„I wish…“ klingt es aus dem Trailer nach, alle Protagonisten der Musical-Adaption Into the Woods wünschen sich sehnlichst etwas herbei, etwas um ihr Leben erträglicher und einfacher zu machen. Die Protagonisten sind uns schon viele Jahre lang gut bekannt, ein Potpourri aus Märchengestalten der Gebrüder Grimm und Co. Da lässt Rapunzel ihr Haar hinab, damit sich ihr Prince Charming gewandt den Turm hinauf schwingen kann, während ein ganz anderer Prince Charming um die Gunst Cinderellas hofft. Eine der amüsanteren Momente des Films von Regisseur Rob Marshall ist das Liebesduett der beiden Prinzen, ganz in Abwesenheit ihrer Prinzessinnen, die sie so sehr begehren.

Ansonsten gibt Into the Woods nicht sonderlich viel her. Adaptiert nach dem gleichnamigen Broadway-Musical, das dort 1987 seine Premiere feierte und gleich mehrere Tony Awards (die Oscars der Musical Branche) einheimste, hinterlässt keiner der Songs, keine der Szenen im Film einen wirklich bleibenden Eindruck. So viel mehr haben wir in diesem Genre schon gesehen und nachgeträllert. Das Love Medley aus Moulin Rouge, selbst Tom Cruise in Rock of Ages, die Klassiker von Grease bis zur Rocky Horror Picture Show will man gar nicht erst zum Vergleich heranziehen, aber sogar bei High School Musical blieben die Songs länger in Erinnerung als hier.

Der Film ist zweigeteilt. Die erste Hälfte erzählt die jeweiligen Märchen recht klassisch mit Happy End, dann wechselt jedoch die Stimmung und alles geht drunter und drüber. Wenn der Film die Protagonisten „I wish“ singen lässt, so wirft er ihnen allen doch auch ein „be careful what you wish for“ entgegen. Im Mittelpunkt der Geschichte stehen dabei zwei Nicht-Grimm-Figuren: ein Bäcker (James Corden) und seine Frau (Emily Blunt, wie immer stark!), die darunter zu leiden haben, keine Kinder haben zu können. Eine Hexe (Meryl Streep) stellt ihnen in Aussicht, diesen Fluch von ihnen zu nehmen, wenn sie eine Reihe von Dingen zusammen suchen, die sich im Falle von Into the Woods in den Händen besagter Märchenfiguren befinden.

Am meisten gehen dabei Daniel Huttlestone (als Jack mit der Bohnenstange) und Lilla Crawford  (als Rotkäppchen) auf die Nerven. Darf man so etwas über Kinder sagen? Aber die Jungdarsteller behindern den Film übermäßig stark. Ihr kindlich quietschender Gesang mag für das geschulte Broadway-Ohr ertragbar sein, für den Rest der Bevölkerung klingt es schlicht zu kontrastreich zu den übrigen Sängern und Sängerinnen. Vor allem der gerade einmal 15 Jahre junge Huttlestone, dessen markante Stimme schon in Les Misérables Verwendung fand, sticht zu sehr hervor. Und dabei klingt er, wie alle anderen, als würde er sich am Text entlang hangeln, verleiht diesen Songs aber keinerlei Gefühle, keine Emotionen. Es wirkt wie eine sterile Gesangseinlage.

Vielleicht sind es auch falsche Erwartungen, die Into the Woods zu einem mageren Erlebnis werden lassen. Der Vergleich zu anderen Musicalverfilmungen zeigt was fehlt. Dieser Gänsehaut-Moment. Der Moment an dem die Akteure zusammen kommen, ein Medley, ein gemeinsamer Song, etwas Großes und Einzigartiges. Der Schwenk auf die gigantische Barrikade am Ende von Les Misérables. John Travolta und Olivia Newton-John, die sich am Ende von Grease endlich finden und das in ihrem You’re the One that I Want gipfeln lassen. Nichts von solchen Erlebniswelten findet sich in Into the Wild wieder.

Into the Wild läuft seit dem 19. Februar 2015 in den Kinos.

Habt ihr den Film schon gesehen oder habt ihr noch vor ihn euch anzuschauen? Was ist eure Meinung zu Into the Woods. Vielleicht haben eure Ohren auch einen ganz anderen Geschmack als meine. Die Kommentare stehen euch offen. Sagt mir und den anderen Lesern, was ihr von Disneys Musical-Adaption Into the Woods haltet.