Wenn man einen Film wie Jumanji: Willkommen im Dschungel dreht, dann muss man sich als Filmemacher unweigerlich damit konfrontiert sehen, dass das Projekt eine große Bürde zu tragen hat, wenn es einen 1995er Klassiker gibt, der cheesy und eben total 90er ist, aber eben eine treue Gefolgschaft hinter sich weiß.

Der Charme des Ur-Jumanji kann an zwei Dingen ausgemacht werden. Zum einen, dass er in unserer normalen Welt spielt, in der sich ein Familienhaus in den Mittelpunkt eines Dschungels verwandelt, der mit Elefanten, Affen, Killerspinnen, einer gefährlichen Rankenpflanze und allerhand weiteren Gefährlichkeiten um sich greift und eine gesamte Kleinstadt in seinen Bann zieht. Zum anderen: Robin Williams.

Beides fehlt nun in Jumanji: Willkommen im Dschungel. Robin Williams ist im August 2014 von uns gegangen. Und auch die Idee, den Dschungel via Brettspiel in unsere Welt zu holen, weicht einer scheinbar modern wirkenden Variante. Ein Junge findet das Brettspiel am Strand, will aber nicht mit dem veralteten Ding seine Zeit vergeuden. Es ertönen laute Buschtrommeln und auf einmal findet er innerhalb des Brettspiels ein Videogame namens Jumanji, das er natürlich sofort in seine Konsole packt, los zockt und in das Spiel hineingezogen wird.

Jumanji - Willkommen im Dschungel
Avatar Franklin Finbar (Kevin Hart) trifft auf einen Elefanten.

In der heutigen Zeit finden wir uns an einer amerikanischen High School wieder, wo Spencer (Alex Wolff), Bethany (Madison Iseman), Anthony (Ser’Darius Blain) und Martha (Morgan Turner) aus den unterschiedlichsten Gründen zum Nachsitzen verdonnert werden. Sie dürfen den Keller der Schule aufräumen, wo sie natürlich das alte Videospiel finden. Und als würden sie sich VR-Brillen aufsetzen, werden nun auch sie in das Spiel gezogen, nachdem sie ihre Avatare ausgewählt haben: Dr. Smolder Bravestone (Dwayne Johnson), Prof. Sheldon Oberon (Jack Black), Ruby Roundhouse (Karen Gillan) und Franklin Finbar (Kevin Hart) müssen die Welt von Jumanji gemeinsam mit dem Piloten Jefferson McDonough (Nick Jonas) vor dem fiesen Zauberer Van Pelt retten (Bobby Cannavale in der Rolle des Spiel-Antagonisten, der im Original von Jonathan Hyde verkörpert wurde).

Um vorweg ein paar gute Worte an dem Film zu lassen. Die Teen-Cast arbeitet großartig miteinander. Zumindest in der wenigen Zeit, die sie bekommen haben. Und auch Johnson, Black und Gillan haben ihre Momente, einzig Kevin Hart fällt mal wieder hinten rüber. Wo die übrigen Darsteller mit der Avatar-Prämisse ein wenig Spaß haben können, scheint Hart darauf reduziert zu sein, sich zu beschweren, nervige Kommentare zu machen und sich mit nichts zufrieden zu geben. Trotz der Tatsache, dass die Cast der Realwelt nur allzu gerne die Hauptrollen hätten bekommen können, ist es sicherlich Johnsons stärkste Performance seit geraumer Zeit, wenn er sich hier wie ein schmächtiger Nerd im Muskelpaket-Outfit geben darf. In Jack Black steckt eigentlich eine Frau und Karen Gillan wird vom Mauerblümchen zum sexy, bauchfreien, heißen Feger ohne Selbstvertrauen.

So amüsant das klingen mag, schwebt über dem Film aber auch der Titel Jumanji. Während wir also auf die Aufgaben des Spiels warten und ein wenig in die Dschungel-Atmosphäre eintauchen wollen würden, sind die Charaktere mehr mit sich selbst beschäftigt als mit einer möglichen Handlung. So muss sich Jack Black in Dauerschleife über seinen überaus praktisch hinzu gewonnenen Penis wundern, nur um im nächsten Moment Karen Gillan Nachhilfe in Sachen “sexy sein” zu geben – natürlich aus der Sicht einer oberflächlichen High School Queen B.

In Jumanji konnte man sich noch über jedes auftauchende Tier freuen, weil es in einer neuen Umgebung und nach den Regeln des Spiels handelte. Die Affen in der Küche, der Löwe im Schlafzimmer, die Stampede, die durch die Bibliothekswand bricht, die Rankenpflanze, die das gesamte Haus damaliger Verfilmung zu zerdrücken droht. Hier nun finden wir uns in einer Jumanji-Welt wieder, in der wir natürlich ab und an ein Tier zu Gesicht bekommen – die CGI scheint sich gegenüber dem 1995er Film überhaupt nicht verändert zu haben – die Helden allerdings kämpfen mehr gegen Motorradfahrer, Messerstecher und Van Pelt, den der Film mit einem Jaguar-Juwel zum magischen Schurken gemacht hat und ihm damit die Romantik des Großwildjägers des Originals genommen hat.

Jumanji - Willkommen im Dschungel
Ruby Roundhouse (Karen Gillan) verteilt Roundhouse Kicks.

Darüber hinaus scheint der Van Pelt-Schurke dieses Films mehr an dem Jaguar-Juwel interessiert zu sein als an den Helden, die sich ihm in den Weg stellen. Man bedenke: Es handelt sich um ein Spiel, bei dem sich alles um die Helden drehen sollte. Amüsant tauchen aus dem Nichts NPCs (Non Player Characters) auf, die in Dauerschleife die selben Sätze von sich geben um den Helden Informationen zu geben. Zu Beginn gibt es gar eine Zwischensequenz, die von der Vorgeschichte Van Pelts erzählt. Beides wird leider allzu spärlich eingesetzt, während die Filmhandlung immer wieder zu dem Bösewicht wechselt, der scheinbar auch ohne Anwesenheit der Helden agieren kann – gänzlich untypisch für ein Videospiel.

Auch hier lassen sich natürlich einige glückliche Zufälle ausmachen, mit denen Regisseur Jake Kasdan doch noch gelungen ist, seinem Film etwas Unterhaltung zu entlocken: drei Strichcodes auf den Unterarmen der Avatare stehen für deren Leben, die sie nur allzu gerne verschwenden. Ein Klick auf die Brust lässt ein Fenster erscheinen, in denen die Spieler ihre Stärken (aus Karen Gillans Tanzkampf hätte man mehr herausholen können) und Schwächen (Dwayne Johnson: keine Schwäche, Kevin Hart: Kuchen) zu sehen bekommen.

Jumanji: Willkommen im Dschungel ist eigentlich eine x-beliebige Komödie, in der sich die Comedians darum zanken, wer die besseren Witze ins Drehbuch geschrieben bekommt und darüber vergessen, dass sie dem Film einen eigenen Charakter geben sollten. In 20 Jahren wird sich hieran niemand mehr erinnern, während der 1995er Jumanji weiterhin ein geliebter Abenteuer-Familienfilm mit Robin Williams sein wird.