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007 #24 | Die Rückkehr von Ernst Stavros Blofeld in SPECTRE (2015)

Mit Spectre inszeniert Regisseur Sam Mendes seinen zweiten Bond-Film in Folge. Er zeigt sich als Filmemacher, der uns eigentlich den alten 007 wiederbringen möchte und dies mit den Mitteln einer modernen Aktualisierung macht. In seinem Skyfall haben wir den Aston Martin DB5 wiedergesehen, ebenso wie Miss Moneypenny und Q. Hier nun holt er die Verbrecherorganisation Spectre zurück, natürlich angeführt von ihrem diabolischen Oberhaupt Ernst Stavros Blofeld.

Blofeld (Christoph Waltz) benötigt allerdings keine atomare Bedrohung mehr um die Welt in Schach zu halten. Heutzutage ist Informationskontrolle das Maß aller Dinge. Deswegen hat er Max Denbigh (Andrew Scott) in seinen Reihen aufgenommen, der als Agent für Spectre ein globales Überwachungsnetzwerk Online bringen soll, mit dem jeder Mensch – auch die Agenten des MI6 – überwacht werden können und sollen.

Zugleich arbeitet Denbigh daran, in London eine Fusion zwischen MI5 und MI6 zu bewirken um das Doppelnull-Programm einstellen zu lassen. Damit erregt er die Aufmerksamkeit von M (Ralph Fiennes), der zusammen mit Moneypenny (Naomie Harris), Tanner (Rory Kinnear) und Q (Ben Whishaw) versucht, den Spectre-Spitzel zu stoppen. Derweil reist Bond zusammen mit Dr. Madeleine Swann (Léa Seydoux) – die Tochter von Mr. White aus Casino Royale und Ein Quantum Trost – nach Marokko, wo Blofeld seine Basis inmitten eines Asteroidenkraters hat. Auf dem Weg dorthin versucht allerdings dessen stummer Handlanger Mr. Hinx (Dave Bautista) das Duo aufzuhalten.

Spectre
M (Ralph Fiennes) betrachtet aus dem Hintergrund, wie James Bond (Daniel Craig, links) Max Denbigh (Andrew Scott) kennenlernt.

Sam Mendes gelingt es mit Spectre ein mehrmaliges Sehvergnügen zu inszenieren. Denn wenn man erst einmal weiß, wo der Film hinsteuert, wird man beim wiederholten Ansehen merken, wie viele Hinweise er schon während des Films liefert. Es beginnt damit, dass er 007 am Dia De Muertos – dem Tag der Toten –  durch eine Menschenmasse in Mexiko City schickt und vielleicht hätte ein “Totgesagte leben länger” ebenso als Titel für den Film funktioniert. Dr. Swann beschwert sich im betrunkenen Zustand darüber, dass sie diesen nervigen, sie bevormundenden James Bond doppelt sieht. Das ist nicht nur alkoholisiertes Gelalle, sondern eben auch ein Indiz darauf, womit sich James Bond am Ende konfrontiert sehen wird.

Das erste Aufeinandertreffen mit Blofeld hat der MI6-Agent inmitten eines Spectre-Versammlungsraumes, wo wir die Mitglieder der Verbrecherorganisation an einem gigantischen Tisch sitzen sehen, die Tafel des Bösen. Hier wird Bond von Blofeld begrüßt. Ein sich aus dem Schatten vorbeugender Christoph Waltz spricht “Willkommen James, endlich sehen wir uns wieder.”, als habe Blofeld seit den 70er Jahren in den Schatten verborgen auf diese erneute Begegnung gewartet. Die Tragik dieses Moments besteht darin, dass die Interpretation des Bond-Bösewichts durch Christoph Waltz einmal mehr nur dessen zynisches Selbst ist und Blofeld zu einer lustlosen Kopie Hans Landas (Inglourious Basterds) und Dr. King Schultz’ (Django Unchained) wird.

Mit Spectre versucht Sam Mendes nicht nur weitere Elemente des frühen Bonds in die Moderne zu übertragen, er hat auch die überaus schwierige Aufgabe bekommen, alle Daniel Craig-Auftritte miteinander zu verweben und einen Kreis zu schließen, der nicht von vornherein als solcher gedacht wurde. So wirkt es etwas konstruiert, wenn sowohl Le Chiffre (Mads Mikkelsen in Casino Royale) als auch Dominic Greene (Mathieu Amalric in Ein Quantum Trost) und Raoul Silva (Javier Bardem in Skyfall) Agenten von Spectre gewesen sein sollen, einer Organisation, die auch sogleich die Tode von Vesper Lynd (Eva Green in Casino Royale) und M (Judi Dench in Skyfall) auf ihr Konto nehmen. So sehr sich Spectre in diesem Rundumschlag badet, so wenig Hinweise findet man auf diese Zusammenhänge in den vorangegangenen Filmen. Und nur so hätte diese Verknüpfung tatsächlich funktioniert.

Ein bisschen Klassik-Feeling kommt aber dennoch immer wieder auf. Wenn Daniel Craig am besagten Dia De Muertos vor einer auf ihn stürzenden Hausfassade flüchtet, landet er nach einem Sturz in bester Roger Moore Gestik und Mimik sicher sitzend auf einem Sofa um einen kleinen Comedy-Moment einzuwerfen. Aber natürlich ist auch Blofelds geheime Basis in einem Meteoritenkrater inmitten der marokkanischen Wüste ein Rückgriff auf all die ausgefallenen Geheimbasen von durchdrehenden Superschurken im Bond-Franchise.

Dieser Klassik-Charakter, der in Spectre mehr denn je auf Daniel Craig gesetzt wird, passt allerdings nicht immer in die heutige Zeit. Manche Ideen entwickeln sich auch zu Fehlzündungen, weil Craig einfach nicht Sean Connery oder Roger Moore ist. Das ist auch gut so. Er ist der kantige, harte und vor allem ein menschlich wirkender James Bond, der so auch nicht in ein 70er oder 80er Jahre 007-Abenteuer gepasst hätte.

Spectre
007 mit Bond-Girl Dr. Madeleine Swann (Léa Seydoux).

Daniel Craig ist nun einmal der James Bond, der sich am Dia De Muertos in einen Helikopter schmeißt um dort über den Köpfen von unfassbar vielen Menschen einen Faustkampf abzuliefern, der während spektakulärer Flugmanöver stattfindet, bei denen man schon beim Zusehen ein mulmiges Gefühl im Magen entwickelt.

Was Spectre aber gelingt, ist es die vielen Figuren auch wirklich zum Einsatz zu bringen und sie nicht an den Rand zu stellen. Während Bond seine Außenmissionen vollführt, dürfen die übrigen MI6-Agenten und sogar M selbst in London aktiv werden. Jeder trägt seinen Teil zur Story bei und ist nicht nur dafür da, einen kurzen “durchs Bild laufen”-Auftritt zu absolvieren.

Der Film zeigt aber auch, dass die cheesy over-the-top Zeiten von James Bond vorbei sind oder vorbei sein sollten. Daniel Craig steht es ganz und gar nicht, wenn er sich die langen Monologe eines diabolisch-größenwahnsinnigen Schurken anhören muss. Da vermisst man schon den schnellen, unüberlegt-heißspornigen Faustschlag, den er normalerweise ohne Nachzudenken angebracht hätte. Das nimmt James Bond in Spectre einige Ecken und Kanten, die diesen 007 bisher so gut sein haben lassen.

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