Wer vom Lande kommt, ist früher sicherlich selbst gerne durch die Kornfelder gerannt – oder aber Maisfelder mit kleinen Essenspausen. Selbst Erwachsene finden noch Spaß daran, sich in künstlich angelegten Korn-Labyrinthen zu verlaufen. Ähnlich wie Stephen King mit seiner Romanvorlage zu Es die Angst vor den eigentlich harmlosen Clowns schürte, hat er mit seiner Geschichte Kinder des ZornsChildren of the Corn – das Kornfeld in die Angst-Regionen des menschlichen Bewusstseins gerückt.

Die Kurzgeschichte von King wurde bereits 1977 veröffentlicht (als Kinder des Mais in der Sammlung Nachtschicht), während die Verfilmung durch den damaligen Regie-Debütanten Fritz Kiersch und Drehbuchautor George Goldsmith 1984 folgte. Das ursprüngliche Drehbuch stammte von King selbst, der den Fokus auf die beiden Erwachsenen Burt (Peter Horton) und Vicky (Linda Hamilton) legte und die Geschichte des Aufstands der Kinder erzählen wollte. Unter Goldsmith wurde Kinder des Zorns dann aber gewalttätiger, blutiger und erhielt eine eher klassische Erzählstruktur.

Kinder des Zorns
Burt (Peter Horton) und Vicky (Linda Hamilton)

Der Film erzählt von der fiktiven Kleinstadt Gatlin in Nebraska, wo eine bösartige Kreatur umgeht, die nur als “Er, der hinter den Reihen geht” benannt wird. Dieses Wesen befehligt die Kinder des Dorfes brutale Ritualmorde an allen Erwachsenen zu begehen. Als Anführer wird Isaac (John Franklin) auserwählt, der sich die Dienste eines treuen Handlangers namens Malachai (Courtney Gains) sichert um die Kinderschaaren im Namen des teuflischen Wesens anzuleiten.

Derweil kommen Burt und Vicky in die Stadt. Sie freunden sich mit den Geschwistern Job (Robby Kiger) und Sarah (Anne Marie McEvoy) an, die noch nicht von dem Massenwahn ergriffen worden sind. Dabei entdecken sie, dass Sarah über “das zweite Gesicht” verfügt, einer Fähigkeit mit der sie die Zukunft vorhersagen kann, was eine sehr begehrte Gabe für Isaac und sein Gefolge darstellt.

Wer nun also bisher gerne im Kornfeld gespielt hat, wird das nach diesem Film gar nicht mehr so lustig finden. Der Film verwandelt einen der liebsten Kinderspielplätze in freier Natur zum Horror-Schauplatz. Dabei ist es schlichtweg schön, mal kein Haunted House, Friedhof oder ein sonstiges Stereotyp des Horrorfilms vorgesetzt zu bekommen.

Kameramann João Fernandes fängt die Bedrohlichkeit und Größe der Kornfelder ein und verwandelt sie in ein schier endlos-unübersichtliches Meer, in dem Dinge geschehen können, ohne dass sie von der Außenwelt jemals bemerkt werden würden. Nicht allzu oft wird das Kornfeld so effektiv in Szene gesetzt, allenfalls M. Night Shyamalans Signs kommt in den Sinn. Das Kornfeld wirkt trotzdem weiter originell und unverbraucht als Schauplatz des Horrors.

Linda Hamilton, die im selben Jahr auch dem Terminator begegnen durfte, spielt sich mit Peter Horton durch eine Horde von Kids, die sich wie in Alfred Hitchcocks Die Vögel mit Blutlust in den Augen um die Erwachsenen scharen. Diesen Kindern gelingt es, einen angsteinflößenden Kult von Fanatikern abzugeben, die unberechenbar und unkontrolliert mit Farm-Gerätschaften um sich stechen.

Kinder des Zorns
Linda Hamilton muss sich an einem Korn-Kruzifix kreuzigen lassen.

Darunter gibt Isaac den Anführer aus den Kornfeldern ab, der wie ein Prediger zum religiösen Kleinstadt-Fanatismus anstiftet. Seine rechte Hand Malachei ist ein rothaariger Teufel, der wie ein Redneck den Aufstand unter Kontrolle hält und vorantreibt. Beide Jung-Darsteller spielen etwas over-the-top, was aber ihren Fanatiker-Figuren in diesem Fall eher zugute kommt.  

Leider müssen wir dann aber noch ein CGI-Finale mit einer gigantischen Wolke ertragen. Riesen-Wolken sind niemals ein gutes Zeichen – man nehme nur die unsägliche Green Lantern-Verfilmung mit Ryan Reynolds oder Regisseur Ang Lees Versuch den Hulk in das Kino zu bringen, bevor er sich im Marvel Cinematic Universe bewegte. Große und formlose Erscheinungen zeugen allenfalls von Einfallslosigkeit, niemals aber von einer wahren Bedrohung.

Die Bedrohung bleiben die Kinder des Zorns, die irgendwann damit anfangen, ihre Opfer an Kruzifixen aus Korn zu kreuzigen. Unterlegt wird das Spiel durch den Soundtrack von Jonathan Elias und einer bedrückenden früh-abendlichen Farm-Atmosphäre. Dabei kommt es zu einigen sehenswerten Momenten, auch wenn der Film größtenteils arg gealtert in eine Trash-Mentalität verfällt.