Humphrey Bogart und Lauren Bacall in „Gangster in Key Largo“ (Bild Copyright Warner Home Video)

Humphrey Bogart muss den Helden spielen. Hier allerdings gegen seinen Willen. Er muss erst davon überzeugt werden, dass er derjenige ist, der in John Hustons Crime-Drama das Ruder wieder an sich reißen muss. In einem kleinen Hotel auf Key Largo versammelt sich eine illustre Gruppe von Ortsansässigen und Kriminellen. Hier handeln sie die Definition eines „Helden“ aus.

Auf den ersten Blick wird uns Humphrey Bogart als Frank McCloud wie ein heldenhafter Kriegsveteran präsentiert. Der Besitzer des Hotels James Temple (Lionel Barrymore) und seine verwitwete Tochter Nora (Lauren Bacall) befragen ihn zu dem gefallenen Sohn und Ehemann, der unter McCloud gedient hat. Sie funkeln ihn im Gespräch mit bewundernden Augen an. Er hält sich an kurze Sätze und gibt zu verstehen, dass der Krieg vorrüber sei.

Der Kriegsrückkehrer und das Leben

In einer anderen Szene erzählt der Kriegsrückkehrer, dass er sich im Leben durchschlagen muss. Mal war er Taxifahrer, dann hat er Botengänge gemacht. So richtig angekommen ist er nach dem Krieg aber nicht mehr. Vielleicht lässt er sich ja auf Key Largo als Fischer nieder. Hier könnte er seinen Lebensabend verbringen. Im Krieg noch ein Held. Bewundert für seine Taten. Im Leben der Jetzt-Zeit aber am straucheln. Hier finden wir John Hustons gesellschaftskritischen Kommentar darauf, was mit „unseren“ wahren Helden passiert, während wir sie verehren.

Der große Bösewicht ist der Gangster Johnny Rocco (Edward G. Robinson), der darauf hofft bald wieder ganz groß im Geschäft zu sein. Vielleicht kehrt ja die Prohibition in die USA zurück. Dann würde er gerne alles anders machen. Statt sich mit den verfeindeten Gangsterbossen zu bekriegen, würde er sich mit ihnen zusammentun um das ganz große Geschäft abzuwickeln. Zumindest erzählt er uns das. Ob er nur uns belügt oder sich selbst in Hoffnungen rettet, wird nicht so ganz deutlich. Aber auch er ist am straucheln. Nach dem Krieg ist einfach nichts mehr so wie es war im guten alten Amerika.

Ein Hurrikan als Spannungsbarometer

Gangster in Key Largo ist ein Erzählfilm. John Huston setzt ganz stark auf das Miteinander und die Dialoge seiner Darsteller. Das gelingt ihm nur allzu gut. Es wird in jedem Moment die Spannung aufrecht erhalten, die sich von der Ankunft von Humphrey Bogart im Hotel bis zum Ende des Films durchzieht.

Gemeinsam mit dem Anstieg der Spannungen unter den Spielfiguren nähert sich im Film ein Hurrikan der kleinen Insel. Wenn dieser ankommt, entfesselt er seine zerstörerische Wut über dem Hotel. Drinnen streiten sich Gut und Böse, draußen vor der Tür stehen die Indianer, die sich der Naturgewalt ausgeliefert sehen. John Huston macht sie auf ihrem Grund und Boden zu den Leidtragenden eines Streits, mit dem sie eigentlich nie etwas zu tun hatten. Und da verteilt er dann direkt die nächste gesellschaftskritische Spitze.