Filmkritik

“Jets – Helden der Lüfte” von Olga Lopato

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© Splendid/24 Bilder // Düsenjäger Maverick in "Jets - Helden der Lüfte".

© Splendid/24 Bilder // Düsenjäger Maverick in “Jets – Helden der Lüfte”.

Eigentlich sind die DisneyToon Studios eine Abteilung der Walt Disney Company, die sich größtenteils um die Veröffentlichung von Filmen für den Heimvideomarkt bemüht. So haben wir der Schmiede allerhand Fortsetzungsgeschichten zu großen Kinoveröffentlichungen von „Aladdin 2: Dschafars Rückkehr“ bis hin zu „Arielle, die Meerjungfrau – Wie alles begann“ zu verdanken. Nun mag man auch hinter dem Ende August in die deutschen Kinos kommenden „Cars“-Ableger „Planes“ eine sorgfältig durchdachte Markterweiterung vermuten, die lediglich auf einen zusätzlichen Absatzmarkt ausgerichtet ist, aber auch eine solche Dreistigkeit lässt sich noch überbieten. Denn knapp zwei Monate bevor Disneys Kulleraugen-Flugzeuge in den Himmel starten, ist jetzt die russische Produktion „Jets – Helden der Lüfte“, im Original „Ot vinta“, in den Kinos angelaufen.

Maverick und sein Freund Falcon.

Maverick und sein Freund Falcon.

Unter der Regie der Debütantin Olga Lopato bringt die Animationsfirma Touch FX Animations aus Jerowan in Armenien diesen sogenannten Mockbuster auf die Leinwände. Dabei handelt es sich um eine Kleinproduktion, die im buchstäblichen Windschatten von größeren Blockbustern – auch wenn „Planes“ nicht als solcher gelten sollte – versuchen, einen Teil des mutmaßlichen Hypes und Erfolgs auf sich zu übertragen. Dabei stellt sich oftmals, so auch im Falle von „Jets“, die Frage, mit welcher Legitimation den Zuschauern eine solche Farce zugemutet werden darf? Man bewegt sich auf der Schwelle zwischen ‘lieber totschweigen’ und ‘es muss darauf hingewiesen werden, dass um eine solche Produktion ein großer Bogen gemacht werden sollte’. Der Film bekommt, was er versucht abzuliefern: Den Pixar Vergleich. Und da mag so mancher glauben, dass den Machern von „Toy Story“ bis zur „Monster AG“ langsam die Originalität ausgeht, man sich der Mutterfirma Disney unterwirft. Dann aber bekommt man ein solches Glanzstück der Inkompetenz vorgeworfen und wird sich der Qualität einer jeden wohl durchdachten Produktion wieder wahrlich bewusst. Es hinkt schon bei der Story. Es geht um den jungen Düsenjäger Maverick, der davon träumt einen Flugwettbewerb zu gewinnen. Er begegnet dem Vogel Falcon, der ihn unter seine Fittiche nimmt und mit ihm zu Vet geht, einem ausgedienten Flugzeug, der Maverick auf einem verlassenen Flugzeugstützpunkt das Fliegen lehren will. Der Lehrling verliebt sich nebenher noch in die liebreizende Lightning und er bekommt Probleme mit Iceman, der als Favorit auf die Flugshow gehandelt wird.

Rivale Iceman und die angehimmelte Lightning.

Rivale Iceman und die angehimmelte Lightning.

Wo sich sonst Emotionen rühren – da kann man über Pixar hinaus von DreamWorks bis Sony Animation über Illumination Entertainment oder die Knetfiguren von Aardman schauen – bleibt bei „Jets“ alles kühl. Der tragische Tod eines Flugzeugs zu Beginn des Films erschließt sich erst recht spät, selbst dann aber hat man nur die Vorgeschichte einer Nebenfigur serviert bekommen. Gerne erinnert man sich an einen anderen Todesfall der Animationswelt: Wenn Pixars „Oben“ in einem traurig-anrührenden Lebenszeitraffer seinem Protagonisten Carl Fredricksen die Ehefrau nimmt, dann kullern schon in den ersten Minuten die Tränen. So wird es gemacht. Nicht aber wie in „Jets“, wo ein zusammenhangsloser fünf Sekunden Ausflug in die Vergangenheit eines Flugzeugs abgehandelt wird ohne dem Zuschauer einen Mehrwert zu bieten. Gleichgültiger kann Tragik kaum inszeniert werden.

Die Animationen wirken darüber hinaus äußerst spartanisch, mit etwas guten Willen noch den niedrigen Budget und somit außerhalb der Macht der Filmemacher einzuordnen. Das entschuldigt wiederum nicht die stumpfen Dialoge, die allenfalls dazu nutzen, die Geschichte von einer in die nächste Szene zu überführen. Es entsteht aber kaum das Gefühl eines großen Ganzen. Der Rote Faden ist kaum zu erkennen. Angestrengt wartet man auf einen Spannungsbogen, auf eine Überraschung, auf irgendetwas dass die Emotionen wecken könnte. Vergeblich. Zudem wird man, gleich welcher Situation, mit durchgängig grinsenden Flugzeugen konfrontiert, mit Augenpaaren die nur beim scharfen Hinschauen auch mal ihre Form verändern. Die Musikeinspielungen wirken deplatziert und willkürlich ausgewählt, die gesamte Geschichte unausgegoren. Dann doch lieber wieder dem Hause Disney vertrauen, Abstand nehmen von einer solchen Billigproduktion, lieber warten und vermutlich immer noch bessere Qualität geliefert bekommen, als mit diesem Werk. Wenn schon Abzocke, dann wenigstens durch Disney, von denen man es sowieso nicht anders erwartet. Getreu dem Motto: ‘The Devil you know’.

 


Jets_Hauptplakat

“Jets – Helden der Lüfte“

Originaltitel: Ot vinta
Altersfreigabe: ohne Altersbeschränkung
Produktionsland, Jahr: RUS, 2012
Länge: ca. 87 Minuten
Regie: Olga Lopato
mit den deutschen Stimmen von: Constantin von Jascheroff, David Nathan, Dave Davis, Michael Schulte, Annina Braunmiller, Thomas Dannenberg

Deutschlandstart: 27. Juni 2013
Im Netz: jets-film.de


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