Wo sonst sollten wir den Doppelnull-Agenten James Bond kennenlernen als in einem Casino? Als säßen wir bereits im Casino Royale, schwenkt die Kamera durch den Raum, während eine Männerstimme den Mut einer Frau bewundert, die mit an einem Spieltisch sitzt. Die Frau erwidert das Kompliment und fragt nach dem Namen ihres Gegenübers. Dann sehen wir Sean Connery, wie er locker eine Zigarette im Mundwinkel hat. Im Hintergrund, aber doch sehr aufdringlich, startet das James Bond-Theme von Monty Norman und John Barry und mit den Worten “Bond, James Bond” eröffnet er die Jagd auf Dr. No.

Durch diese Eröffnung werden wir 1962 nicht nur zum ersten Mal mit dem Agenten mit der Lizenz zum Töten bekannt gemacht, sondern zugleich werden Musik und Mann hier unsterblich miteinander verknüpft. So immens prägnant wie hier am Casinotisch wird das James Bond Theme immer wieder eingespielt, sobald Sean Connery in Erscheinung tritt.

In diesem ersten Filmabenteuer von James Bond, inszeniert durch Regisseur Terence Young (auch Liebesgrüße aus Moskau und Feuerball) und nach einem Drehbuch von Richard Maibaum, Johanna Harwood und Berkely Mather, natürlich basierend auf den Romanen von Ian Fleming, wird James Bond nach Jamaika geschickt um dort das Verschwinden eines britischen Agenten zu untersuchen.

James Bond jagt Dr. No
James Bond (Sean Connery) trifft das erste Bond-Girl Honey Ryder (Ursula Andress)

Die Spur führt ihn nach Crab Key, wo er auf die wunderschöne Honey Ryder trifft, gespielt von Ursula Andress, die von Nikki van der Zyl gesprochen wurde, da Andress’ Englischkenntnisse nicht ausreichend waren. Diese läuft dort nur knapp bekleidet am Strand umher um Muscheln zu sammeln und mit “Under The Mango Tree” trällert sie ihr eigenes kleines Liedchen (mit der Gesangsstimme von Diana Coupland), dass sich ins Gedächtnis brennt. Hier findet Bond dann aber auch das Untergrund-Versteck von Dr. No (Joseph Wiseman), der eine amerikanische Weltraummission sabotieren will. Ganz nebenbei versucht er James Bond für seine Verbrecherorganisation G.O.F.T.E.R. (Geheimorganisation für Terror, Erpressung und Rache) zu gewinnen, die besser bekannt sein dürfte unter dem englischen Original S.P.E.C.T.R.E.

Mit Dr. No bekommt dieser erste James Bond-Film einen klassischen Schurken, der als nicht rassenreiner Chinese vorgestellt wird und mit zwei künstlichen Händen daherkommt – eine “Entstellung” die später eher die Handlanger von Bond-Bösewichten auszeichnen wird. Und tatsächlich könnte man auch Wisemans Dr. No hier einordnen, der – wie sich herausstellen wird – unter Blofeld für S.P.E.C.T.R.E. arbeitet.

Dafür hat Dr. No aber diese wunderschön gestaltete Untergrund-Zuflucht, die von Produktionsdesigner Ken Adam entworfen wurde, der insgesamt sieben Bond-Filmen seinen beeindruckenden und futuristischen Look verleihte. Darüber hinaus hat dieser Stil selbst viele Persiflagen oder Ehrerbietungen erhalten. Vor allem der aus James Bond jagt Dr. No bekannte Reaktorraum mit den in Strahlenschutzanzügen herum irrenden Mitarbeitern findet sich von Austin Powers bis zu den Simpsons überall wieder.

Dr. No selbst hat ebenfalls Handlanger, die als “Three Blind Mice” bekannt sind und die zu Beginn des Films eine Reihe von Morden für ihren Auftraggeber erledigen. Dabei handelt es sich um drei Attentäter – gespielt von Eric Coverly, Charles Edghill und Henry Lopez – die vorgeben blind zu sein, um so die Aufmerksamkeit von sich abzulenken. Nicht nur agieren sie in James Bond jagt Dr. No äußerst effektiv, sie sind auch die ersten Figuren überhaupt, die im James Bond-Franchise in Erscheinung treten – und sie sind überaus gute Henchmen für Dr. No.

Aber auch der Spannungsaufbau bis zur finalen Begegnung von Bond und No wurde von Regisseur Young äußerst gut inszeniert. Zuerst hören wir nur den Namen des Schurken, der mysteriös und angsteinflößend erscheint. Dann ist es seine Stimme, die für seine Anwesenheit spricht, bis er dann endlich – kurz vor Ende des Films – sein Gesicht zeigt. Es ist dem Handlungsaufbau und -verlauf zu verdanken, dass Dr. No zwar erst so spät auftaucht, aber dennoch effektiv wirkt und als konstante Bedrohung spürbar ist.

James Bond jagt Dr. No
Es gilt Dr. No (Joseph Wiseman) aufzuhalten

Der eigentliche Mann im Mittelpunkt soll natürlich Sean Connery sein, der 007 hier ein erstes Gesicht gibt. Er ist der Macho-Mann der frühen 1960er Jahre, der sich die Frauen nimmt wie er sich seiner Feinde entledigt. Ihn kann nichts stoppen, weil er cool ist, weil er gefährlich ist, weil er Angst vor gar nichts hat.

So lässt sich Connerys Bond auf Jamaika in wilde Verfolgungen verstricken, darf Schlägereien gewinnen und Messerstechereien überleben. Er lässt eine Tarantel über sich krabbeln (gefilmt mit einer Glasscheibe, aber einer echten Spinne!) und nutzt mehr als nur einmal seine Lizenz zum Töten.

James Bond jagt Dr. No ist nicht nur ein äußerst unterhaltsamer Actionfilm mit Sean Connery als großartige Personifikation des britischen Geheimagenten, sondern bietet uns zugleich all die Elemente, für die das Franchise und die Figur später bekannt werden würde und ist somit ein hervorragender Startpunkt für die vielen Auseinandersetzungen, die sich der Film-Bond stellen muss.