Roger Moore tritt sein Duell Mann gegen Mann an, wenn er sich in Der Mann mit dem goldenen Colt Dracula-Darsteller Christopher Lee stellt, der als Francisco Scaramanga ebenso gut Der Mann mit den drei Brustwarzen hätte genannt werden können – das aber wäre vermutlich kein guter Titel für den neunten Bond-Film gewesen, der 1974  erneut unter der Regie von Guy Hamilton (Goldfinger, Diamantenfieber, Leben und sterben lassen) entstanden ist.

Im Film bekommt das MI6 eine golden Patronenhülse mit James Bonds 007-Code draufgedruckt geschickt, woraufhin M (Bernard Lee) sich dazu entscheidet, seinen Doppelnull-Agenten freizustellen um ihn außer Gefahr zu bringen. Denn es wird vermutet, dass der bekannte Auftragskiller Scaramanga hinter dem “Geschenk” steckt, da er eine goldene Pistole als sein Markenzeichen benutzt.

Natürlich lässt sich Bond aber nicht einschüchtern und nimmt ganz inoffiziell die Suche nach Scaramanga auf sich. Dabei stößt er auf die Arbeit eines Wissenschaftlers namens Gibson (Gordon Everett), der mit Hilfe von Solarenergie die britische Energiekrise bewältigen möchte.

Damit nimmt sich Der Mann mit dem goldenen Colt einem absolut realen Problem des Jahres 1973 an, das mit dem Film nur ein Jahr später auf Leinwand gebannt wurde und diesen Bond-Film überaus aktuell erscheinen lies.

Der Mann mit dem goldenen Colt
Hervé Villechaize als Scaramangas Handlanger Schnickschnack

Zugleich zeigt sich Regisseur Hamilton erneut als Filmfan. Wenn er mit Leben und sterben lassen ein bisschen Blaxpoitation in das Bond-Franchise brachte, so nimmt er sich hier nun dem populären Martial Arts-Genre der Mit-70er an, wenn er seinen 007 durch zahlreiche Kung Fu-Szenen dirigiert und an asiatischen Schauplätzen wie Thailand, Hongkong und Macau dreht.

Darüber hinaus mimt er natürlich den Western, wenn er Bond und Scaramanga am Ende im Strand-Duell gegenüber stellt. Es ist ein wunderbares, erinnerungswürdiges Zwei-Mann-Finale ohne viel Schnickschnack. Pardon, Schnickschnack gibt es schon, ist das doch der Name des kleinwüchsigen Henchman von Scaramanga (im Original: Nick Nack), der von Hervé Villechaize gespielt wird, der mit seiner Rolle als Tattoo an der Seite von Ricardo Montalban in Fantasy Island berühmt wurde (und in dem 2018er Biopic My Dinner with Hervé von Game of Thrones-Darsteller Peter Dinklage gespielt wird).

Schnickschnack und Scaramanga geben ein großartiges Duo ab. Selten gelingt es einem Bond-Film, dass sich Schurke und Handlanger gemeinsam verewigen können. Während Christopher Lee sich hier neben Blofeld und Goldfinger stellt, gibt Hervé sich in bester Tradition wie ein Beißer, wie Mr. Kidd und Mr. Wint, May Day oder Oddjob.

Derweil kommt das Bond-Girl hier nicht allzu gut weg. Mary Goodnight wird von Britt Ekland verkörpert und dürfte so ziemlich das dümmste Blondinchen des britischen Geheimdienstes sein. Sie mag immer gut gekleidet daherkommen, spielt Goodnight aber wie eine benebelte, tölpelhafte Frau, die niemals beim Geheimdienst eingestellt worden wäre. Immerhin durfte Ekland später insgesamt viermal die Fantasy Island von Hervé Villechaize besuchen um sich von ihrem Trip in Der Mann mit dem goldenen Colt zu erholen.

Der Mann mit dem goldenen Colt
Mary Goodnight (Britt Ekland) steht gerne leicht bekleidet einfach mal irgendwo herum

Der Film gibt Roger Moore einmal mehr die Möglichkeit zu zeigen, dass er nicht Sean Connery ist und auch nicht sein möchte. Er spielt James Bond ein bisschen mehr als Gentleman, ein bisschen weniger als Macho-Draufgänger, obwohl er seinen Faible für Frauen natürlich behält. Wer könnte auch schon einer Frau widerstehen, die den Namen “Hasch mich” (Francoise Therry, im Original: Chew Mee) trägt?

Aber solcherlei “Späßchen” gibt es nur allzu oft in der Roger Moore-Bond Ära. Da ist eine solche Namensgebung noch recht harmlos, wenn man Szenen wie ein Looping drehendes Auto mitsamt Gag-Soundeffekt zu sehen bekommt. Das wird ausgerechnet in eine eigentlich spannende Verfolgungsjagd mitten in Bangkok eingebaut, an dessen Ende sich Scaramangas Wagen in ein Flugzeug verwandelt und er davon fliegt.

Der Mann mit dem goldenen Colt lebt von seinen männlichen Darstellern und zeigt leider einmal mehr, wie wenig Wert auf die Intelligenz der Frauen gelegt wird. Das haben ältere Bond-Filme schon besser eingearbeitet und so wirkt dieser Film wie ein Rückschritt. Zugleich aber muss man sich eingestehen, dass das Duell Bond gegen Scaramanga ziemlich cool rüberkommt.