Filmkritik

“Liberace” von Steven Soderbergh

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Michael Douglas ist als Liberace ein Gott am Piano.

Michael Douglas ist als Liberace ein Gott am Piano.

„I am just a piano player“ spricht Darsteller Michael Douglas, der in der für den amerikanischen Fernsehsender HBO produzierten Memoir-Verfilmung Liberace – Behind the Candelabra den titelgebenden Pianisten verkörpert, der vor extravaganter Exzentrik nur so strotzt. Basierend auf den unter dem Titel Behind the Candelabra: My Life with Liberace veröffentlichten Memoiren von Scott Thorson, handelt die Regiearbeit von Steven Soderbergh über die Affäre des jüngeren Thorson mit Liberace. Dass eine HBO-Produktion sowohl für die Goldene Palme auf den Filmfestspielen von Cannes konkurriert, als auch weltweite Kinostarts verpasst bekommt, muss förmlich für die Qualitäten des Stoffes sprechen. So wird noch nichts aus dem angekündigten Ruhestand Soderberghs, der den Pharmaziethriller Side Effects zu seinem letzten Kinoauftritt erklärte. Nun aber haben es Michael Douglas und Matt Damon (als Scott Thorson) mit ihren wunderbaren Darstellkünsten vollbracht und ihrem Regisseur doch noch einen Leinwandauftritt beschert. Und in diesem ist niemand „just a piano player“.

Liberace (Michael Douglas, links) mit Scott Thorson (Matt Damon, rechts)

Liberace (Michael Douglas, links) mit Scott Thorson (Matt Damon, rechts)

Denn dieser Aussage folgen Sätze wie „my talent comes from god“, deutlich nicht mehr nur ein Mann, der sich für einen schlichten Pianokünstler hält, schon gar nicht, wenn er dabei durch seine Behausung schreitet, die nach eigener Aussage dem ‘palatial kitsch’-Stil entsprungen ist, luxuriös-prunkvoller Kitsch also. Derweil ist ihm sein bürgerlicher Name Walter zu gewöhnlich, deswegen nennt er sich nun also Liberace. Von diesem Entertainer ist der gerade einmal zwanzig Jahre junge Scott Thorson fasziniert, als er vom Land stammend 1977 einen ersten Ausflug in die Glitzerwelt von Las Vegas unternimmt. Beim ersten persönlichen Aufeinandertreffen ist es für Liberace Lust auf den ersten Blick. In einer leidenschaftlichen Affäre vernascht er Scott nicht nur, er holt ihn zu sich in seine gigantische Villa, überschüttet ihn mit Luxus und formt den Jungen zu einem Mann, der ganz seinem Geschmack entspricht – mitsamt Schönheitsoperationen und Drogenabhängigkeit. Als Scott dann viele Jahre später erfährt, dass er durch einen erneut jüngeren Liebhaber ersetzt werden soll, muss er sich von Liberace lossagen um sein Leben wieder auf die Reihe zu bekommen.

Mit dieser Produktion zeigt HBO wie gut das Fernsehen arbeiten kann, nicht nur was originelle Handlungen und Verfilmungen betrifft, sondern auch was sie hier in der Maske mit Matt Damon und Michael Douglas angestellt haben. Damon erscheint im 1977, wo der Film zehn Jahre vor Liberaces Tod ansetzt, wirklich nur wie ein zwanzigjähriger Bub, so weich gezeichnet und unmännlich wirkt sein Gesicht. Michael Douglas wiederum spielt in einer Rolle, die ihm noch einmal Lobhudeleien im Alter bescheren wird. Es ist vielleicht seine beste Performance, übertrifft sogar noch den Original Gordon Gekko, so fies und gerissen, das Wiesel aus Wall Street, nicht der alte Mann aus Wall Street 2: Geld schläft nicht. Der alte Mann war eine Schlaftablette der Wall Street, Liberace ist filmisches Koffein.

Liberace und sein Manager Seymour Heller (Dan Akroyd)

Liberace und sein Manager Seymour Heller (Dan Akroyd)

Ganz gleich ob der Tonfall, die Körperhaltung, der Inhalt der gesprochenen Worte. Douglas spielt mit ganzem Körpereinsatz, mit so viel Leidenschaft und Lust, wie Liberace sie Scott Thorson entgegen bringt. Matt Damon entwickelt sich innerhalb des Filmes zumeist visuell weiter – oder zurück. Erst als Toy Boy seines angehimmelten Mentors, mit Muskeln bestückt im locker leicht übergeworfenen Hemdchen, gerade aus dem Pool entstiegen. In diesem Moment kann er den einzigen Blick hinter die Fassade Liberaces werfen, wenn er diesen ohne Perücke mit kahlem Kopf erblickt, mit seinem dicklichen Körperumfang. Doch trotz des fehlenden Glämmers in dieser Situation, bleibt Thorson Liberace treu, fällt auf Sprüche herein wie „I love you for what you are“, nur um sich im nächsten Moment unter dem Operationsmesser wiederzufinden. Aus Scott Thorson wird so etwas wie Liberaces persönliche Ken-Puppe, sowohl vom Aussehen her als auch als das bloße Plastik-Spielzeug, das Barbies Freund nun einmal ist.

Der Film fokussiert diese Beziehung der beiden Männer zueinander, nur wenig bekommt man von der Welt drum herum mit. Im Fernsehen findet die 1954 Oscar-Verleihung statt, bei der Liberace einen Live-Auftritt absolviert. So viel Leidenschaft zum Filmbusiness ist dann doch noch enthalten. Darüber hinaus verfolgt Soderbergh aber nur seine beiden stärksten Elemente: Michael Douglas und Matt Damon. „They’re just actors“ könnte man sagen, die ihren Job erledigen. Diesen, so stellen sie hier unter Beweis, beherrschen sie aber ziemlich gut.

 


Liberace_Filmplakat

“Liberace – Zu viel des Guten ist wundervoll“

Originaltitel: Liberace – Behind the Candelabra
Altersfreigabe: ab 12 Jahren
Produktionsland, Jahr: USA, 2013
Länge: ca. 118 Minuten
Regie: Steven Soderbergh
Darsteller: Michael Douglas, Matt Damon, Scott Bakula, Debbie Reynolds, Dan Akroyd, Rob Lowe

Heimmedienstart: 3. Oktober 2013
Im Netz: liberace-derfilm.de


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