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Vermutlich hat es kein Film je besser gemacht als „Ist das Leben nicht schön“, in dem uns Regisseur Frank Capra 1946 eine herzzerreißend-anrührende Geben ist seliger denn nehmen-Story erzählt, die das Weihnachtsherz zu erwärmen versteht. Basierend auf der Kurzgeschichte „The Greatest Gift“ von Philip von Doren lassen James Stewart und Donna Reed bei uns sowohl die Trauer- als auch die Freudentränen kullern, im fast ununterbrochenem Dauerfluss.

Es beginnt mit kleinen, leuchtenden Engeln am Himmel und wir lernen Clarence kennen, den Engel ohne Flügeln, die er sich erst noch verdienen muss. Er wird auf George Bailey angesetzt, der ebenso flügellos gerade auf einer Brücke steht und sich droht in den Abgrund zu stürzen. Das will verstanden werden, also blickt der Engel zurück auf das Leben des Mannes, das aus allerlei Opfern, verpasster Chancen und schlechtem Timing besteht, wodurch George Bailey zum frustriert-einsamen Geschäftsmann geworden ist.

Engel Clarence sieht und versteht, was zu tun ist. Er zeigt George Bailey ein Leben, in dem es ihn nicht gegeben hätte. All die Leben, die er beeinflusst hat, wenn auch durch Einbußen im eigenen Dasein. Der Engel wird – nach Charles Dickens – zum Geist der vergangenen, gegenwärtigen und zukünftigen Weihnacht, zeigt diesem freudlosen Mann, was er im Leben anderer Menschen bewirkt hat und das er stolz auf all das Glück sein sollte, das er verschenkt hat.

Aber zuerst müssen wir mit Bailey und dem Engel durch ein Leben ziehen, dass uns überaus strapaziös vorkommen wird. Dieser Mann hat am Ende guten Grund – wenn man es so nennen darf – über seine weitere Zukunft nachzudenken, beziehungsweise den Schritt zu machen, nicht mehr über all das vermeintliche Unheil nachdenken zu wollen, das ihm unreflektiert betrachtet, wiederfahren ist.

„Ist das Leben nicht schön?“ nimmt sich vernünftig viel Zeit, um uns mitleiden zu lassen. Wir verfolgen George von seinen Kindheitstagen an, wo er noch ein aufgeweckter Bub mit allerhand Träumen ist. Schon bald glauben wir, ihn ein Leben lang zu kennen. Wir nehmen Anteil und wollen ihn ebenso wenig verlassen oder tot sehen, wie die Charaktere unserer Lieblingsserie nach acht Staffeln Binge-Watching.

James Stewart spielt sich bravourös vom sympathischen Träumer zum depressiven Aufgeber, der immer wieder einen seiner Träume vor die Nase gehalten bekommt, nur damit man ihn ihm direkt wieder wegnehmen kann. Immer lässt George Bailey seinen Mitmenschen den Vortritt, kümmert sich um sie, stellt sich selbst zurück. Seine immense Gutmütigkeit führt zu seinem persönlichen Niedergang, ohne dass er dabei realisiert, wie viel Gutes er in der Welt eigentlich tut.

Am Ende wird George Bailey von seinem Engel gefragt, ob denn all die von ihm getroffenen Entscheidungen wirklich so falsch gewesen seien. Das macht „Ist das Leben nicht schön?“ so wunderbar: Am Ende erlebt man den Film noch einmal mit ganz anderen Augen. Dann wird aus einem zynischen „Fröhliche Weihnachten“ ein überaus sorgenfreies, von allen Lasten vollkommendes Fest der Besinnlichkeit, voller gemeinschaftlicher Nächstenliebe.

„Ist das Leben nicht schön?“ setzt James Stewarts Performance in den Mittelpunkt einer Geschichte um einen Mann, um den herum sich eine Vielzahl von Menschen in all ihren unterschiedlichen Lebenssituationen positionieren. Hierdurch zeigt uns der Film auf, wie viel Einfluss ein einzelner Mensch in seiner Umwelt haben kann.