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Joel Edgerton und Ruth Negga leben in LOVING eine verbotene Mischehe

Es ist geradezu magisch wie schnell sich Darstellerin Ruth Negga in Hollywood nach oben gearbeitet hat. Erst noch im Superhelden-Seriengeschäft mit wiederkehrenden Rollen in Marvels Agents of S.H.I.E.L.D. und Preacher, dann eine Hauptrolle im Warcraft-Film und nun das Drama / Biopic Loving, für das sie direkt eine Oscar-Nominierung als beste Hauptdarstellerin einkassieren durfte. Das alles innerhalb von nur drei Jahren.

Ruth Negga spielt Mildred Loving, Ehefrau von Richard Loving (Joel Edgerton) in einer Mischehe, die im US-Staat Virginia in den späten 1960er Jahren gegen das Gesetz verstößt. Nach diversen brutalen Übergriffen ziehen die Lovings vor Gericht, was 1967 mit der Klage Loving vs. der Staat von Virginia zu einer geschichtsträchtigen Verhandlung führt.

Loving kommt von Regisseur und Drehbuchautor Jeff Nichols (Midnight Special) und wurde inspiriert durch die 2011er Dokumentation The Loving Story von Nancy Buirski. Nichols hat seinen Midnight Special-Darsteller Michael Shannon derweil auch noch mit eingebracht. Dieser spielt hier Grey Villet, einen Fotografen des LIFE-Magazins, der die schönen und ruhigen Momente der Ehe von Richard und Mildred einfängt, wenn sie gemeinsam auf dem Sofa liegen und Fernsehen schauen und die Welt ach so einfach erscheint.

Loving
Joel Edgerton (links) und Ruth Negga (rechts) als Richard und Mildred Loving.

Aber die heile Welt findet nur in äußerst wenigen Momenten statt. Vor allem weil der Film nicht ganz so leicht mit der Hautfarben-Thematik umgeht wie zum Beispiel Hidden Figures, wirkt Loving um einiges tiefgreifender und emotionaler, als die Geschichte um die drei NASA-Genies.

Und es ist in allererster Linie Ruth Negga, die diese Emotionalität auf uns überträgt. Sie spielt mit vollster Natürlichkeit, mit Liebe und Hingabe, so dass wir die Herzlichkeit dieser Person zu spüren bekommen – aber auch umso mehr mit ihr leiden, wenn ihre freundliche Art zu leben auf einmal verschwindet.

Ihr Glück hält gerade einmal 15 Filmminuten an, in denen sie uns umarmt und ihre Freude ausstrahlt, bevor Polizisten in das Haus der Lovings eindringen und die pure Hölle für das Ehepaar beginnt. Es ist ab diesem Moment ein wahrer Spießrutenlauf an Diskriminierung, der wir kaum Glauben schenken möchten, so absurd erscheinen die Anti-Mischehen-Argumentationen.

Loving
Grey Villet (Michael Shannon) fotografiert die Lovings für das LIFE-Magazin.

Neben ihr steht immer Joel Edgerton, der als blonder Hüne irgendwie zu böse ausschaut für seine liebevolle Teddybär-Rolle von einem Ehemann. Richard Loving ist im Inneren ein verzweifelter Mann, der sich hilflos seiner Situation ausgeliefert sieht. Rein Äußerlich gelingt allerdings hier nicht der Übertrag auf uns Zuschauer, da Edgerton eher nach James Bond-Bösewicht ausschaut. Aber das sind wiederum genau die Äußerlichkeiten, die auch der Film selbst natürlich ankreiden möchte. 

Wichtig ist, dass es Negga und Edgerton gemeinsam gelingt, unser Mitleid zu erspielen. Ihre Rollen werden auf die ultimative Ehe-Bewährungsprobe gestellt. Ein Staat gegen ihre Liebe. Entweder den Staat und ihr Zuhause verlassen, die Ehe aufgeben oder aber ins Gefängnis gehen. Jeff Nichols zeigt uns mit bedrückenden Bildern wie wenig ein Mensch wert sein kann, der nicht dem gesellschaftlichen Anspruch des “Normalen” entspricht.

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