Filmkritik

“Lone Survivor” von Peter Berg

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Lone Survivor_PlakatWenn schon der Vorspann eines Films vor Patriotismus nur so trieft, dann dürfte schnell klar sein, dass es sich um einen Film eines Mannes handelt, der offenkundig stolz auf die Leistungen der US-Soldaten in welcher Armee auch immer ist. Das hat grundsätzlich zur Folge, dass ihre Taten glorifiziert werden. Peter Berg hat mit Battleship eine finanzielle Niete hingelegt, aber zumindest der Navy einen recht teuren Werbefilm beschert. Und auch in Lone Survivor werden wieder Navy SEALs zum Einsatz gebracht, nicht weniger handelt es sich um pure Werbung für den Dienst an der Waffe. Das mag für Patrioten und Kriegsbefürwortern beste Unterhaltung sein, für den Rest der Welt funktioniert das allerdings überhaupt nicht.

Die Hauptfigur darf Mark Wahlberg spielen, der sich hier in den ersten Minuten bereits blutig und im Sterben liegend in einem Armeehubschrauber wieder findet. Der Hubschrauber wird als Silhouette vor der untergehenden Sonne gezeigt, ein Bild für Kriegsromantiker, ein Trauma für diejenigen, die diese Szenerie schon tausendmal in den Filmen Michael Bays erleben mussten. Klar wird nur, dass Wahlbergs Navy SEAL Marcus Luttrell ein Mann ist, der mit allen ihm zur Verfügung stehenden Mitteln für sein Land kämpft, wenn es nötig wäre, sein Leben gar opfern würde. Er ist ein wahrer Patriot, die Identifikationsfigur für jeden Amerikaner, der gerne mit Muskeln, Mut und Machete in die Schlacht ziehen würde.

Der Film, dessen Drehbuch ebenfalls von Berg stammt und auf einem Tatsachenbericht des wirklichen Marcus Luttrell beruht, springt dann drei Tage in die Vergangenheit, wo die Welt noch in Ordnung ist. Nun wird also erzählt, wie Luttrell zu diesem Lone Survivor im Hubschrauber werden wird. Wir befinden uns im Afghanistan des Jahres 2005, wo vier Soldaten der Navy SEALs mit der Aufgabe betreut werden, den Aufenthaltsort eines früheren Taliban-Kämpfers zu ermitteln. Inmitten ihres Auftrags müssen die vier Soldaten, die auf diese Mission geschickt werden, eine moralische Entscheidung treffen, in deren Folge die Situation ausser Kontrolle gerät. Auf einmal sehen sich diese vier Amerikaner einer Übermacht an Taliban-Kämpfern gegenüber, die ihnen sowohl körperlich als auch mental alles abverlangen.

Was hier geschieht, scheint jedoch egal zu sein. Der Fokus liegt viel mehr auf die eingangs und noch einmal am Ende gezeigten Originalaufnahmen der Soldaten, die für Lone Survivor Pate standen. Diese Einbettung führt zum Werbeclip-Charakter, der allenfalls bei Vorführungen innerhalb der US-Army für Jubel und Applaus sorgen dürfte. Viele andere rein fiktionale Filme zollen ihrer Thematik weitaus mehr Tribut, als dass Lone Survivor eine Hommage an die Taten dieser Männer darstellen würde.

Lone Survivor
Regie & Drehbuch: Peter Berg
121 Minuten, freigegeben ab 16 Jahren, Heimmedienstart: 31. Oktober 2014
im Netz: Lone Survivor bei Universum Film
alle Bilder © Universum Film

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