Kinokritik

In JAHRHUNDERTFRAUEN erziehen drei außergewöhnliche Damen einen Teenager

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Regisseur Mike Mills hat in 2010 mit Beginners die teils wahre Geschichte um das Verhältnis zu seinem Vater erzählt, der noch im hohen Alter sein Coming-Out hatte. Mit Jahrhundertfrauen wendet er sich nun seiner Mutter zu – oder seinen Müttern.

Ebenfalls auf seiner eigenen Jugend basierend, versetzt er uns jetzt ins Kalifornien der späten 1970er Jahre, wo ein Teenager (Lucas Jade Zumann) von seiner Mutter (Annette Bening), einem feministischen Freigeist (Greta Gerwig) und einem Nachbarsmädel (Elle Fanning) erzogen werden soll, in das er verknallt ist, die ihn aber nur für platonische Kuschel-Einheiten benutzt.

Annette Bening spielt ihre Mutter Dorothea kurios zwischen verzweifelt und verunsichert über ihre eigenen Fähigkeiten ihren Sohn alleine groß zu ziehen und einer gewissen lebensfrohen Hippie-Attitüde. Sie bringt all ihre Film-Mutter-Erfahrungen aus Mütter & Töchter (2009), The Kids Are All Right (2010) und Ruby Sparks (2012) in diese Rolle ein.

Jahrhundertfrauen

Elle Fanning als 17 Jahre junge Julie in JAHRHUNDERTFRAUEN.

Elle Fanning, die bereits in Ginger & Rosa neben Bening gespielt hat, darf ihr Bad Girl inmitten der Adoleszenz geben, dass sich durch die gesamte Nachbarschaft schläft, nur eben zu dem ihr anvertrauten Sohnemann keine Wegwerf-Beziehung führen möchte. Ihr ist die Freundschaft wichtiger – ein Umstand den sie erkannt hat, er nicht und der traurig, aber irgendwie auch lebensnah zu Ende geht.

Und auch Greta Gerwig weiß sich in ihrer angestammten Revoluzzer-Rolle natürlich zu zeigen. In diesem Fall hat das Drehbuch – ebenfalls von Mike Mills – diese drei Frauenfiguren so interessant geschrieben, das jede von ihnen einen eigenen Film mit ihren Problemen und Lebensansichten füllen könnte. Hier werden sie nicht immer zu Ende geführt, was die Geschichten umso interessanter macht, da sie – wie im echten Leben – Figuren sind, die an uns vorbei leben, eine Weile mit uns verbringen, dann aber andere Wege einschlagen, auf die wir weder Einfluss nehmen können, noch von ihnen erfahren werden. That’s life.

Dabei schwankt der Film wundervoll zwischen Drama und Komödie. Die Emotionen werden immer dann ausgepackt, wenn es nötig wird. Die lustigen Momente werden ausgespielt, wenn wir sie dringend benötigen um nicht auf Dauer das Gesicht im Taschentuch zu versenken.

Jahrhundertfrauen

Abbie (Greta Gerwig) zeigt Jamie (Lucas Jade Zumann) das Nachtleben.

Besonders amüsant ist es, wenn Lucas Jade Zumann einem Mit-Teenager erklärt, wie die Vagina einer Frau richtig stimuliert werden kann, weil Greta Gerwig ihn zuvor hierüber aufgeklärt hat. Da sein Gegenüber eher ein Junge von der Gattung Angeber ist, findet sich Zumann bald auf dem Boden wieder, wo auf ihn eingetreten wird. Was bösartig klingt, ist ein Moment von wundervollem Unter-der-Gürtellinie-Humor, der nicht pubertär, sondern aufgeklärt daherkommt. Hiervon könnten sich allerhand Hollywood-Komödien etwas abschauen.

Die Stärke von Jahrhundertfrauen liegt in den einzelnen Performances der Darstellerinnen, ebenso wie in ihrem Zusammenspiel. Aber auch daran, dass der Film uns lediglich einen Einblick in einen Ausschnitt des Lebens bietet und weder auf ein Happy End, noch auf die große Tragödie zusteuert. Was hier erzählt wird, ist das pure Leben.

1 Comment

  1. […] Jahrhundertfrauen ist eine wunderbare Drama-Komödie von Regisseur und Drehbuchautor Mike Mills, der sich zuletzt in Beginners mit seinen persönlichen Erinnerungen an seinen Vater beschäftigt hat. Nun ist seine Mutter an der Reihe, die als Idee für seinen Film herhalten durfte, in dem drei Frauen einen Teenager-Jungen aufziehen. […]

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