Jay, der gegen die gigantischen Mavericks antreten möchte. Es braucht ein wenig Überzeugungsarbeit, bis Frosty zum Mr. Miyagi dieser Geschichte wird. Das „Karate Kid“-Syndrom zeigt sich auch in seinen Lehrmethoden, die erst einmal so gar nichts mit dem Surfen zu tun haben wollen. Jay muss tatkräftig anpacken, körperliche Stärke aufbauen, aber auch seinen Geist und seine Konzentration trainieren. Immer wieder soll er Aufsätze für Frosty schreiben: „Die Macht der Beobachtung“ über das Verhalten der Wellen, „Angst“ über den Umgang mit diesen. Es soll nicht darum gehen Jay zu einem Cowboy auszubilden, sondern ihm beizubringen immer den Fokus zu behalten. Diese Methode macht aus Frosty einen wertvollen Lehrer und aus Jay den späteren Bezwinger der Mavericks.

Die dabei entstehende Freundschaft funktioniert aber mehr als nur einseitig. Jay gewinnt den Trainer und Vater, den er für sein Leben benötigt, aber auch Frosty gewinnt die Einsicht, selbst ein Familienvater zu sein. Seine Frau bekommt ihn kaum zu sehen, immer ist er mit den Wellen beschäftigt. Doch durch Jay lernt er Verantwortung zu übernehmen, gar einen Sohn zur Verantwortung anzuleiten. Gerard Butler funktioniert auf beiden Ebenen. Er ist sowohl der harte, unnachgiebige Lehrer wie auch der fürsorgliche Vater für Jay. Aber all die guten Eigenschaften werden auch ihn nicht vor Schicksalsschlägen bewahren. Auch das eint Jay und Frosty, beider Familien haben mit harten Tagen zu kämpfen.

Und somit erzählt „Mavericks“ nicht nur von der Leidenschaft des Surfens, stellt diese nur in den Mittelpunkt zweier Lebensgeschichten um den Verlust von Familie, um Angst und Aggressionen, aber auch um die Bewältigung aller aufkommenden Hindernisse durch Freundschaft und einer starken Passion, die sich in diesem Fall in Form des Surfsports manifestiert. „Mavericks“ endet dann mit einem Happy End, trotzt allen Schicksalsschlägen, erwähnt nur in abschließend auf der Leinwand erscheinenden Worten, dass Jay Moriarity im Alter von 22 Jahren verstarb. So endet die wahre Geschichte, nicht aber der Film: 2001 ertrank Moriarity an der Küste der Insel Lohifushi in den Malediven.

 


Mavericks_Hauptplakat

“Mavericks“

Originaltitel: Chasing Mavericks
Altersfreigabe: ab 6 Jahren
Produktionsland, Jahr: USA, 2012
Länge: ca. 116 Minuten
Regie: Michael Apted & Curtis Hanson
Darsteller: Jonny Weston, Gerard Butler, Elisabeth Shue, Abigail Spencer, Cooper Timberline

Deutschlandstart: 17. Januar 2013
Im Netz: mavericks-senator.de


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