Bis heute ist Roger Moore der James Bond-Darsteller, der mit sieben Auftritten die Anzahl an Einsätzen anführt, die unterschiedliche Schauspieler als 007 absolviert haben. Den Anfang hat Moore mit Leben und sterben lassen gemacht. Regisseur Guy Hamilton schickt den Doppelnull-Agenten in 1973 gemeinsam mit Bond-Girl Jane Seymour durch ein Drogen-Voodoo-Abenteuer in New Orleans, das von Paul und Linda McCartney besungen wird.

Im Film will der in Harlem lebende Drogenbaron Mr. Big (Yaphet Kotto) mehrere Tonnen Heroin für umsonst auf den Markt schmeißen um so rivalisierende Drogenhändler aus dem Geschäft zu drängen. Bei seinen Ermittlungen stößt James Bond auf Solitaire (Seymour), die Tarotkarten legt und die Kraft des Obeah besitzt und damit in die Zukunft sehen kann.

Bond findet heraus, dass es sich bei Mr. Big um das Alter-Ego von Dr. Kananga handelt, einem korrupten Diktator aus der Karibik, der über die kleine Insel San Monique herrscht, wo er sein Heroin herstellen lässt. Hier muss sich der MI6-Agent mit bizarren Voodoo-Ritualen auseinandersetzen um den größenwahnsinnigen Kananga aufzuhalten.

Leben und sterben lassen
Yaphet Kotto als Bond-Schurke Dr. Kananga

Mit Leben und sterben lassen scheint es fast so, als wolle man nicht erneut versuchen – wie es bei George Lazenbys Auftritt in Im Geheimdienst ihrer Majestät der Fall war – das Neu-Casting eines Bond-Darstellers dadurch zu vertuschen, dass man möglichst viele gleichbleibende Elemente präsentiert und uns als Zuschauer so das Gefühl der Vertrautheit vermittelt.

Guy Hamilton verändert diesen neuen James Bond natürlich nicht gravierend, setzt ihn aber in ein gänzlich anderes Handlungsumfeld. Auf einmal hat 007 nicht mehr mit den Welteroberungsplänen eines Blofeld zu tun, sondern muss sich um einen – mehr oder minder – ganz normalen Drogenbaron kümmern.

Hierfür ist das Setting wunderbar gewählt. James Bond findet sich in Harlem wieder, darf nach New Orleans reisen und einen Kurzurlaub auf Voodoo-Island verbringen. In all dem bekommt er es mit Praktiken wie Voodoo und Tarot zu tun, muss sich mit dem Übersinnlichen auseinandersetzen.

Das fühlt sich manchmal arg nach Blaxpoitationfilm an, ein Genre das in den 70er Jahren aufgeblüht ist und Filme wie die Shaft-Reihe, Foxy Brown oder Coffy hervorgebracht hat. Dann aber ist es ausgerechnet der britische Vorzeige-Weiße, der sich hier durch eine Welt voller zwielichtiger schwarzer Gestalten bewegt. Das ist sicherlich nicht der Sinn hinter der Blaxpoitation-Bewegung gewesen.

Trotzdem bekommt Dr. Kananga natürlich einen Superschurken-Unterschlupf mit Killer-Haien und einen Handlanger mit Stahlklaue als Hand-Ersatz. Ein bisschen Bond muss eben doch sein und so darf sich Roger Moore auch hier natürlich austoben, wie es Sean Connery und George Lazenby vor ihm getan haben.

Leben und sterben lassen
Jane Seymour als Tarot-Bond-Girl Solitaire

Roger Moore bringt eine neue süffisante Leichtigkeit in die Figur, die fast schon als Persiflage gesehen werden könnte. Immer wieder pendelt er die Rolle des James Bond zwischen ernsten Spion in einem Actiondrama und lockerer Ulknudel in einer spaßigen Komödie aus. Es ist dabei tatsächlich Moores Charisma und seinem Spiel zu verdanken, dass er damit Bond nicht kaputt macht, sondern ihm nur seinen eigenen Stil aufdrückt.

Trotzdem dürfen sich ihm die Frauen natürlich noch an den Hals schmeißen. Wenn Roger Moores James Bond eine Dame namens Rosie Carver (Gloria Hendry als erstes afroamerikanisches Bond-Girl) kennenlernt, eine CIA-Doppelagentin, bedarf es nur eines kurzen Momentes des Schocks um sich 007 hinzugeben und ihn darum zu bitten, sie heute Nacht nicht allein zu lassen – Nerven aus Stahl, diese CIA-Agentinnen.

Es braucht tatsächlich aber schon einiges an Nerven, inmitten der Blaxpoitation-Ära einen James Bond-Film wie Leben und sterben lassen zu veröffentlichen, der die Schwarzen durchweg als hinterhältige Bösewichte präsentiert, die mit Voodoo und Drogen zu tun haben, während die Weißen mal wieder den Tag retten müssen. Leben und sterben lassen ist ein spaßiger Actionkrimi ohne Weltherrschaftsgelüste, aber politisch korrekt war der Film nicht einmal zu seiner Entstehungszeit.