Filmkritik

“Einmal ist keinmal” von Julie Anne Robinson

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© Concorde Film - Katherine Heigl als Kautionsdetektivin Stephanie Plum

Wenn Schauspieler auch als ausführende Produzenten tätig sind, erklärt das zumeist die Rollenhauptbesetzung mit sich selbst. ‘Einmal ist keinmal’ offenbart sich dabei als ungewöhnliches Filmprojekt für Katherine Heigl, die gerne in zweitklassigen, romantischen Komödien auftritt, die von den Kritikern geradezu in der Luft zerfetzt werden (’27 Dresses’, ‘Die nackte Wahrheit’, ‘Kiss & Kill’, ‘So spielt das Leben’). Keinen einzigen Filmkuss lässt die Schauspielerin dieses Mal an ihre Lippen kommen, obwohl sich in wenigen Szenen eine Liaison zwischen ihr und Nebendarsteller Jason O’Mara (‘Terra Nova’) abzeichnet. Aber bei der Verfilmung des gleichnamigen Romans von Janet Evanovich spielt Heigl lieber eine weibliche Detektivin, die sich mit Schlagkraft und Pistole von ihren bisherigen Rollenbildern entfernt.

Stephanie Plum (Katherine Heigl) ist jung, selbstbewusst, voller hochfliegender Pläne und pleite. Die meisten Möbel hat sie inzwischen verkauft, ihren Wagen musste sie abgeben. Auf Geheiß ihrer wenig begeisterten, aber stets hilfsbereiten Eltern, kann sie jedoch bei Vinnie (Patrick Fischler), ihrem Vetter und Inhaber einer Kautionsagentur anheuern. Der braucht dringend einen Ersatz für einen erkrankten Detektiv. Obwohl Stephanie nicht die geringste Ahnung hat, was ein Kautionsdetektiv überhaupt machen muss, stürzt sie sich dank der Provision in Höhe von 50.000 Dollar sofort auf ihren ersten Fall. Leider entpuppt sich der Mann, auf den sie angesetzt wird, als ihre einstige Jugendliebe Joe Morelli (Jason O’Mara). Eigentlich hatte sich Stephanie geschworen, für den Rest ihres Lebens die Finger von ihm zu lassen, aber die Hoffnung auf den baldigen Geldsegen überschatten ihre guten Vorsätze aus vergangenen Tagen.

Debbie Reynolds & Katherine Heigl

Bereits achtzehn Mal hat die aus New Jersey stammende Autorin Janet Evanovich ihrer weibliche Detektivin Stephanie Plum ein literarisches Abenteuer entworfen. Darüber hinaus trat Plum in vier Urlaubs- und einer Kurzgeschichte auf. Wäre der erste Teil, auf dem nun auch diese Verfilmung beruht, nicht bereits 1994 erschienen, müsste man ‘Einmal ist keinmal’ üblen Diebstahl bei dem 2010er Film ‘Der Kautions-Cop’ mit Jennifer Aniston und Gerard Butler vorwerfen. Mehr als einmal wird man von einem Déjà-vu-Gefühl geplagt werden, welches sich allerdings schnell in Wohlgefallen und Überraschung auflöst, wenn erkannt wird, dass Katherine Heigl hier die bessere Filmversion abliefert. Denn ohne Schmalz, überflüssige Witzchen und an den Haaren herbei gezogene Romantik überzeugt der Film durch seine Detektivgeschichte, die zugegebenermaßen auf die Frauenwelt zugeschnitten wurde, deshalb aber nicht minder interessant daherkommt. Da überrascht es ebenso, dass Regisseurin Julie Anne Robinson für diese Literaturverfilmung verantwortlich ist, die zuletzt mit Nicholas Sparks’ ‘Mit dir an meiner Seite’ versucht hat auf die Tränendrüsen der Kinogänger einzuwirken. Aber hier konnte man wohl eher der unerfahrenen Hauptdarstellerin Miley Cyrus den Misserfolg in die Schuhe schieben und nicht der Regisseurin, die mit Fernsehepisoden zu ‘2 Broke Girls’ (“And The Secret Ingredient”), ‘Pan Am’ (“Truth Or Dare”) und ‘Grey’s Anatomy’ (u.a. “Beat Your Heart Out”), woher auch die Zusammenarbeit mit Katherine Heigl herrühren dürfte, zeigte, dass sie gute Arbeiten abliefern kann.

Heigl schaut zwar nicht so aus, als habe sie italienisches Blut in den Adern, aber die brünetten Locken bieten zumindest eine signifikante und wichtige Ähnlichkeit mit Stephanie Plum. Aus dem Off darf sie im besten Detektiv-Stile ihre Gedanken präsentieren, schürt hierdurch bei den Zuschauern das notwendige Gefühl sich inmitten einer Kriminalstory zu befinden. Allerdings fehlen hier actionreiche Verfolgungsjagten oder wilde Schießereien, wie sie bei männlichen Hauptdarstellern oftmals vorkommen, die hier durch Schläge mit der Handtasche oder Telefonate mit der besten Freundin während wichtigen Beschattungen erfolgreich amüsant kompensiert werden. Dabei schlägt sich Plum durch die unterschiedlichsten Milieus, recherchiert erst bei der Mutter des gejagten Klienten, nutzt dann ihre Kontakte bei der Polizei, landet bei einer Informationsquelle auf dem Straßenstrich und sucht letztendlich sogar die Konfrontation mit einem Prügelknaben in einer Kampfsporthalle, wo ein schmierig, abgehalfterter John Leguizamo sich ihrer annimmt, der gewohnt überzeugend den Italiener aus der Unterschicht miemt.

Daniel Sunjata als Ausbilder Ranger

Dabei sucht sich Heigl als Plum ihre Hinweise zusammen, kombiniert die Indizien und sucht irgendwann ihre Informanten regelmäßig auf, entwickelt Freundschaften und man vertraut sich untereinander. Sie lernt von Ranger, einem Mann mit einem Namen wie eine Actionfigur, wie sie mit einer Pistole umgehen muss, bricht mit der Hilfe ihres Freundes bei der Polizei in ihre erste Wohnung ein um diese zu durchsuchen und baut sich so langsam aber sicher ein Netz von Wissen auf, auf welches sie später immer wieder zurückgreifen wird können. Was im Aufbau stark wirkt – oder für Katherine Heigl einfach anders und deshalb sehenswert – nimmt im Verlauf des Films allerdings immer weiter ab. Je mehr sich der Fall der Aufklärung nähert, desto einfallsloser wird das Ganze. Man erkennt, dass Hauptdarstellerin und Regisseurin Spaß daran haben, ihre Protagonistin langsam mit der Materie vertraut zu machen, mit Klischees zu spielen, diese zu brechen und die Entwicklung von Stephanie Plum zur überzeugenden Detektivin aufzuzeigen. Wenn der Maximalpunkt dann aber erreicht wurde, bricht das Konstrukt zusammen und scheitert an der belanglosen Auflösung, bei der nicht einmal eine letzte Überraschung überzeugen möchte.

Nichtsdestotrotz ist ‘Einmal ist keinmal’ eine gelungene Abwechslung vom typischen Katherine Heigl-Film, der sie überraschenderweise von ihren letzten Schauspielauftritten ein wenig rehabilitiert. Der Film ist weniger eine Liebesgeschichte – wenn überhaupt – und viel mehr ein sanft inszenierter Krimi mit Ansätzen von Humor. Das geht natürlich immer noch ein Stück besser. Aber dafür hat Katherine Heigl als Stephanie Plum auch noch in siebzehn unverfilmten Romanen die Gelegenheit.

Denis Sasse

‘Einmal ist keinmal‘

Originaltitel: One For The Money
Altersfreigabe: ab 12 Jahren
Produktionsland, Jahr: USA, 2012
Länge: ca. 91 Minuten
Regie: Julie Anne Robinson
Darsteller: Katherine Heigl, Jason O’Mara, Daniel Sunjata, John Leguizamo, Sherri Shepherd, Debbie Reynolds, Fisher Stevens, Patrick Fischler

Deutschlandstart: 19. April 2012
Offizielle Homepage: einmalistkeinmal-derfilm.de

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