Filmkritik

“Maleficent – Die dunkle Fee” von Robert Stromberg

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Sie wird Prinzessin Aurora verwünschen: Angelina Jolie ist Robert Strombergs "Maleficent"

Sie wird Prinzessin Aurora verwünschen: Angelina Jolie ist Robert Strombergs “Maleficent”

Irgendwann mag es nicht mehr überraschen. Aber derzeit schafft es der Disney-Konzern durch das rege erneuern der von ihnen erzählten klassischen Märchen, hier und da ein Erstaunen zu erhaschen. Die böse Stiefmutter aus Schneewittchen ist zumindest in der von Disney produzierten Fernsehserie Es war einmal… nicht mehr ganz so böse und in dem Publikumserfolg Die Eiskönigin mangelt es gar gänzlich an einem klassischen Schurken. Jedenfalls erkennt man ihn nicht auf den ersten Blick. Man spielt mit den Sehgewohnheiten der Disney-Fans. So auch in Maleficent, einem visuell eindrucksvollen Vehikel gänzlich auf Angelina Jolie in der Hauptrolle zugeschnitten. Die böse Malefiz aus dem 1959er Animationsfilmklassiker wird vom Visual Effects-Experten und Debüt-Regisseur Robert Stromberg rehabilitiert.

Ursprünglich basierend auf dem 1696 erstmals gedruckten Märchen La Belle au Bois dormant von Charles Perrault war Malefiz einst dafür verantwortlich, die Königstochter Aurora zu verwünschen, sie in einen ewig währenden Schlaf verfallen zu lassen, aus dem sie nur durch den Kuss der wahren Liebe erweckt werden konnte. Da kam der strahlende Prinz Phillip daher, schlug sich durch die Dornenranken zum Turm der Dornröschen durch um das Märchen zum Happy End zu leiten.

Einst ins Maleficent verliebt, dann von der menschlichen Gier übermannt: Sharlto Copley als König Stefan

Einst ins Maleficent verliebt, dann von der menschlichen Gier übermannt: Sharlto Copley als König Stefan

Davon sind in Maleficent nur noch Versatzstücke übrig geblieben. Der Film erzählt wie die gute Fee Maleficent von der Liebe zu einem Menschen betrogen wird und daraufhin in Rachsucht verfällt. Der Mann wird zum König des menschlichen Reichs, heiratet und bekommt eine Tochter, die dann tatsächlich von Maleficent heimgesucht wird. Der inzwischen gealterte Liebhaber und König wird von Sharlto Copley verkörpert, der sich wiederum nach der Verwünschung seiner Aurora ebenfalls der Rachsucht hingibt. Regisseur Stromberg scheint mit jedem Moment des Films die wahre Liebe, die Liebe auf den ersten Blick anzweifeln zu wollen, so dass auch der Bruch des Fluchs für Aurora etwas anders daher kommt, als man es im klassischen Disneyfilm erwarten würde. Aber mit dieser Tradition brach ja bereits Die Eiskönigin und wurde dafür mehr gelobt als belächelt.

Leider fehlt es dem König, aber auch seiner Tochter an nötiger Tiefe. Sharlto Copley holt aus seiner Figur möglichst viel Rage und Zorn hervor, ohne die emotionale Bindung zwischen seinem Schicksal und Taten zu knüpfen. Das mag der Schnelllebigkeit der Handlung zugeschrieben werden. In einem Moment wird Sharlto Copleys Stefan noch als vertrauenswürdiger Bub gezeigt, im nächsten Moment ist er der herrschsüchtige Patriarch des menschlichen Königreichs. Ähnlich ergeht es Angelina Jolies Maleficent. Von der unschuldig-fröhlichen Fee zur bitterbösen Matriarchin des Sumpfreichs, dass mit ihrer Verbitterung über den Verrat an Farbe verliert und zur schwarz-grau-braunen Welt aus Dornen mutiert. Mehr Figurenentwicklung und weniger Schlachtengetümmel wären eine denkbare Lösung gewesen.

Maleficents (Isobelle Molloy) Kindheitstage waren noch unbeschwert

Maleficents (Isobelle Molloy) Kindheitstage waren noch unbeschwert

Diese Sümpfe sind nebenher der einzige Schauwert des Films, der den Zuschauer von Angelina Jolies Maleficent losreissen kann. Ob als bunte heile Welt in ihren Kindheitstagen – hier wird Maleficent viel zu kurz von Isobelle Molloy, später als Teenagerin von Ella Purnell dargestellt – oder später als düsterer Hort der bösen Hexe und ihres Dieners Diaval (Sam Riley), den Maleficent nach belieben in einen Raben, einen Wolf oder ganz andere Kreaturen verwandeln kann. In diesen Sümpfen leben lustige Wesen. Mal schöne Geschöpfe wie Feen und Elfen, dann weniger schöne, dafür mit lustigen Rüsselnasen bestückte Sumpfschweine. Aber auch lebendige Baumwachen, die Maleficent schützen, ganz gleich ob als gute oder böse Fee. Besonders wenn sie ihre Flügel aufspannt und durch dieses Land gleitet, zeigt der Film Bilder, deren Farbkraft und Variation in Flora und Fauna es mit Avatars Pandora aufnehmen können.

Aber es führt alles immer wieder zu Angelina Jolie zurück. Ob mit ihren immens kräftigen Flügeln oder ohne – sie wird quasi von Stefan kastriert – mit ihren riesigen Hörnern auf dem Kopf, die als weibliche Fallussymbole jedem Mann das fürchten lernen sollten, mit ihren extravaganten Outfits und den nachbearbeiteten Wangenknochen, wird Jolies Maleficent zu einer wahren visuellen Pracht. Das scheint gewollt zu sein. Daher kann man sich auch nicht darüber beklagen, dass Elle Fannings Aurora, die spätere Dornröschen, viel zu kurz kommt. Sie durchstreift den Film eher als naiv-fröhliches Lachbonbon. Als Neuinterpretation funktioniert Maleficent jedoch hervorragend. Man muss nur acht geben, bis zu welchem Maße nun jeder Klassiker des Hauses Disney in dieser Form modernisiert werden kann.

Maleficent
Regie: Robert Stromberg, Drehbuch: Linda Woolverton
Länge: 97 Minuten, freigegeben ab 6 Jahren, Kinostart: 29. Mai 2014
im Netz: Maleficent bei Walt Disney
alle Bilder © Walt Disney Studios Motion Pictures Germany GmbH

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