Filmkritik

“Mandela: Der lange Weg zur Freiheit” von Justin Chadwick

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Nelson Mandela (Idris Elba) als politischer Aktivist in "Mandela: Der lange Weg zur Freiheit"

Nelson Mandela (Idris Elba) als politischer Aktivist in “Mandela: Der lange Weg zur Freiheit”

Rein Äußerlich waren es eher Morgan Freeman (in Clint Eastwoods 2009er Invictus) und Danny Glover (in dem 1987er Fernsehfilm Mandela) die dem kürzlich verstorbenen Nelson Mandela ähnelten, aber es ist Luther-Seriendarsteller Idris Elba, der Mimik, Gestik und das ganze Drumherum des südafrikanischen Anti-Apartheids-Aktivisten einfängt. Er spielt die Rolle des späteren ersten schwarzen Präsidenten des Landes – der Moment an dem der Film endet – in Mandela: Der lange Weg zur Freiheit, nach der gleichnamigen Biografie Mandelas von 1995, inszeniert von dem britischen Regisseur Justin Chadwick (Die Schwester der Königin) nach einem Drehbuch von William Nicholson (Gladiator, Les Misérables).

Der Film beginnt mit der Kindheit und Jugend Mandelas, kürzer als man erwarten würde. Binnen weniger Minuten ist aus dem kleinen Mann ein stattlich muskulöser junger Erwachsener gesprossen, der, wie er selbst erzählt, von seinem Vater als Troublemaker bezeichnet wird. Aber Mandela will genau das nicht sein, entwickelt sich in die entgegengesetzte Richtung zum erfolgreichen Anwalt. Sein Ziel ist nicht der Troublemaker, er will erreichen, dass seine Familie stolz auf ihn ist. Rückblickend sollte ihm das gelungen sein, auch wenn, so erzählt es die Biografie, sein Weg ganz schön holprig war. Während seiner Zeit als Anwalt knüpft er Kontakte mit der ambitionierten politischen Partei African National Congress, wo der Womanizer seine erste Ehefrau Evelyn Mase (Terry Pheto) kennenlernt. Schon bald gewinnt er die Ansicht, dass manche Kämpfe nicht allein durch Debatten und das bloße Wort gewonnen werden können. Es kommt zur Gewaltanwendung um politische Überzeugungen durchzusetzen. Das bringt ihm eine 27 Jahre lange Gefängnisstrafe ein, in der Mandela zum Gefangenen 46664 wird. Erst nach der Entlassung wird er zum Gegner von Gewalt und ebnet sich damit den Weg zu seiner Karriere als Präsident Südafrikas.

Idris Elba ist Nelson Mandela

Idris Elba ist Nelson Mandela

So glamourös wie das klingt, wird es auch umgesetzt. Das Leben von Mandela besteht in Chadwicks Film aus Höhepunkten. Selbst bei einer Laufzeit von knapp über zwei Stunden, wirkt es doch noch so, als würde mit reichlich viel Speed durch ein historisches Leben geschossen werden. Im ersten Teil nimmt sich der Film noch ab und zu die Zeit, auf weniger erfreuliche Charakterzüge Mandelas Bezug zu nehmen. Der gut aussehende Jüngling streift als Charmeur umher, der sich gerne und oft mit Frauen beschäftigt. Darunter hat seine erste Frau Evelyn Mase zu leiden, die Trennung war von vornherein beschlossene Sache. Die Zeit die er damit verbringt, sein Leben der Politik zu widmen, muss seinem Privatleben abgezogen werden. Umso besser ist es, dass seine zweite Ehefrau Winnie Madikizela, später Mandela, ebenso für politische Belange einsteht wie er selbst, manchmal etwas radikaler, was zur einen oder anderen Auseinandersetzung führt.

Winnie Mandela wird von Naomie Harris gespielt und sie hält sich tapfer neben Idris Elba, der mit soviel Überzeugungskraft in seinen Worten aufwarten kann, dass er den Enthusiasmus und die Willenskraft des wirklichen Nelson Mandelas verkörpert. Da braucht es keine gute Maskierung mehr. Harris hält schauspielerisch Stand, lässt sich nicht zurückdrängen, womit aus den Mandelas ein politisches Power-Couple wird. Dennoch bleibt es hauptsächlich Elbas Facettenreichtum zu danken – er spielt Mandela vom jungen Mann bis ins hohe Alter – dass zumindest ein paar Emotionen aufkommen, denn der Film präsentiert sich als Glorifizierung eines Mythos. Der Film bricht an seinem Vorhaben, eine 700 Seiten starke Biografie abbilden zu wollen, wo ein Film wie Eastwoods Invictus sich auf ein einzelnes Ereignis stützte und hieraus auf das große Ganze verwies.

Auch Winnie Mandela (Naomi Harris) setzt sich für die Freiheit ein

Auch Winnie Mandela (Naomi Harris) setzt sich für die Freiheit ein

Im Gedächtnis bleibt sicherlich das Massaker von Sharpeville vom 21. März 1960, prominent im Film vertreten, mit einigen realen Archivaufnahmen – Fotos und Radioübertragung – unterlegt. Regisseur Justin Chadwick tut gut daran, diesen Wendepunkt in der Geschichte Südafrikas gebührend Aufmerksamkeit zu schenken, hier einmal kurz vom Gas zu gehen, um die Erschießung von mehr als vier Dutzend Demonstranten zu zeigen – von den weiteren, zahlreichen Verletzten bekommt man hier jedoch nur wenig mit. Das mindert allerdings nicht die Kraft dieser Bilder, die unter anderem zur Folge hatten, dass die südafrikanische Regierung die African National Congress-Partei (sowie die etwas radikalere Partei Pan Africanist Congress) verbot, woraufhin diese zur gewaltbereiten Untergrundorganisation umfunktioniert wurde.

Solche Ereignisse allein sind Filme wert. Und wieder wird deutlich, wie rasend schnell Mandela: Der lange Weg zur Freiheit ein Leben – eigentlich sogar nur ein halbes Leben – hinter sich bringen will. Einen langen Weg so kurz darzustellen wird dem Mythos kaum gerecht, da etliche Episoden ausgelassen werden müssen. Der Gewinner bleibt Idris Elba, der mit seiner Darstellung des Nelson Mandela ein beeindruckendes Bild von sich selbst abliefert. Zumindest das wird man in Erinnerung behalten können, für den Rest geht alles viel zu schnell.


Mandela_Poster“Mandela: Der lange Weg zur Freiheit”

Originaltitel: Mandela: Long Walk to Freedom
Altersfreigabe: noch nicht bekannt
Produktionsland, Jahr: USA, 2013
Länge: ca. 139 Minuten
Regie: Justin Chadwick
Darsteller: Idris Elba, Naomie Harris, Terry Pheto

Kinostart: 30. Januar 2014
Im Netz: www.mandela.senator.de


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