Mit Die Welt ist nicht genug bekommen wir einen ersten Einblick in ein Storytelling, dass Judi Dench als M mehr in den Fokus nimmt. So verlässt sie unter der Regie von Michael Apted ihr MI6-Hauptquartier in London und bringt sich selbst in Schwierigkeiten. Aber für solche Fälle gibt es ja ihren besten Agenten. Pierce Brosnan nimmt als 007 James Bond die Verfolgung des wahnsinnigen Renard auf, der von Robert Carlyle als sowohl Bond-Bösewicht als auch Handlanger zugleich gespielt wird.

Nach dem Mord an dem Öl-Geschäftsmann Sir Robert King (David Calder) durch eine Bombe mitten im MI6, wird James Bond (Pierce Brosnan) von M (Judi Dench) darum gebeten, die Tochter des Mannes, den sie einen guten Freund nannte, zu beschützen. Elektra King (Sophie Marceau) wurde bereits in der Vergangenheit von Viktor “Renard” Zokas (Robert Carlyle) entführt und M befürchtet, dass er es erneut auf sie abgesehen hat.

Aber wie sich sehr schnell herausstellt, macht Elektra gemeinsame Sache mit ihrem einstigen Entführer, der als ehemaliger KGB-Agent nun auf der Liste der meistgesuchten Terroristen steht. Bei seiner letzten Konfrontation mit dem MI6 ist eine Kugel in seinem Kopf steckengeblieben, die langsam aber sicher seinen Tod herbeiführt, ihn aber ebenso immun gegen jegliche Schmerzen macht. Gemeinsam wollen Renard und Elektra einen Reaktorunfall provozieren, der Istanbul zerstören und die Region radioaktiv verseuchen würde, wodurch Elektras Öl-Pipeline ihr ein gewinnbringendes Monopol verschaffen würde.

Die Welt ist nicht genug
James Bond (Piece Brosnan)

Erinnert man sich an dieser Stelle einmal kurz zurück an die Anfänge Bonds, dann macht sich arg bemerkbar, wie viel 007 schon vor Beginn der Intro-Titelsequenz zu tun bekommt. Hier ist es der Anschlag im MI6-Hauptquartier und Bonds Jagd nach der Attentäterin via Speedboat auf der Themse mit kurzen Ausflug in einem Heißluftballon. Die Zeit vergeht und man fragt sich, ob die Eingangs-Visuals überhaupt noch kommen, aber nach etwas mehr als zehn Minuten sind sie dann da. Willkommen zu Die Welt ist nicht genug.

Der Film bietet den qualitativ größten Abstand zwischen zwei Bond-Girls. Auf der einen Seite finden wir Sophie Marceau, berühmt geworden durch ihre Rollen in La Boum samt Fortsetzung. Sie ist eine französische Schauspielerin, die jede ihrer Rollen mit gehörig viel Authentizität ausstattet.

Auf der anderen Seite finden wir Dr. Christmas Jones, gespielt von Denise Richards, bei der man sich wünschen würde, ihr Name wäre das schlimmste an ihrer Figur. Vielmehr versucht sie aber als ernstzunehmende Doktorin zu überzeugen, läuft allerdings als Lara Croft-Verschnitt herum, als Cartoon in einem Bond-Film um Entführungen und Verschwörungen.

Am schlimmsten ist es, wenn Bond darauf anspringt: “Ich dachte Christmas kommt nur einmal im Jahr” sagt er zu ihr, gemeinsam mit ihr im Bett liegend. Schenkelklopfer. Bitte löschen. Nicht mehr daran denken.

Auch Robert Carlyle funktioniert als Renard wunderbar. Er wirkt gegenüber James Bond überaus bedrohlich. Wir sehen aber auch seine menschliche Seite, wenn Elektra ihn damit triezt, nichts spüren zu können, also auch nicht ihre Liebe. Die beiden durch das Stockholm Syndrom verbundenen Menschen bilden das Syd & Nancy-Pärchen im Bond-Kosmos. Damit führen sie 007 gehörig an der Nase herum. Selbst M wittert nichts von dem Betrug.

Pierce Brosnan hat sich derweil an seine Rolle gewöhnt und bestellt nur allzu gerne seinen Martini, geschüttelt, nicht gerührt inmitten eines weiteren Casinos, das James Bond in seiner langen Filmkarriere abhandelt. Inzwischen ist auch genug Zeit vergangen, dass 007 mal wieder Ski fahren darf und er trifft erneut auf Valentin Zukovsky, bereits in Goldeneye von Robbie Coltrane (Hagrid in den Harry Potter-Filmen) gespielt, der damit eine der wenigen wiederkehrenden Figuren bekommt, die nicht zu den Standards in der Filmreihe gehören.

Die Welt ist nicht genug
007 (Pierce Brosnan) kann Renard (Robert Carlyle) nicht ausstehen.

Dafür verabschiedet sich einer dieser Standards. Die Welt ist nicht genug ist der letzte Auftritt von Q-Darsteller Desmond Llewelyn, der hier zwar an seinen Nachfolger R (John Cleese) übergibt, aber einen sentimentalen Blickaustausch mit Pierce Brosnan haben darf, der fast verzweifelt nachfragt, ob denn bis zum Ruhestand nicht noch ein bisschen Zeit vergehen würde? Seit 1963 (!) war dieser Mann als Q in den Bond-Filmen zu sehen, bevor er hier nun vom Ruhestand spricht und im wirklichen Leben verstarb (durch einen Autounfall, nicht durch sein Alter).

Die Welt ist nicht genug bietet nicht nur Sophie Marceau und Desmond Llewelyns Abschied, sondern auch großartige Action. So muss sich Pierce Brosnan gegen einen Helikopter behaupten, der unter sich mehrere gigantische Sägeblätter trägt, die den Doppelnull-Agenten jagen. Aber so spektakulär-cool das auch in Szene gesetzt wurde, am Ende bleibt der Film eben doch der James Bond-Titel mit der wundervollen Sophie Marceau.