Die Katze als Held, gepeinigt durch gemeine Menschenhand, geliebt von kleinen Kindern. In der Kurzgeschichten-Sammlung KatzenAuge nach Stephen King, übernimmt ein kleines Kätzchen (beim Dreh viele kleine Kätzchen) die Rolle des besten Freunds des Menschen, womit das 1985er Horrorwerk wohl zum größten Pro-Katzen-Film der Geschichte wird. Dafür sorgen Regisseur Lewis Teague, Drehbuchautor Stephen King und Komponist Alan Silvestri, der imposanten Superheldenmusik der 1980er Jahre für jeden Auftritt der kleinen Katze parat hält.

KatzenAuge besteht aus den drei Kurzgeschichten Quitters, Inc. und Der Mauervorsprung (beide in Kings Sammelband Nachtschicht erschienen) sowie der gesondert für den Film entstandenen Story General. Die drei Episoden werden durch eine Katze zusammengehalten, die sich durch alle Geschichten bewegt, auf der Suche nach einem kleinen Mädchen (Drew Barrymore), das dringend ihre Hilfe braucht.

Teague eröffnet mit einer Jagd von Hund und Katz, wobei er ganz deutlich auf sein anderes King-Regiewerk Cujo Bezug nimmt, bevor er die Katze vor einem fahrenden Wagen laufen lässt, an dem wir einen “I am Christine”-Sticker finden können. Willkommen im King-Universe.

Katzenauge
James Woods muss heimlich rauchen. Eigentlich will er die Droge ja los werden.

In der ersten Geschichte bekommen wir James Woods (Es war einmal in Amerika, The Virgin Suicides) als Dick Morrison zu sehen, einen Mann der versucht mit dem Rauchen aufzuhören. Wir sind allerdings inmitten der 1980er Jahre, wo die Zigarette fast schon zum guten Ton gehört. Rauchen ist cool. Alle rauchen. Nur ein spezieller Psychiater (Alan King) widmet sich seiner Sucht, allerdings mit mehr als extremen Mitteln.

Er führt Morrison eine Elektroschock-Kammer vor, in der eine Katze auf ein elektrisiertes Gitter gesetzt wird. Morrison versteht zuerst nicht, wie die gequälte Katze ihm helfen soll, dann aber wird ihm deutlich gemacht, dass dort auch seine Frau und seine Tochter sitzen könnten. Er muss Abstinent bleiben, sonst wird seine Familie das Leid der Katze teilen.

Schon bald manifestiert sich sein Entzug. Morrison droht durchzudrehen. Nicht nur wird aus KatzenAuge eine Fürsprache für das liebe Kätzchen, sondern auch eine drastische Anti-Qualm-Werbung.

Im zweiten Teil ist ein metaphorisches Katz-und-Maus-Spiel zu sehen, das nicht umsonst mit einem Ausschnitt aus Tom & Jerry eröffnet wird. Der gutaussehende Tennis-Profi Norris (Robert Hays) trifft auf den großspurigen Spieler Cressner (Kenneth McMillan). Der Spieler will aus jedem und alles eine Wette machen und so wettet er, dass Norris es nicht gelingen wird, das Sims seines Hochhaus-Penthouses entlang zu wandern. Natürlich hält er erpresserische Maßnahmen bereit, so dass Norris gar keine andere Wahl hat, als sich auf das Spiel einzulassen.

Katzenauge
Robert Hays verschlägt es in windige Höhen.

Im Finale werden die größten Ängste geschürt, wenn ein Kobold das Zimmer eines kleinen Mädchens (Barrymore) heimsucht. Die rot glühenden Augen des kleinen Wesens können für allerhand Alpträume sorgen, wie sie dort aus einem verunstalteten Mauseloch herausschauen.  Die Eltern des Kindes wollen ihrer Tochter nicht glauben, dass dort eine Kreatur hinter den Wänden sitzt, die es auf sie abgesehen hat. Aber hier kommt nun die Katze ins Spiel, die zur Rettung in der Not eilt und sich mit dem Kobold einen heroischen Krallenkampf liefert.

Dieser Kobold – Troll, Gnom, Gremlin oder was auch immer – wurde von Carlo Rambaldi kreiert, der für Drew Barrymore schon E. T. erschuf, mit dem sie allerdings ein weitaus freundschaftlicheres Verhältnis aufbauen konnte.

KatzenAuge besticht in erster Linie durch seine Darsteller und Darstellerinnen, die allesamt ziemlich in ihre jeweiligen Geschichten investiert wirken. Leider gelingt es der Anthologie nur spärlich, die einzelnen Episoden miteinander zu verknüpfen. Nur ein kleiner Auftritt der Katze reicht hier nicht aus, um uns glauben zu machen, dass wir uns in einem großen Twilight Zone-Universum befinden.

Während die erste Episode – mit einem wunderbaren James Woods – einen großartigen eigenen Film abgegeben hätte (oder einfach Thank You For Smoking von Jason Reitman schauen), wirkt der Mittelteil wie ein eingeschobener, halb ausgearbeiteter Gedanke. Der Kobold in der Endgeschichte mag dann den Horror bringen, fügt sich aber nicht in die sonst realistisch gehaltenen Stories ein, die wir zuvor zu sehen bekommen haben.

Darüber hinaus ist es schwer KatzenAuge etwas abzugewinnen, wenn man Katzen zwar toleriert, sich selbst aber dann doch eher zu den Hunde-Menschen zählt. Go Cujo!