In seinen besten Momenten geht Regisseur Lee Tamahori im 20. James Bond-Film Stirb an einem anderen Tag mit uns in einen Lagerraum, in dem Bonds technische Spielereien aus den vergangenen Filmjahren gelagert liegen und wo Pierce Brosnan einmal müde über das Jetpack lachen darf, mit dem sich einst Sean Connery in die Lüfte erhob. R (John Cleese) überreicht 007 derweil eine neue Armbanduhr mit dem Kommentar, das es die zwanzigste Uhr sein dürfte. Er irrt sich nicht. Aber wir irren, wenn wir Nostalgie mit einem guten Film verwechseln sollten.

James Bond infiltriert Nordkorea, nur um dort in Gefangenschaft zu geraten und 14 Monate später bei einem Gefangenenaustausch zurück nach Großbritannien geholt zu werden, wo er von M (Judi Dench) seinen Doppelnull-Status aberkannt bekommt, da vermutet wird, dass er während der Zeit geheime Informationen preisgegeben haben könne.

007 ist davon überzeugt, dass er von einem Doppelagenten innerhalb der britischen Regierung reingelegt worden ist. Er entscheidet sich dazu, auf eigene Faust den wahren Verräter ausfindig zu machen, während der Privatunternehmer Gustav Graves (Toby Stephens) seinen Icarus-Satellit startet, mit dem er nichts Gutes im Sinne hat.

Stirb an einem anderen Tag
Halle Berry ist Jinx, die wie einst Ursula Andress aus dem Meer steigt.

Nordkorea taugt natürlich wunderbar als feindliche Nation, wo James Bond schon vor geraumer Zeit die Sowjets verloren hat und sich alle weiteren Länder nicht für Feindbilder anbieten. Hier erlebt 007 also seine Pre-Titelsequenz Gefangennahme nach einem spektakulären Fluchtversuch via Luftkissenfahrzeug durch schlammige Landschaften.

Nachdem Bond in die Fänge von Colonel Tan-Sun Moon (Will Yun Lee) und seinem Handlanger Zao (Rick Yune) gerät, wird er gefoltert – 14 Monate lang – oder über die Länge einer Titelsequenz, die von Madonna besungen wird, die eine der wenigen Sängerinnen ist, die dann auch im Film auftreten durften.

Ihre Figur Verity gesellt sich zu Jinx und Frost, den beiden Damen des Films. Giacinta “Jinx” Johnson wird von Halle Berry verkörpert, die ihren eigenen Beitrag zum Bond-Jubiläum macht, wenn sie wie das allererste Bond-Girl Ursula Andress im Bikini aus dem Meer steigt und James Bond sogleich den Kopf verdreht.

Allerdings war Ursula Andress in einer weitaus hilfloseren Rolle zu sehen. Halle Berry macht denselben Schritt, den Michelle Yeoh schon vor ihr getan hat. Sie bekommt in Stirb an einem anderen Tag ihre Figur als gleichwertigen Partner von Bond geschrieben, so dass sie auch ohne den Agenten ihre Kämpfe austragen darf.

Miranda Frost (Rosamund Pike) ist sowohl die Assistentin von Gustav Graves, als auch eine Geheimagentin für den MI6. Mit der NSA-Angehörigen Jinx und der MI6-Agentin Frost bekommen wir also zwei durchaus fähige Damen in einem Bond-Film zu sehen, die den männlichen Agenten mehr als einmal in die hintere Ränge degradieren. Vielleicht soll das zugleich auch ein Kommentar darauf sein, wie weit – wenn auch noch nicht weit genug – das Franchise seit seinem Start in den frühen 60er Jahren gekommen ist.

Die Rollen mögen gut sein – minus Zottel Pierce Brosnan nach der Freilassung aus der Gefangenschaft – auch ein Fechtkampf zwischen Bond und Graves ist überaus unterhaltsam, ebenso wie die Location des Eispalasts in Island, der schlichtweg beeindruckend und bisher ungesehen in einer Bond-Produktion daherkommt.

Stirb an einem anderen Tag
Bond beim Wellen-Surfing

Aber – und es soll ein äußerst großes “aber” sein – Stirb an einem anderen Tag ist anstrengend und ein Opfer seiner Zeit, in der mit den ersten Special Effects der Computergeneration herum experimentiert wurde.

Der Film brennt sich geradezu in die Negativ-Erinnerung, wenn der Icarus Laser mit der Energie von gebündelten Sonnenstrahlen auf die Eislandschaft Islands feuert und James Bond immer näher rückt. Wenn dieser dann mit der Hilfe eines Fallschirms auf einem Surfboat über eine gigantisch dämlich aussehende CGI-Flutwelle surft, möchte man sich ebenso hinter einem Kissen verkriechen und so laut schreien wie es nur geht, wie wenn Gustav Graves immer und immer wieder seinen Elektro-Handschuh benutzt, der seine Opfer mit furchtbaren CGI-Blitzen umhüllt.

In seinen besten Momenten mag Stirb an einem anderen Tag also in Nostalgie schwelgen, aber in den schlimmsten Momenten – und sie überwiegen – ist der Film ein Star Trek Nemesis oder ein Batman & Robin – ein Franchise-Killer, der für das Ende einer Reihe sorgen kann, allein durch seine unterdurchschnittlichen Qualitäten. Dank des Films brauchte es eine Pause von vier Jahren und der Neuerfindung Bonds in Casino Royale, um von diesem Desaster abzulenken, es vergessen zu machen und nie wieder drüber reden zu müssen.