Filmkritik

“Looper” von Rian Johnson

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© Concorde Filmverleih GmbH / Joseph Gordon-Levitt mit Bruce Willis-Gesichtsmaske in Rian Johnsons “Looper”

Würde man es nicht besser wissen, man könnte vermuten dass die Prämisse auf der Regisseur Rian Johnsons „Looper“ beruht, aus einem Roman des Science-Fiction Schriftstellers Philip K. Dick entsprungen ist. Aber die Idee entstammt der Phantasie Johnsons, vielleicht mit Einflüssen eines gewissen Chris Markers, einem französischen Filmemacher, dessen Photoroman-Kurzfilm „La Jetée“ bereits als Zeitreise-Vorbild für „12 Monkeys“ (1995) herhalten durfte. Die französischen Einflüsse sind unverkennbar, lernt Hauptdarsteller Joseph Gordon-Levitts Auftragskiller Joe doch fleißig die Sprache der Liebe um sich irgendwann nach Frankreich abzusetzen, so lange begnügt er sich mit dem regelmäßigen Besuch eines Clubs namens „La Belle Aurore“, für ihn nur ein Looper-Treffpunkt, für den Zuschauer der markante Name einer Bar, in der sich einst Humphrey Bogart und Ingrid Bergman in „Casablanca“ (1942) kennenlernten.

Mit diesem sechzig Jahre zurückliegenden Bild aus der Vergangenheit bewegt sich „Looper“ dann aber in die Zukunft des Jahres 2044, wo der junge Joe (Joseph Gordon-Levitt) für die Verbrechersyndikate der Zukunft die schmutzige Arbeit erledigt. Noch sind Zeitreisen nicht möglich, aber dreißig Jahre in der Zukunft verhält sich das ganz anders, wenn diese Manipulationen der Zeitlinie auch unter den höchstmöglichen Strafen verboten sind. Dennoch bedient sich die Mafia immer wieder dieser Technologie, wenn sie unliebsame Personen loswerden möchte. Die Opfer werden kurzerhand dreißig Jahre in die Vergangenheit geschickt, wo Looper wie Joe auf sie warten und mit einem Schuss aus ihrer Blunderbuss-Waffe das Problem beheben. Dann taucht in der Zukunft jedoch ein mysteriöser Mann namens Regenmacher auf, der die Loops schließen möchte: Die zukünftigen Ichs der Looper werden in die Vergangenheit geschickt, damit die jüngeren Versionen sich selbst auslöschen können. Aber als Joe seinem älteren Ich (Bruce Willis) gegenübersteht, zögert er, wodurch Alt-Joe entkommen kann.

Bruce Willis spielt Joseph Gordon-Levitt in Alt

Das klingt nicht nur nach einer innovativen Idee für eine Sci-Fi Welt, Regisseur Rian Johnson hat sein selbst verfasstes Drehbuch auch ebenso interessant auf die Leinwand gebracht. Obgleich er eigentlich zwei Geschichten erzählt: Man merkt, dass „Looper“ in seinem Kopf ursprünglich als zehn Minuten langer Kurzfilm existierte, bei der die Science-Fiction die eigentliche Geschichte mit viel größerer Tragweite einbettet. Die herunter gekommene Noir-Stadt, die Möglichkeit der Zeitreise, die Looper als Attentäter, all dass nutzt Johnson nur um die Geschichte eines telekinetisch begabten Jungen zu erzählen, der Schreckliche, aber auch Gute Dinge tun kann, je nachdem wie sich die Geschichte entwickeln wird. Und auf eben diese Geschichte nimmt alles was in „Looper“ geschieht Einfluss, von Bruce Willis’ Überwältigung seines jüngeren Ichs bis hin zu der Verfolgung Joseph Gordon-Levitts, der bei seinen eigenen Männern in Ungnade fällt, nachdem er sein Zukunfts-Ich entkommen lässt.

Dabei wählt Rian Johnson bewusst ein anfänglich gänzlich unfuturistisches Bild, platziert Gordon-Levitt auf einem Feld, wo er seine Opfer zur Strecke bringen darf. Hier sieht noch alles ganz ländlich aus, das Korn wächst im Hintergrund, eine Decke ist ausgebreitet, wo nach präziser Zeitangabe das Objekt aus der Zukunft erscheint und mit einem schnellen Schuss beseitigt wird. Hier wird uns Johnson später hin zurückführen, zuvor bekommen wir jedoch einen Einblick in die Zukunft des Jahres 2044, wo viele Menschen hungernd auf der Straße leben, Diebstahl mit dem Tot nach Selbstjustiz bestraft wird und man sich mit einer Augentropfen-Droge aus diesem widerlichen Alltag flüchtet. Hier lernen wir auch Seth (Paul Dano) kennen, einen Freund Joes, an dessen Beispiel der tiefe Absturz eines Loopers aufgezeigt wird, der sein älteres Ich entkommen lässt. Hier gewährt Johnson sich selbst noch das Spiel mit der Zeitreise, Alt und Jung in derselben Welt, was dem jungen Seth widerfährt, muss auch der alte Seth erleiden.

Jeff Daniels sorgt als Abe für Ordnung unter den Loopern

Mit erbarmungsloser Härte und charmanten Verbrecherallüren lässt Abe (Jeff Daniels) als Leiter der Looper keine Fehler zu, er ist aber zugleich auch der Mann, der Joe einst eine Waffe in die Hand drückte um ihn von der Straße zu holen. Jeff Daniels spielt fernab jeder Komödie in der er je zu sehen war, wirkt auf seine Art und Weise durchaus bedrohlich, diese Form von Bedrohlichkeit, die man niemals einzuschätzen vermag. Joe wird mit ihm natürlich Probleme bekommen, ein entlaufendes Zukunfts-Ich kann nicht geduldet werden und somit wird sich Jung-Joe auf der Flucht vor seinem Looper-Vater befinden, wie auch auf der Jagd nach seinem älteren Ich, das rein optisch natürlich ebenfalls sein Vater sein könnte. Dass beide Männer gestoppt werden müssen, setzt Gordon-Levitts Joe gleich in einen doppelten Kreislauf. Er flüchtet sich auf eine Farm, versteckt sich hier aber auch zugleich, trifft auf Emily Blunts Sara, die hier mit ihrem Sohn Cid lebt, der unheimlich gruselig von Pierce Gagnon dargestellt wird – wenn Blicke töten könnten. Hier beginnt eine neue Geschichte, die zugleich aber auch niemals das zuvor erzählte aus den Augen verliert. Johnson findet eine ideale Verknüpfung, kombiniert seine Science-Fiction Idee mit dem Horror, der in diesem Haus vor sich geht.

Einzig das künstliche Aussehen Gordon-Levitts, mit dem man aus dem Schauspieler eine jüngere Version von Bruce Willis machen wollte, wirkt eher ablenkend, als dass man wirklich Bruce Willis in jungen Jahren vor sich wahrnehmen würde. Man vermisst ein wenig das Gesicht Gordon-Levitts, der auch ohne irritierendes Aussehen einen Weg gefunden hat, seinen Schauspiel-Kollegen darzustellen. Sowohl mit Mimik, als vor allem durch markante Körperhaltungen, wie er die Waffe hält, wie er sitzt, wie er sich bewegt, erinnert er an Willis. Auch das selbstgefällige, überlegene Lächeln vergangener „Stirb Langsam“-Tage hat Gordon-Levitt für sich entdeckt. Hierfür wäre keine Maske von Nöten gewesen, die sich dementsprechend als einziger Schwachpunkt des Filmes deutlich hervorhebt.

Wie in jedem Zeitreise-Film gilt auch für „Looper“, dass man sich entspannt zurücklehnen sollte um nicht auf mögliche Fehler in der Zeit zu achten. Bruce Willis formuliert es schon ganz gut, wenn er im Film sagt, dass er nicht über die Zeitreise reden möchte, es eine viel zu komplexe Angelegenheit ist, als dass man sich darüber den Kopf zerbrechen sollte. Rian Johnson hat das bestmögliche aus seinem Film und seinen Darstellern heraus geholt, zeigt uns seine Vision der Zukunft, beeinflusst aus der Vergangenheit, die uns in der Gegenwart gut zu unterhalten weiß.

Denis Sasse

“Looper“

Originaltitel: Looper
Altersfreigabe: ab 16 Jahren
Produktionsland, Jahr: USA, 2012
Länge: ca. 119 Minuten
Regie: Rian Johnson
Darsteller: Joseph Gordon-Levitt, Bruce Willis, Emily Blunt, Paul Dano, Noah Segan, Piper Perabo, Jeff Daniels, Pierce Gagnon

Deutschlandstart: 3. Oktober 2012
Offizielle Homepage: looper-derfilm.de

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