© Capelight/Rekord Film / Die Red Tails müssen sich gegen Rassendiskriminierungen durchsetzen

Die Produktionsstätte Lucasfilm Ltd. taucht zumeist im Vorspann eines Films auf, wenn es sich um ein Produkt der „Star Wars“ oder „Indiana Jones“-Reihe handelt. In den letzten Jahren damit beschäftigt, die Episoden I bis III der Saga um Anakin Skywalkers Verwandlung zu dem finsteren Darth Vader zu erzählen und Harrison Ford zum vierten Mal mit seiner Bullenpeitsche zu zeigen – oder die Fernsehanimationsserie „Star Wars: The Clone Wars“ konsequent fortzuführen – ist „Red Tails“ der erste Film seit mehr als einem Jahrzehnt, der außerhalb dieser Franchises von Lucasfilm Ltd. produziert wurde. George Lucas hat sich hier jedoch größtenteils herausgehalten, nur einiger weniger Nachdreh-Sequenzen hat er sich angenommen, bleibt unerwähnt neben Regisseur Anthony Hemingway, sein Spielfilm-Regiedebüt unter starkem Banner.

„Red Tails“ setzt im Italien des Jahres 1944 an, mitten während des zweiten Weltkriegs, wo die 332. Kampfgruppe, die erste afroamerikanische Lufteinheit, mit minderwertigen Einsätzen abgespeist wird. Die Piloten erhalten sich dennoch allesamt ihren Stolz, wollen zugleich aber auch beweisen, was wirklich in ihnen steckt. Die Red Tails machen sich einen Namen und bekommen schon bald ihre große Chance: Sie dürfen für ihr Land in die Schlacht ziehen. Die Geschichte ist von wahren Ereignissen inspiriert, von den so genannten Tuskegee Airmen, den ersten schwarzen Kampfpiloten des United States Army Air Corps, noch während der Rassentrennung, die innerhalb der US-Streitkräfte bis 1948 galt. Diese Einheit verlor während 1500 Einsätzen gerade einmal 25 Bomber, die sie beschützten, während es ihnen selbst gelang, mehr als einhundert deutsche Flugzeuge abzuschießen.

Terrence Howard als Colonel A. J. Bullard

„Blacks are mentally inferior, by nature subservient, and cowards in the face of danger. They are therefore unfit for combat.“ Mit diesen Worten, entnommen einer 1925er U.S. Army War College Studie eröffnet „Red Tails“ seine Geschichte um den afroamerikanischen Kampf, nicht nur im zweiten Weltkrieg, sondern auch in den eigenen Reihen. Sie müssen sich gegen dieses Vorurteil behaupten, gegen die natürliche Minderwertigkeit, dagegen dass sie Feiglinge im Angesicht von Gefahr und nicht für den Kampf geeignet sind: So werden sie an Orten eingesetzt, fliegen Patrouille, wo seit Monaten schon keine Feinde mehr gesichtet wurden. „Does it matter how well we do?“ wird gefragt. Ist es überhaupt von Interesse für den Krieg, was sie wo machen. Ebenso gut könnten sie den Soldaten ihres Landes die Brote schmieren, es wäre wahrscheinlich sogar noch weitaus hilfreicher als diese Einsätze an Nebenschauplätzen.

Die Deutschen Kampfpiloten schimpfen „Gott, diese afrikanischen Piloten“, die Amerikaner weisen sie mit „Go home, Nigger“ ab. Es erscheint wie der Kampf gegen Windmühlen, aber irgendwann gelingt es Colonel A. J. Bullard (Terrence Howard) und Major Emanuelle Stance (Cuba Gooding Jr.) ihre Red Tails in einen richtigen Einsatz zu schicken, auch wenn Colonel William Mortamus (Bryan Cranston) skeptisch bleibt. Als Zuschauer darf man sich fortan der hübsch inszenierten Luftkämpfe erfreuen, stilvoll inszeniert, auch wenn sich nicht verleugnen lässt, dass es arg an „Star Wars“ Raumschlachten erinnert – stelle man sich die Kampfflugzeuge als X-Wings & Co. vor, ersetzt den blau bewölkten Himmel mit dem sternenreichen Weltall, der Unterschied wäre nicht mehr von der Hand zu weisen.

Im Luftkampf zeigen die Red Tails das man sie ernst nehmen sollte

So erkämpfen sich die Red Tails in diesen Gefechten die Akzeptanz ihrer Kollegen. Anfangs noch aus der Piloten-Kneipe geworfen, wird nun gemeinsam ein Schnaps getrunken. Akzeptanz, das große Thema dieses Kinomärchens, auch eine kleine Liebesgeschichte als Intermezzo, nicht dass sie von Nöten gewesen wäre, zwischen der Italienerin Sofia (Daniela Ruah) und Pilot Joe Little (David Oyelowo) verfolgt dieses Motiv. Er spricht kein Italienisch, sie kein Amerikanisch, mit Händen und Füßen wird gestikuliert, Worte bringen die beiden nicht weiter – dennoch verlieben sie sich. Die weiße Italienerin akzeptiert ihren afroamerikanischen Buhler, obgleich man so wenig gemein zu haben scheint – außer eben der Menschlichkeit, wie Sofia weitaus eher erkennt als die weißen Kriegskollegen. Aber „Red Tails“ möchte mehr sein, als der Film eigentlich ist. Die Liebesgeschichte wirkt künstlich eingebettet, die Musik impliziert pompöse Momente, wo keine zu finden sind, die Darsteller haben mehr Spaß, als sie es haben sollten. Der Film erscheint wie eine fehlgeleitete Space Opera, übertragen auf den zweiten Weltkrieg. Das mag so lange funktionieren, wie die Zuschauer in darstellerlose Luftkämpfe eintauchen können, darüber hinaus merkt man dann aber schnell, dass hier zu viel auf einmal gewollt wird: Kein Wunder, ursprünglich war der Film einmal als Trilogie geplant, damals 1988, als George Lucas selbst zum ersten Mal der Idee einer Verfilmung dieser historischen Geschichte verfallen war.

Denis Sasse

“Red Tails“

Originaltitel: Red Tails
Altersfreigabe: ab 16 Jahren
Produktionsland, Jahr: USA, 2012
Länge: ca. 129 Minuten
Regie: Anthony Hemingway
Darsteller: Terrence Howard, Cuba Gooding Jr., Nate Parker, David Oyelowo, Tristan Wilds, Ne-Yo, Elijah Kelley, Markus T. Paulk, Leslie Odom Jr., Michael B. Jordan, Kevin Phillips, Andre Royo, Method Man, Bryan Cranston

Deutschlandstart: 22. November 2012
Offizielle Homepage: redtails2012.com