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007 #17 | Pierce Brosnan übernimmt in GOLDENEYE (1995) den Dienst als 007

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Regisseur Martin Campbell ist bereits zweimal die Ehre zuteil geworden, das James Bond-Franchise in eine neue Richtung zu dirigieren. Zuletzt als er mit Casino Royale Daniel Craig als 007 einführen durfte, davor bereits in 1995, als er nach einer kurzen Bond-Durststrecke den Fernseh-Detektiv Remington Steele – Pierce Brosnan – als Neu-Bond für Goldeneye willkommen heißen durfte.

Im allerersten James Bond-Film nach der Auflösung der Sowjetunion und dem Ende des Kalten Krieges führt uns die Handlung zuerst zurück in das Jahr 1986, wo James Bond gemeinsam mit 006 Alec Trevelyan (Sean Bean) eine sowjetische Einrichtung infiltriert, in der chemische Waffen hergestellt werden. Aber Bonds guter Freund und Kollege wird von Colonel Ourumov (Gottfried John) ermordet, während 007 die Flucht gelingt.

Neun Jahre später folgt James Bond auf Anweisung von M (Judi Dench) Ourumovs Attentäterin Xenia Onatopp (Famke Janssen), einem Mitglied des Verbrechersyndikats Janus. In Sibirien massakrieren Ourumov und Onatopp gemeinsam die Belegschaft eines geheimen Bunkers, wo sie die Kontrolldiskette für die GoldenEye-Satelliten stehlen, elektromagnetische Waffensysteme aus der alten Sowjetunion.

Bei dem Raubzug überleben nur der Computerspezialist Boris Grishenko (Alan Cumming), der sich Janus anschließt sowie seine Kollegin Natalya Simonova (Izabella Scorupco), die Bond dabei hilft, die wahre Identität von Janus aufzudecken.

Goldeneye

James Bond (Pierce Brosnan, links) darf am Casinotisch gegen Xenia Onatopp (Famke Janssen, rechts) spielen.

Und wieder eine Frischzellenkur für Bond. Timothy Dalton hätte gerne noch weiter den 007 geben können, mit all seiner Ernsthaftigkeit der End 80er Jahre. Er hätte sicherlich auch weiterhin funktioniert, aber Pierce Brosnan gelingt es ebenso gut die Härte des MI6-Agenten zu spielen und zugleich noch zusätzlich ein wenig mehr Charme in seine Rolle zurückzuholen, der bei Daltons zwei Auftritten langsam gewichen ist.

Goldeneye startet mit einem Bungee Jump von der Contra Talsperre in der Schweiz und unweigerlich schweifen die Gedanken durch die Bond-Historie und wir merken, dass Bond tatsächlich noch nie einen Bungee Jump vollführt hat. Gut gemacht, 007-Franchise. Der Neustart der 90er Jahre wird mit einem Stunt begonnen, den wir James Bond noch nie haben durchführen sehen – er hätte immerhin auch einfach Ski fahren können!

Später wird sich Pierce Brosnan noch an das Steuer eines Panzers setzen und so eine Verfolgung aufnehmen. Gleich zweierlei Neuerungen passieren hier zeitgleich. Selten zuvor war es 007, der als Verfolger aufgetreten ist. Man erinnert sich hauptsächlich daran, dass sich Bond auf der Flucht vor irgendwelchen Handlangern eines Schurken befunden hat, nicht aber, dass er selbst hinter ihnen her war.

Und dann natürlich die Fahrt mit einem Panzer, bei der Bond allerhand Schrott fabriziert. Was auch immer sich ihm auf der Straße entgegen stellt, wird einfach platt gewalzt. 007 hat hier nicht nur die Lizenz zum Töten, sondern auch die Lizenz zum Zerstören.

Und woran können wir uns klammern, damit wir Pierce Brosnan auch wirklich als James Bond wahrnehmen und nicht als irgendeinen 90er Actionhelden? Er darf natürlich am Casino-Spieltisch sitzen, wo er mit Onatopp eine Famke Janssen kennenlernt, bei der es so scheint, als würde sie mit jeder ihrer Handlungen einen Orgasmus erleben. Sie spielt eine Hardcore Version von 50 Shades of Grey, bevor die SM-Geschichten überhaupt ein Thema waren. Das mag zuerst irritieren, aber wenn sie sich dann als Femme Fatal zeigt, die ihre Opfer beim Sex mit den Beinen umschlingt und zu Tode drückt, scheint die Figur in sich schon recht stimmig zu sein.

Goldeneye

James Bond (Pierce Brosnan) mit seinem Bond-Girl Natalya Simonova (Izabella Scorupco).

Eine solche Frauenrolle dürfte aufzeigen, was das größte Problem für den Charme eines James Bonds darstellt. Der Charme mag derselbe bleiben, die Frauenrolle entwickelt sich allerdings weiter. Pierce Brosnan hat nur noch die Macht eines netten Lächelns zur Verfügung, während sexistische One Liner, wie sie von Sean Connery und Roger Moore gemacht wurden, bei einer SM-Dame wie Onatopp oder der Programmiererin Simonova abprallen würden.

Und vermutlich würde Judi Dench als M, die erste Frau in der Rolle der befehlshabenden Instanz über das 00-Agentenprogramm des MI6, James Bond sofort suspendieren, würde sie die Macho-Sprüche der vorherigen Bond-Darsteller ertragen müssen.

Goldeneye ist ein großartiger Neustart der Bond-Serie, die eigentlich mit Timothy Dalton keinen Neustart benötigt hätte. Aber man hat eine unfassbar gute Variante gefunden, um das Ende der Sowjetunion zu thematisieren – immerhin ein jahrelanger Gegner Bonds – und zugleich mehrere Schurken ins Spiel zu bringen, die Pierce Brosnan zu schauspielerischen Höchstleistungen treiben. Das Finale gegen Janus in der Schale einer gigantischen Antenne ist ein gelungener Showdown für Brosnans erstes Bond-Abenteuer.

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