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In JOHN WICK: KAPITEL 2 führt Keanu Reeves’ Rachefeldzug nach Italien

Erst musste sein Hund dran glauben, jetzt sind sein Auto und sein Haus an der Reihe. John Wick muss sich immer mehr in die Rolle des auf sich allein gestellten Mannes einfügen – der Auftragskiller der im ersten Teil des Action-Franchises seine Frau an eine Krankheit und seinen Hund an russische Killer verloren hat, Nach und nach wird sein altes Leben auseinander genommen. Regisseur Chad Stahelski und Drehbuchautor Derek Kolstad nehmen genau dieses Vorhaben in John Wick: Kapitel 2 wieder auf.

Mit den Russen beginnt auch John Wick: Kapitel 2. Sein Auto wurde im vergangenen Teil geklaut, jetzt will er es wieder haben, was ihn zu Abram Tarasov (Peter Stormare) führt, der sich über seinen Handlanger ärgert, der wohl nicht weiß was mit seinem Neffen und Bruder geschehen ist, nachdem Wicks Hund getötet wurde. Jetzt hat er das Auto am Hals und der Auftragskiller steht auf seiner Türschwelle.

John Wick Kapitel 2
Aurelio (John Leguizamo) schaut sich John Wicks nicht mehr einsatztüchtigen Wagen an.

Dann ist die Sache aber schon bald geklärt und John Wick bekommt es mit anderen und vor allem viel größeren Problemen und Gegnern zu tun. Santino D’Antonio (Riccardo Scarmarcio aus Master of None) engagiert Wick um seine Schwester zu töten. Allerdings nimmt die Sache nicht den geplanten Lauf und schon bald findet sich Wick mit einem nicht zu verachtenden Kopfgeld ausgestattet auf der Flucht vor der gesamten Auftragskiller-Unterwelt. Er flüchtet sich zu Winston (Ian McShane), sucht Unterschlupf bei seinem alten Freund, dem Bowery King (Lawrence Fishburne) und geht bis nach Italien, wo es ebenfalls ein Continental Hotel gibt (über das Darsteller Franco Nero wacht), auf dessen Grund und Boden Waffenruhe zwischen wem auch immer herrscht.

Irgendwann nach zwei Bill & Ted-Filmen dachte sich Keanu Reeves sicher, nie wieder in seiner Schauspielkarriere eine so erinnerungswürdige Rolle zu bekommen – dann kam die Matrix-Trilogie und er wurde zu Neo. Zumindest der erste Teil bleibt in Erinnerung, aber für die moderne Filmwelt dürfte Reeves zum Inbegriff John Wicks und für ein Vorzeigebeispiel des Actionkinos geworden sein.

Ebenso wie Teil 1 wartet John Wick: Kapitel 2 mit großartig choreografierten Kampfszenen auf. Zu Beginn gibt es eine rasante Auto-Verfolgungsjagd, bei der sich jeder Aufprall auf unsere Knochen überträgt. Es wird reichlich Schrott produziert und allein dieses Opening reicht aus, um Franchises wie Transformers und Fast & Furious in Sachen Auto-Karambolagen in den Schatten zu stellen.

Die Kamera von Dan Laustsen (Silent Hill, Crimson Peak) arbeitet sich geschmeidig durch solche Verfolgungen, durch offene Schlagabtäusche und Schießereien. Sie verfolgt die Bewegungen statt sie abzuschneiden. Die Bilder gehen harmonisch ineinander über, so dass Wick und seine Verfolger sich für unsere Augen nachvollziehbar durch die Szenarien bewegen, ganz gleich wie hektisch die Situation gerade für sie wird.

John Wick Kapitel 2
Keanu Reeves ist wieder der Auftragskiller John Wick.

Ewig lange rangelt John Wick dabei mit dem Bodyguard Cassian (Common), die im Zwei-Mann-Kampf ein Highlight von John Wick: Kapitel 2 abliefern. Ihr Schusswechsel, Faustkampf und ihre Zerstörungswut ziehen sich gefühlt durch die ganze Stadt, dauern so wunderbar lange, dass man sich an dieser Action-Einlage kaum satt sehen kann. Dank der Regie und Kamera fühlt sich das alles äußerst eindringlich-intensiv an und wir leiden mit diesen beiden Männern, wie sie sich blutig schlagen.

Ruby Rose darf sich als Ares (Göttin des Krieges?) in einem Spiegelkabinett mit Wick messen, der in keiner Weise davor zurückschreckt, sich mit einer Frau in eine Auseinandersetzung zu stürzen – natürlich aus purer Selbstverteidigung. Rose etabliert sich durch zahlreiche kleine Rollen als Action-Heldin, die hoffentlich noch mehr und größere Momente bekommt, je mehr Schauspiel-Erfahrungen sie machen kann. Hier beschränkt sich ihre Rolle aufs Bad Ass-Aussehen, auf eine Schlägerei und ihren Abgang, Das sie eine beeindruckende Darstellerin-to-be ist, beweist sie damit, dass sie ihr trotz stummer Rolle eine Bedrohung für Wick darstellt.

Natürlich ist es ein besonderer Leckerbissen die Matrix-Freunde Keanu Reeves und Lawrence Fishburne wieder Seite an Seite zu sehen und damit ihr ausgezeichnetes Teamwork in ein weitaus besseres Franchise zu übertragen. Reeves verleiht dem Film eine Performance, die wie ein Ballett-Tanz fürs Actionkino erscheint, während Fishburne mit seiner unfassbar eindringlichen Lache eine neue Dimension der Überlegenheit gegenüber allem präsentiert.

Mit einem neuen Hund ausgestattet und einer Menge trockenem Humor, bekommen wir einen John Wick zu sehen, der seine Rachegelüste schlicht als Droge verstehen muss, von der er einfach nicht loskommt. John Wick: Kapitel 2 setzt damit direkt an den ersten Teil an und zeigt, dass er das World Building besser versteht als manch andere Filme – ganz gleich aus welchem Genre.

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