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007 #22 | EIN QUANTUM TROST (2008) mit Hommage an Goldfinger

Trost sucht ein MI6-Agent wie James Bond durch Vergeltung und Rache. Und so nimmt Daniel Craig in Regisseur Marc Fosters Ein Quantum Trost die Verfolgung der Mörder von Vesper Lynd (Eva Green in Casino Royale). Ganz gleich was die wahren Gefühle von 007s Herzensdame waren, mit welchen Beweggründen sie ihn hintergangen hat, jemand muss zur Rechenschaft gezogen werden.

Als allererstes trifft es hierbei Mr. White (Jesper Christensen), den Repräsentanten eines international agierenden Netzwerkes von Terrorgruppen (“Wir haben unsere Leute überall”), der bereits im vorherigen Film Le Chiffre (Mads Mikkelsen) unterstützte. Er findet sich in der Eröffnungssequenz bereits im Kofferraum Bonds wieder, nur um dann allzu unschön von M (Judi Dench) und 007 verhört zu werden. Zum ersten Mal seit den Anfangszeiten von Sean Connery zeigt sich in einer James Bond-Story eine Fortsetzungscharakteristik, bei der Puzzlestücke aus Casino Royale auch in Ein Quantum Trost weiterhin eine gewichtige Rolle spielen.

Hier nun erhält Bond sogleich noch Unterstützung durch die willensstarke Camille Montes (Olga Kurylenko), die selbst nach Rache für den Mord an ihrer Familie sinnt. Ihr gemeinsamer Gegner ist der angesehene Geschäftsmann Dominic Greene (Mathieu Amalric), ein Mitglied der Quantum-Organisation, der einen Putsch in Bolivien anzetteln will, um damit die Kontrolle über die dortige Wasserversorgung zu erhalten.

Ein Quantum Trost
Dominic Greene (Mathieu Amalric) mit Camille Montes (Olga Kurylenko).

Amalric spielt seinen Bond-Bösewicht nicht als größenwahnsinnigen Welteroberer, sondern als kleines, schleimiges Wiesel, der sich mehr durch giftige Bemerkungen und hinterhältige Machenschaften auszeichnet, als dass er die direkte Konfrontation suchen würde. Dominic Greene ist ein Schurke, der 007 in der Öffentlichkeit anlächelt und ihm die Hand reicht, ihm aber das Messer in den Rücken sticht, sobald niemand hinsieht. Oder aber er lässt andere für sich arbeiten. In diesem Fall sogar das CIA mitsamt Bond-Freund Felix Leiter (Jeffrey Wright), der die unschöne Liaison zwischen Greene und seinem Arbeitgeber zwar bemängelt, dennoch den Befehlen seines Vorgesetzten folgen muss.

Das liefert die Möglichkeit für M, sich einmal mehr auf die Seite ihres Lieblingsagenten zu schlagen. “Ich gebe einen Scheiß auf das CIA. Ich vertraue Bond.” Für M ist es eine waghalsige Entscheidung aus ihrer Position als Leiterin des Doppelnull-Programms heraus. Denn natürlich läuft James Bond nicht im Auftrag ihrer Majestät durch die Welt um Rache zu nehmen, sondern widersetzt sich jeglichen Befehlen um auf eigene Faust seine Vendetta zu bekommen.

Die Unterstützung, die er hierbei erhält, findet in aller erster Linie durch Kurylenkos aufbrausendes Bond-Girl statt. Die Ukrainerin muss mit spanischen Akzent sprechen, was das Temperament nur umso mehr unterstreicht. Sie steht ihre Frau gegen 007 und darf als eine von wenigen Bond-Girls aus dem Film gehen, ohne je eine Bettgeschichte mit dem Doppelnull-Agenten gehabt zu haben.

Dafür stellt sich die Britin Gemma Arterton zur Verfügung, die als Strawberry Fields für Bonds Gelüste und einen Abgang im Stile des 1964er Goldfinger herhalten darf. Wo damals Darstellerin Shirley Eaton als Bond-Girl in flüssiges Gold gehüllt auf einem Bett abgelegt wurde, trifft es in Ein Quantum Trost nun Fields, die übergossen mit schwarzen Gold – Öl – das Schicksal des frühen Bond-Girls teilen muss.

Ein Quantum Trost
Daniel Craig ist in Ein Quantum Trost in seinem zweiten 007-Abenteuer zu sehen.

Hier zeigt sich nur zu gut, dass der Neustart der James Bond-Reihe mit Daniel Craig nicht die vorherigen Filme vergessen machen möchte, sondern es nur ein Update ist, das aus der langen Geschichte des MI6-Agenten weiterhin zitieren möchte – und auch gerne darf, wenn es punktuell und passend geschieht, wie in Ein Quantum Trost.

Ganz nebenbei gelingt es Daniel Craig dieses Mal, seine Mission in unter zwei Stunden fertig zu bekommen. Eine willkommene Abwechslung zu dem sonst ausschweifenden Storytelling, welches sich oftmals so anfühlt, als sei es nur entstanden, um uns ein längeres Vergnügen zu bieten, nicht aber um die Geschichte knackig auf den Punkt erzählt zu bekommen. Das hat Ein Quantum Trost nicht nötig. Marc Forster konzentriert sich auf das, was er erzählen muss. Hier braucht Bond kein Technik-Schnickschnack. Hier wird er geradlinig durch die Action bis zum Ziel gesteuert.

Hierdurch wird Ein Quantum Trost zur kurzweiligen Unterhaltung mit Daniel Craig als tragischen Helden der nach Rache sinnt. Das wird von Kameramann Roberto Schaefer ästhetisch in Szene gesetzt. Er weiß immer, wann er eine Zeitlupe zum Einsatz bringen kann, um den Moment zu verfeinern. Allenfalls seine Fist Fights sind etwas zu hektisch geraten. Dennoch ist es diese Kombination aus Kurzweiligkeit und Ästhetik, die dieses 007-Abenteuer besonders auszeichnet.

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