Kinokritik

Natalie Portman setzt in JACKIE einer ehemaligen First Lady ein Denkmal

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Ein Film über die Tragik eines Attentats auf den US-Präsidenten. Ein Film, der zur tragischen Todesmeldung von Darsteller John Hurt kam, der in Jackie mit seiner V für Vendetta-Kollegin Natalie Portman wiedervereint wurde.

Der chilenische Regisseur Pablo Larrain (El Club, Neruda) erzählt nach einem Drehbuch von Noah Oppenheim (Maze Runner – Die Auserwählten im Labyrinth, Divergent: Allegiant) von der Zeit nach dem 1963er Attentat auf John F. Kennedy und wie die First Lady den Verlust ihres Ehemanns überspielt um vor der Welt ein lächelndes Gesicht zu bewahren.

Jackie

Jackie Kennedy (Natalie Portman) mit Bobby Kennedy (Peter Sarsgaard), © TOBIS Film GmbH

Nach den ersten 10 Minuten – länger dauert es nicht – fällt einem die Kinnlade herunter vor lauter Schauspiel-Kraft durch Natalie Portman. Man kann es nicht anders ausdrücken als “Boah, fuck, wie gut ist sie hier bitteschön?”. Sie spielt hier nicht nur Jackie Kennedy, sondern auch Jackie Kennedy, wie sie wiederum ihre Fassade vorspielt. Ein Spiel im Spiel von Natalie, die so sehr in ihre Rolle eintaucht, dass sie uns sogar vergessen lässt, dass sie Natalie ist.

Ihr kann hier so gut wie niemand das Wasser reichen. Allenfalls Peter Sarsgaard in der Rolle von Johns Bruder Bobby Kennedy zeigt in kleinen Momenten, in denen er mit Jackie aneinander gerät, dass er etwas zum Film beizutragen hat.

Das hätte man sich insgesamt mehr von dem eigentlich starken Cast gewünscht. Aber das Talent einer Greta Gerwig (als Privatsekretärin des Weißen Hauses Nancy Tuckerman), Billy Crudup (als Journalist) oder eben auch John Hurt (als Priester) kommt nur in den wenigsten Fällen wirklich zum Vorschein.

Bei Regisseur Larrain dreht sich alles um Natalie Portman. Nichts darf ihr im Wege stehen. Nicht einmal die Story. Es ist immer Jackie Kennedy in Großaufnahme, wie sie in die Fernsehkameras lächelt. Oder aber wie sie dem Zusammenbruch nahe ist, wenn niemand hinsieht. Der Film selbst allerdings zeigt keine Höhepunkte, nicht einmal Tiefpunkte. Es ist eine neutrale Schiene, die abgefahren wird.

Jackie

Natalie Portman als Jackie mit Billy Crudup als Journalist, © TOBIS Film GmbH

 

Das ist insofern tragisch, da uns der Film damit weder ein mulmiges Gefühl vermitteln kann, wenn wir Jackie den Tod ihres Mannes überspielen sehen, noch fühlen wir die Trauer dieser Frau, die einfach viel zu sehr auf Distanz zu uns gehalten wird.

Es geht in Jackie also gar nicht so sehr um das Leben einer Frau, die an einem Tag sowohl ihren Präsidenten als auch ihren Ehemann verloren hat, sondern um Jackie als Person. Ihr Leben und Umfeld wird ausgeklammert, alles ist auf Natalie Portmans Spiel fokussiert. Erst ganz am Ende zeigt der Film sich von seiner aufwühlenden Seite, wenn Portman endlich zu der Frau wird, die neben dem erschossenen J. F. K. im Auto sitzt, mit Blut bespritzt, sein Gehirn aufsuchend.

Bis hierhin macht sich der Film allerdings nur wenig Mühe, die First Lady in ihr Umfeld einzufügen. Es ist eine wahnsinnig grandiose Performance von Natalie Portman, die aber leider nicht mit ihrem Drumherum arbeitet, sondern für sich alleine steht.

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