Filmkritik

“Mädelsabend” von Steven Brill

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Meghan (Elizabeth Banks) wird im Umfeld zahlreicher Prostituierten selbst für eine solche gehalten. Das beschert ihr ein außer Kontrolle geratener "Mädelsabend"

Meghan (Elizabeth Banks) wird im Umfeld zahlreicher Prostituierten selbst für eine solche gehalten. Das beschert ihr ein außer Kontrolle geratener “Mädelsabend”

In Deutschland deutet der Titel Mädelsabend auf eine Hangover-ähnliche Party hin, die durch ihre Eskalation zu Lachern im Publikum sorgen soll. Während hierzulande also der Auslöser eines Desasters in den Mittelpunkt gerückt werden soll, darf Hauptdarstellerin Elizabeth Banks, spätestens seit ihrer Rolle als Effie in den Die Tribute von Panem-Filmen, im englischsprachigen Original den Walk of Shame beschreiten. Also jenen Weg, der hier der durchzechten Nacht folgt, der für sie allerhand Peinlichkeiten, Absurditäten und für das Publikum ein Konstrukt aus Zufall, Dummheit und Unglück zusammen leimt.

Die Reporterin Meghan (Banks) hat in ihrem Job als Fernsehjournalistin eine böse Vergangenheit hinter sich gelassen, mit der sie beileibe nicht allein dasteht. Mädelsabend eröffnet mit einer Aneinanderreihung von fiktiven Reportern, die sich in ihren Karrieren mit peinlichen On-Air Situationen den Ruf versaut haben. Der Film zollt den kurzen YouTube-Absurditäten Respekt, versucht hierdurch Aufmerksamkeit zu erhaschen, ohne dass all diese Momente eine Relevanz hätten. Meghans Fehltritt wird hier eingebettet, bringt die Handlung in Gang – oder besser: erklärt, weshalb sie so bestrebt ist, erneut einen Platz hinter dem Nachrichtenpult zu erhaschen, dass sie gar diesen Walk of Shame auf sich nimmt.

Mädelsabend_Szenebild

Meghan trifft auf der Straße auch auf Kleinkriminelle, die davon überzeugt werden wollen, dass sie eine Nachrichtenjournalistin ist.

Regisseur Steven Brill, der Adam Sandler in Little Nicky und Mr. Deeds versuchte anzutreiben, gelingt auch mit Elizabeth Banks kein vorankommen. Er möchte die große Geschichte einer Reporterin erzählen, die am Ende die journalistische Schluderei der Berichterstattung erkennt und dies öffentlich anprangert. Was wir jedoch zu sehen bekommen ist eine Protagonistin und leider auch Hauptdarstellerin, die sich unter Wert und ohne die nötige Antriebskraft durch den Film schleifen muss.

Damit wir Meghan nicht vor lauter Langeweile aus den Augen verlieren, hat Regisseur Brill ihr ein knallgelbes Kleidchen übergezogen, mit dem sie sich durch die dunkle Nacht und finstere Straßen und Gassen bewegt. Gerne würde man hier ein ästhetisches Experiment vermuten, eine tiefere Bedeutung hinein interpretieren, doch am Ende erscheint es tatsächlich als nichts weiter als ein Erkennungsmerkmal, durch das auch im Film Meghan von den Medien als „diese verrückte Frau, die durch die Straßen hetzt“ erkannt werden kann.

Für ein Fahrrad bedient sich Meghan selbst bei kleinen Kindern.

Für ein Fahrrad bedient sich Meghan selbst bei kleinen Kindern.

Der Versuch Humor entstehen zu lassen entspringt zumeist Missverständlichkeiten: Meghan versteht einen Taxifahrer rein sprachlich nicht, sie wird von der Polizei für eine Prostituierte gehalten, kann sich auch einer Busfahrerin nicht so mitteilen wie sie es gerne würde.

So scheitert denn auch Regisseur Brill sich uns mitzuteilen. Sein Film wird nicht inhaltlich sondern an sich zum Witz. Vielleicht ist es bezeichnend, dass sowohl Regisseur als auch Hauptdarstellerin in der unsäglich unkomischen Komödien-Anthologie Movie 43 mitgewirkt haben, mit der sich jeder Beteiligte für das Genre disqualifiziert haben sollte. Mit Mädelsabend unterstreichen Brill und Banks nun noch einmal diese Negativ-Leistung.

Mädelsabend
Regie & Drehbuch: Steven Brill
95 Minuten, freigegeben ab 12 Jahren, Kinostart: 26. Juni 2014
im Netz: Mädelsabend auf Facebook
alle Bilder © Universum Film

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