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Gangster Ben Affleck zeigt sich in LIVE BY NIGHT gänzlich überfordert

Schon mit seinem Regiedebüt Gone Baby Gone hatte sich Ben Affleck bei dem amerikanischen Autor Dennis Lehane bedient, dessen Werke schon für Filmemacher wie Martin Scorsese (Shutter Island) interessante Filmstoffe boten. Mit Live By Night wagt sich Affleck nun abermals an einen Roman Lehanes, der ihn in die Tiefen der 1920er Gangster-Welt führt.

Regie. Drehbuch. Produzent. Hauptdarsteller. Ben Affleck hat sich vielleicht ein wenig übernommen. Man merkt dem Film geradezu an, wie Ben Affleck in seinen multiplen Rollen der Überforderung erliegt. Da hilft es auch nichts, dass er die großartige Elle Fanning (Super 8), Brendan Gleeson (The Guard), Sienna Miller (Foxcatcher), Zoe Saldana (Avatar, Star Trek) und Chris Cooper (The Town) um sich versammelt hat.

Live By Night
Als Gangster lebt es sich gefährlich in LIVE BY NIGHT

In dem Film geht es um eine Gruppe von Gangstern aus Boston, allen voran Joe Coughlin (Affleck), die in den Alkoholhandel in Florida während der Prohibition einsteigen wollen. Dort müssen sie sich allerdings mit der Konkurrenz, als auch mit dem Treiben des Ku Klux Klans auseinandersetzen.

Ein wenig bekommt man das Gefühl, Ben Affleck wollte hier seine Version der Die Pate-Trilogie starten. Auch wenn die Vorlagen von Dennis Lehane immer wieder großartiges Material liefern, ist aus Live By Night nicht mehr als ein Ok-Film geworden – ähnlich wie Tom Hardys Bestreben, mit Legend einen erinnerungswürdigen Gangster-Film abzuliefern, der dann aber ebenso wenig in Erinnerung geblieben ist. Beiden Filmen mangelt es an Stärke und Durchschlagskraft, die Der Pate seinerzeit zum Einsatz brachte.

Das mag auch an Ben Affleck als Hauptdarsteller wirken, der in seinem schnieken Gangster-Outfit mit Hut völlig deplatziert wirkt und sich zu keiner Zeit in das Genre einfügen möchte. Er bleibt immer Ben Affleck, kann sich nicht wie noch in Argo in die Rolle eines anderen spielen und uns vergessen machen, wen wir dort vor uns haben. Seine Montur wirkt immer wie eine Verkleidung, nie wie wirkliche Kleidung aus diesen Gangster-Jahren der USA.

Vergleicht man sein Schauspiel mit der ausgezeichneten Leistung seines kleinen Bruders in Manchester By The Sea, so muss man neidlos Caseys Bemühen anerkennen, so viel mehr aus seiner Rolle herausgeholt zu haben, als der große Bruder Ben. Dieser bleibt hier in Live By Night emotionslos, gibt seinem Gesicht nicht eine einzige Gefühlsregung.

Live By Night
Joe Coughlin (Ben Affleck) mit Graciela (Zoe Saldana)

Nicht einmal wenn Zoe Saldana einen heißen Tango aufs Parkett wirft, fühlt sich Afflecks Figur hiervon beeindruckt – zumindest zeigt er es uns nicht. Damit bekommen wir keinen Zugang zum Film. Durch wessen Augen sehen wir die Handlung ablaufen? Vermutlich durch die Augen des Regisseurs Ben Affleck, der recht nüchtern objektiv seine Story ablaufen lässt.

Einzig Elle Fanning gelingt es, in den wenigen Momenten in denen sie in die Handlung eingreifen darf, unser Interesse zu erwecken. Aber auch nicht aufgrund ihrer Rolle im Gesamtkontext, sondern einfach nur, weil Fanning uns mit jedem ihrer Schauspiel-Engagements zeigt, wie involved und talentiert diese junge Dame nach nur wenigen Filmen ist. Sie ist eine Darstellerin, die aus langweiligen Filmen immer noch als Gewinnerin hervorgeht, die jeden Job in eine Erfahrung umwandelt und uns dazu bringt, gespannt auf den Verlauf ihrer Karriere zu blicken.

 

Für Ben Affleck gilt, dass er sich gerne auch einmal etwas zurücknehmen darf. Wie wäre es, einfach mal nur Regie zu führen und die Schauspielrollen an andere Darsteller zu übergeben? Vielleicht könnte er sich dann mehr darauf konzentrieren, seine Filmwelten zu erschaffen, anstatt scheinbar in Gedanken an die nächste Szene versunken, recht starr durch sein eigenes Bild zu wandeln.

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