Filmkritik

“Kick-Ass 2” von Jeff Wadlow

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© Universal / Kick-Ass und Hit-Girl erneut im Einsatz

© Universal / Kick-Ass und Hit-Girl erneut im Einsatz

Superhelden streifen dieser Tage an allen Ecken über die großen Leinwände. Marvels „The Avengers“ in multiplen Blockbuster-Erscheinungen, DC mit wohl platzierten Geschichten über ihren dunkelsten Rächer Batman und ihrem strahlenden Helden Superman. Sie alle haben gemein, dass sie mit übernatürlichen Kräften ausgestattet gegen Superschurken, ähnlich übermenschlich stark, oder Alienangriffe bestehen müssen. Selbst Batman, der menschlichste aller Helden, kompensiert durch seinen Status als Multimillionär die fehlenden Superkräfte mit Super-Detektivgespür und einer entsprechend technischen Ausstattung, die ihn zumindest ‘Super’ wirken lässt. Sein Äquivalent im konkurrierenden Marvel-Universum ist Iron Man. Doch auch ohne Superkräfte wie Donnergott Thor, Supersoldat Captain America oder Selbst-Alien Superman, gelten diese Vertreter einer Superspezies als den Helden zugehörig.

Im Februar 2008 brachten die beiden Comicautoren Mark Miller und John Romita Jr. diese Vorstellung des Held-sein gründlich durcheinander. Sie schickten ganz normale Menschen kostümiert auf die Straßen. Kleine, schmächtige Nerds, die ihren Comicvorbildern nacheifern wollten. Schnell avancierte dieses Material zum perfekten Filmstoff. 2010 wandelten sie dann durch die Leinwand-Straßen, patrouillierten durch die Nacht, ließen sich auf offener Straße auf brutale Schlägereien ein, nur um einen Supermarkt-Raub zu verhindern, bei dem die Polizei viel zu spät anwesend gewesen wäre. Die Anzahl dieser Heldenbürger blieb noch überschaubar klein: Der im rot/schwarzen Kostüm umher streifende Red Mist, das Vater-Tochter Gespann Big Daddy und Hit-Girl und der Namensgeber dieser Geschichte: Kick-Ass.

Nun also eine Fortsetzung, in der sich dieses überschaubare Vierergespann – Nicolas Cages Big Daddy musste im ersten Teil sein Leben lassen – ins unüberschaubare multipliziert hat. Es ist auf einmal cool geworden sich zu verkleiden, als Superheld auf Verbrecherjagd zu gehen. Vor diesem Hintergrund kommt „Kick-Ass 2“ gerade zur rechten Zeit, wo zahlreiche Comichelden-Verfilmungen eine Welt sozialisiert haben, die eben nicht mehr den Nerds vorbehalten ist. Geht man mit einem Comicbuch über den Schulhof, wird man vermutlich heutzutage nicht mehr geschubst, sondern freundlich darum gebeten, doch auch einmal einen Blick in das Heftlein werfen zu dürfen.

Hit-Girl auf ihrem eigenen Motorrad

Hit-Girl auf ihrem eigenen Motorrad

Der Film kommt derweil als Amalgam aus den Vorlagen „Kick-Ass 2“ und dem Spin-Off Comicbuch „Hit-Girl“ daher: Ein Blick auf das Leben hinter der Maske der kleinen Mindy Macready, erneut so grandios von Chloe Grace Moretz verkörpert wie schon im ersten Teil. Dort durfte sie mit 13 Jahren kreative Schimpfwörter aller Sorten in den Mund nehmen, nun ist sie mit dem Erscheinen von „Kick-Ass 2“ immerhin schon 16 Jahre jung. Hierdurch fehlt ein wenig die aufsehenerregende Abart, einem kleinen Mädchen Worte in den Mund zu legen, die mit der Seife geradezu heraus geschrubbt werden müssten. Neu-Regisseur Jeff Wadlow, auch für das Drehbuch verantwortlich (Erstlings-Regisseur Matthew Vaughn blieb ihm als Produzent erhalten), versucht dies recht harmlos dadurch zu kompensieren, dass er Hit-Girl ein Hit-Motorrad gibt. Das kleine Mädchen düst nun also auf zwei Rädern durch die Straßen. Nicht sonderlich aufsehenerregend, aber immer noch ziemlich cool.

Wadlow behält die drei Hauptprotagonisten des ersten Teils im Visier, umgibt sie mit Randfiguren, die zwar fast ebenso interessant wirken, aber nicht weiter von Belang für die Handlung sind. So bleiben „Scrubs“-Alumni Donald Faison als Doctor Gravity, Jim Carrey als Colonel Stars and Stripes, wie auch Olga Kurkulina als Mother Russia oder John Leguizamo als Nicht-Superbösewicht, aber der ‘Alfred’ zu Christopher Mintz-Plasses bösem Batman, dem Motherfucker, Figuren mit weitaus mehr Potential als sie im Film zeigen dürfen. Darauf wird man aber kaum Aufmerksam, behandelt „Kick-Ass 2“ dafür doch gründlich die Zweifel, die erst Mindy, dann auch Dave anhaften, ob sie ihr Doppelleben weiterführen sollen. So werfen sie zwischenzeitlich beide das Handtuch, wie auch einst in „Spider-Man No More“ das Spinnenkostüm in der Mülltonne landete. Die Antriebskraft ist bei beiden dieselbe. Es sind Versprechen die sie ihren Vätern geben, die hier zu den einflussreichen Menschen hinter den Helden werden. Mindys Vater Big Daddy wurde in Teil 1 getötet, ist qualvoll verbrannt. Nun lebt sie bei einem Cop und Ex-Partner ihres Vaters, der sie dazu verdonnert ein normales Teenagerleben zu führen, woraus der Film eine seiner amüsantesten Episoden zieht, bei der Mindy erfahren muss, dass die High School so viel brutaler und schmerzhafter ist als ihr Superheldenleben.

Dave legt sein Kick-Ass-Kostüm zur Seite, nachdem die Polizei bei einer Großrazzia nach allen maskiert herumlaufenden Menschen seinen Vater in Gewahrsam nimmt, der seinen Sohn schützen will und sich selbst als Kick-Ass ausgibt. Dass es ihm hinterher im Gefängnis nicht sonderlich gut ergehen wird, wirkt zusätzlich als Anreiz dieses gefahrvolle Leben hinter sich zu lassen und die Realität zu akzeptieren, dass es nun einmal keine Helden gibt.

Jim Carrey spielt Colonel Stars and Stripes

Jim Carrey spielt Colonel Stars and Stripes

Dafür jedoch scheint es aber Superschurken zu geben. Ebenfalls im Schatten seines im ersten Teil zu Tode gekommenen Vaters schwört der ehemalige Red Mist Rache an Kick-Ass, bringt vor Wut aus Versehen seine Mutter um – eine kleine Origin Geschichte – und wird hierdurch zum Motherfucker. Er schart eine Gruppierung von Schlägern und Mördern um sich, steckt sie in Verkleidungen und gründet seine eigene Superschurkengruppierung, die sich auf die Jagd nach Kick-Ass macht. Der große Endkampf zwischen all den guten Menschen, die für Recht und Ordnung eine Maske tragen, sowie dem Gesocks der Stadt, zusammengeführt durch das immense Vermögen des Motherfuckers, immerhin ein Mafia-Spross, findet im Film leider im kleineren Kreise statt. Zwar ist es eine wohl choreographierte Gruppenschlägerei, jedoch wurde die Original-Umgebung des Comicbuchs, wo diese Auseinandersetzung auf dem New Yorker Times Square stattfindet und noch ein wenig chaotischer wirkt, in den Unterschlupf des Motherfuckers, in eine Lagerhalle mit schnieker Tafelrunde des Bösen und Haifischbecken verlagert.

Das tut der Gesamtkonzeption aber keinen Abbruch. „Kick-Ass 2“ mag nicht an seinen Vorgänger heran reichen oder durch das hohe Aufkommen an Comicverfilmungen und solche Filme, die mit dem normalen Menschen als Superhelden spielen („Mystery Men“, „Super“, „Paper Man“), eine gewisse Ermüdungserscheinung vorweisen, dennoch bleibt die Fortsetzung gut gelaunt und unterhaltsam genug, um seine Daseinsberechtigung zu haben. Irgendwie haben es Kick-Ass und Hit-Girl geschafft in die Welt der Superhelden überzuwechseln. Sie sind nicht nur Menschen von nebenan, sie dürfen Seite an Seite mit Batman, Superman und eben den Avengers existieren.

 


Kick-Ass 2_Hauptplakat

“Kick-Ass 2“

Originaltitel: Kick-Ass 2
Altersfreigabe: ab 18 Jahren
Produktionsland, Jahr: USA, 2013
Länge: ca. 103 Minuten
Regie: Jeff Wadlow
Darsteller: Aaron Taylor-Johnson, Chloe Grace Moretz, Christopher Mintz-Plasse, Morris Chestnut, Clark Duke, Augustus Prew, Donald Faison, Garrett M. Brown, John Leguizamo, Jim Carrey, Robert Emms, Lindy Booth, Olga Kurkulina, Iain Glen

Deutschlandstart: 15. August 2013
Im Netz: universal-pictures-international-germany.de/kickass2


2 Comments

  1. Sorry für meinen Kommentar. Der gehört hier gar nicht hin, denn ich habe mich im geöffneten Tab vertan. Sorry!

    1. Kein Problem, er klärt ja über ein wichtiges, grammatikalisches Geschehen auf 😉

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