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Jörg Buttgereit (Monsterfilm-Experte)

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Der in Berlin geborene Regisseur Jörg Buttgereit hat sich durch Filme wie ‚Nekromantik‘ oder ‚Captain Berlin vs. Hitler‘ einen Namen gemacht – inzwischen kann er aber auf ein weitaus größeres Spektrum seines kreativen Schaffens blicken. Neben Theaterinszenierungen, Hörspielproduktionen und Filmkritiken für verschiedene Magazine empfiehlt er sich mit der Dokumentation ‚Monsterland‘ als Spezialist und Kenner im Bereich des Monsterfilmes. Am 24. November diesen Jahres wird er in Bielefeld zu Gast sein, wo die Initiative Bielefelder Subkultur das Programm „Japan – Die Monsterinsel: Lesung, Trailershow, Film“ auf die Beine gestellt hat. Jörg Buttgereit hat sich im Vorfeld zu dieser Veranstaltung für ein Interview mit filmtogo.net via Skype zur Verfügung gestellt.

filmtogo: Wir steigen mal mit einer Frage ein, die eigentlich jeden Filmfan erst einmal nervt oder überfordert: Was ist dein Lieblingsfilm? Dabei muss das kein Film aus dem Monsterfilm-Genre sein, du darfst auch gerne ‚Pretty Woman‘ sagen, was die Sache umso lustiger machen würde.

Jörg Buttgereit: Sowas ist immer schwer. Aber Lieblingsfilme sind in der Regel immer Filme, die man als Kind oder Jugendlicher gesehen hat. Da ist man noch leicht zu beeindrucken. Da sind es dann bei mir tatsächlich irgendwelche Monsterfilme. Der deutsche Titel von dem japanischen Godzilla-Film ist ‚Frankensteins Kampf gegen die Teufelsmonster‘, was wenig mit dem Originaltitel zu tun hat. Da kämpft Godzilla gegen ein Umweltverschmutzungsmonster. Der Film ist von 1971 und ist schon immer ein Lieblingsfilm von mir gewesen. Aber man kann jetzt nicht sagen, dass das ein filmisches Meisterwerk ist.

filmtogo: Wenn wir jetzt einmal von deinem ersten Kurzfilm ausgehen, beschäftigst du dich bereits mehr als dreißig Jahre mit dieser Thematik. War der Film dann auch so das erste Mal, dass du mit dem Genre in Kontakt gekommen bist?

Jörg Buttgereit: Ich habe die Filme tatsächlich in Jugendvorstellungen in Berlin gesehen. Den ersten Film habe ich wirklich schon im Alter von vier Jahren gesehen. Da ist mein Vater immer mit mir ins Kino gegangen, weil ich allein noch gar nicht da rein gehen durfte.

filmtogo: Auch wenn du von deinem Vater begleitet wurdest – du durftest so früh schon Monsterfilme im Kino sehen?

Jörg Buttgereit: Ja, es waren Jugendvorstellungen. Wenn man sich diese Godzilla-Filme vom Ende der 60er Jahre und Anfang der 70er Jahre ansieht, dann merkt man auch, dass die eigentlich für Kinder konzipiert wurden. Dieses wesentliche Verständnis von Monstern ist in Japan anders. In Japan sind Monster nicht böse. Dort heißen sie Kaijū und sind eher Symbolträger oder mystische Figuren. Godzilla ist in diesen Filmen schon immer ein Held gewesen, der die Welt vor bösen Mächten und Monstern befreit hat. Da gab es eigentlich auch immer Kinder als Identifikationsfiguren in den Filmen – wenn man sich nicht sowieso eher mit dem Monster identifiziert hat.

filmtogo: Wo kommt dieses kulturelle Verständnis her, dass man in Japan diese Monster als Helden inszeniert, sie hierzulande aber als typische Monster verstanden werden?

Jörg Buttgereit: In Japan ist es eine Tradition, dass Monster immer auch etwas mit Aufarbeitung zu tun haben. Der erste Godzilla-Film ist natürlich eine Aufarbeitung des Atombomben-Traumas. Daran merkt man, dass da ein ganz anderer Zugang ist. Das bedeutet, dass Monster in Japan schon immer eine ganz andere Bedeutung hatten. Sie haben zwar etwas mit schrecklichen Dingen zu tun, aber es hatte dann in den 70er Jahren einen ganz pragmatischen Hintergrund: Da haben sie gemerkt, dass viele Kinder in diese Godzilla-Filme gehen – die ersten Godzilla-Filme waren nämlich doch schon eher für Erwachsene gemacht. Aber dann haben sie Godzilla einfach kindgerechter gestaltet und einen Superhelden aus ihm gemacht. Das heißt, sie haben im Grunde diesen amerikanischen Superhelden-Mythos genommen und ihn auf ihre Monster angewandt. Die Monster stehen aber auch für Naturphänomene und Katastrophen – für Taifune und Erdbeben. In Japan ist es ganz klar, dass man durch Monster etwas lernen soll. Und wenn man durch Monster etwas lernt, dann sind sie eben so ein „Parenting Tool“, wie man es in Amerika nennt. Es ist ein wenig pädagogisch, also führt man es den Kindern zu Gemüte.

filmtogo: Inwiefern kann man denn den Monsterfilm vom herkömmlichen Horrorfilm abgrenzen? Kann man da überhaupt eine Grenze ziehen?

Jörg Buttgereit: Die Grenzen sind natürlich fließend. Aber Monsterfilme zeichnen sich eigentlich dadurch aus, dass sie ein wenig naiver sind. In Horrorfilmen geht es sehr oft um einen realen Schrecken. Das bedeutet natürlich nicht, dass die Atombomben, die ‚Godzilla‘ zu Grunde liegen, nicht ernst oder realistisch wären. Aber da wird das Ganze erst einmal durch die Figur des Monsters gebrochen. So ein Monster ist immer eine Metapher für irgendwas – für eine bestimmte Angst, die wir haben, die dann in dieser Figur gebündelt wird. Beim Horrorfilm, wie er seit den 70ern zu verstehen ist, ist das geradliniger. Da hat man menschenähnliche Killer und Serienmörder, die zu Werke gehen. Wenn diese dann beliebt werden, werden sie aber auch zu mythischen Monsterfiguren gemacht. Daher ist es ein fließender Übergang. Aber für mich ist der Monsterfilm eben immer noch so eine Spur naiver als der Horrorfilm. Er ist ein wenig sympathischer und deswegen auch Kinder-kompatibler.

filmtogo: Deine Karriere als Filmemacher hat 1977 angefangen, als du den Kurzfilm ‚Interview with Frankenstein‘ gemacht hast. Wo war bei dir der Punkt, wo du wusstest, dass du Monsterfilme machen willst?

Jörg Buttgereit: Ich habe ja schon erzählt, dass ich als kleines Kind in diese Filme gegangen bin. Von daher gab es da für mich überhaupt keine Fragestellung. Ich habe mich immer bei Filmen gelangweilt, die keine Monster hatten. Als ich anfing, selbst mit einer kleinen Super 8 Kamera zu filmen, habe ich also gleich mit Frankenstein angefangen.

filmtogo: Zu dieser ganzen Thematik „Monster“ machst du auch Hörspiele, schreibst Filmkritiken und inszenierst Theaterstücke. Hast du nicht manchmal auch genug von den Monstrositäten?

Jörg Buttgereit: Wenn man erst einmal eine solche Affinität entwickelt hat, dann fühlt man sich in diesem Metier auch Zuhause. Es ist schon so, dass ich mich bei Filmen, die nicht sonderlich innovativ oder originell sind, sehr schnell langweile. Aber wenn da Filme sind, die eine Sache mal ein wenig variieren oder wo ich sehen kann, dass da ein aktuelles Thema angesprochen wird, dann bin ich natürlich umso begeisterter.

filmtogo: Wie sind bei dir die Neuverfilmungen von ‚Godzilla‘ und ‚King Kong‘ angekommen? Da stecken mit Roland Emmerich und Peter Jackson recht berühmte Regisseure dahinter. Haben diese Filme immer noch den Charme von früheren Produktionen?

Jörg Buttgereit: Sie dürfen den Charme von früheren Produktionen gar nicht haben, weil sich Peter Jackson und Roland Emmerich nicht auslachen lassen wollen. Die haben schon versucht, moderne Versionen zu machen. Sonst wäre das ganze Unterfangen auch irrsinnig gewesen. Dem Godzilla-Film stehe ich eher kritisch gegenüber. Der Film hat den Ursprung des japanischen Monsters und der ganzen japanischen Komponente dermaßen außer Acht gelassen, dass das eigentlich gar kein Godzilla-Remake ist. Zurzeit entsteht unter der Regie von Gareth Edwards, der auch ‚Monsters‘ gedreht hat, ein neues Godzilla-Remake, welches im nächsten oder übernächsten Jahr in die Kinos kommen soll. Da verspreche ich mir schon etwas mehr von. Peter Jacksons ‚King Kong‘ fand ich eigentlich sehr gut. Der Film hat genau das Thema erfasst. Der Affe war zwar digital, aber trotzdem hat man mit ihm mitgefühlt. Der Film hat mich doch sehr ergriffen, muss ich sagen.

filmtogo: Wenn wir einen Blick auf Japan werfen, wo die Godzilla-Filme immer noch mit den Gummianzug-Monstern entstehen, denkst du dann, dass die Computertechnik in diesem Genre jemals die Oberhand gewinnen kann oder ist diese Gummianzug-Geschichte vergleichbar mit Hörspielkassetten, die von Liebhabern immer noch gehört werden.

Jörg Buttgereit: Die Japaner zeichnen sich durch ihr großes Traditionsbewusstsein aus. Für sie hängen diese Filme auch mit ihrer eigenen Identität zusammen, mit diesem Trademark, dass da natürlich immer Menschen in diesen Monsterkostümen stecken. Ich habe eine Menge Interviews mit diesen Effektleuten geführt – auch mit den Menschen, die in diesen Anzügen stecken. Die haben immer ganz stolz davon erzählt, dass sie es eben so machen würden, wie es in Japan Gang und Gebe ist – das da eben eine Tradition dahinter steckt. Dass sie diese handgemachten Effekte mit digitalen Effekten aufwerten oder moderner aussehen lassen, das versteht sich dann von selbst. Aber eigentlich haben die auch gar nicht die großen Ressourcen, um da – wie bei Peter Jackson – richtig innovativ zu werden oder neue Erfindungen zu machen. Für die Japaner ist die Ausgangsbasis immer noch der Mann im Gummianzug.

filmtogo: Du hast es gerade schon angesprochen, dass du dich mit den ganzen Machern unterhalten durftest. Gab es da einen oder mehrere Menschen, von deren Arbeit du wirklich beeindruckst warst?

Jörg Buttgereit: Ja klar, eigentlich bei allen. Ich habe ja erzählt, dass ‚Frankensteins Kampf gegen die Teufelsmonster‘ einer meiner Lieblingsfilme ist. Der englische Titel ist ‚Godzilla vs. Smokemonster‘, wo man dann schon eher merkt, worum es geht. Für meine Dokumentation, die ich 2002 für den Westdeutschen Rundfunk gemacht habe, habe ich den Regisseur und den Darsteller von Godzilla in Tokyo besucht. Für die spätere Dokumentation ‚Monsterland‘ für ARTE habe ich dann den Godzilla-Darsteller getroffen, der damals noch in diesem Smokemonster gesessen hat. Ich habe also schon versucht, die Leute kennenzulernen, die hinter den Filmen stecken, die mich immer so beeindruckt haben. Deswegen war ich auch dementsprechend ehrfürchtig. Das darf man sich dann natürlich nicht anmerken lassen. Wenn man mit diesen Menschen spricht und Interviews führen möchte, darf man natürlich nicht wie so ein Fanboy wirken. Aber insgeheim bin ich da schon immer im Kreis gesprungen.

filmtogo: Jetzt haben wir schon öfters über die beiden prominenten Monster King Kong und Godzilla gesprochen. Aber es gibt da ja auch noch andere Vertreter dieser Zunft, wie zum Beispiel Gamera. Dieses Monster ist in Deutschland so gut wie unbekannt. Wer oder was versteckt sich dahinter?

Jörg Buttgereit: Das war damals die Konkurrenzfirma Daiei, die in diesem Monsterboom, den es Mitte der 60er Jahre gab, einfach ein Stück vom Monsterkuchen abhaben wollte. Das ist eigentlich ganz interessant, weil die Filme Ende November zum ersten Mal als Deutschlandpremiere auf DVD herauskommen werden. Da habe ich eine kleine Videoeinführung gemacht. Da kommen im Laufe dieses und des nächsten Jahres alle Gamera-Filme in Deutsch heraus. Das ist ein kleines Label, welches sich darum kümmert und ich betreue das filmhistorisch so ein wenig. Das habe ich mir auf die Fahne geschrieben, damit man da die Sachen auch einzuordnen weiß und sie nicht gleich wieder als Trash verstanden werden. Tatsächlich ist Gamera aber schon eher in der Trash-Gegend anzusiedeln.

filmtogo: Kann man Monsterfilme als Trash betiteln?

Jörg Buttgereit: Man kann schon, aber dann versteht man nicht, worum es geht. Es gibt natürlich, wie in jedem Genre, auch hier gute und schlechte Filme. Da kann man natürlich dieses ganze Konstrukt, wo man mit Gummimonstern irgendwelche kulturhistorischen oder zeitgeschichtlichen Dinge aufarbeitet, als Trash hinstellen. Ich sehe das aber nicht so. Ich habe das eigentlich immer als eine ganz charmante Art und Weise der Aufarbeitung gesehen.

filmtogo: Wie hat sich denn die Zielgruppe dieser Filme entwickelt? Kann man ein neues Publikum überhaupt noch dafür begeistern oder braucht man dafür dann wirklich einen Roland Emmerich oder Peter Jackson, die diese Monster in die Neuzeit holen? Bleiben nur die alteingesessenen Fans ihren Gummimonstern treu und wandert das junge Publikum eher in solche Richtungen wie Folterhorror ab?

Jörg Buttgereit: Ich glaube, wie du schon ganz richtig sagtest, dass diese Remakes dafür da sind, um ein neues Publikum an die alten Geschichten heranzuführen. Wenn man sich den neuen ‚King Kong‘-Film von Peter Jackson ansieht, schaut man danach vielleicht auch den alten Film an. Die Filmstudios versuchen hierdurch eine Anbindung an die Klassiker zu bekommen, die sie irgendwo noch im Schrank liegen haben und gerne noch einmal verkaufen möchten. Aber eigentlich wird man jetzt kaum noch junge Leute an die alten Filme heranführen können ohne dass sie sich dabei verarscht vorkommen. Man muss da schon eine emotionale Affinität haben – diese Filme also vielleicht selbst als Kind gesehen haben um sie richtig zu verstehen. Ältere Filme haben natürlich auch eine andere Dramaturgie. Die sind noch langsamer erzählt als die Filme, die heutzutage gemacht werden. Das ist eine Rezeptionsproblematik. Aber ich mache auch eine Menge Audiokommentare zu Filmen, die jetzt auf DVD erscheinen. Da versuche ich diese Dinge dann aufzubrechen, so dass man sich die DVD anschauen und die Erklärung anhören kann. Das ist dann so ein wenig Multitasking, wenn das bloße Ansehen zu langweilig wird.

filmtogo: Nun hast du dieses Buch herausgebracht, mit dem du Ende November in Bielefeld sein wirst: „Japan – Die Monsterinsel“. Da drin gibt es Filmbesprechungen zu allen in Deutschland erschienenen Monsterfilmen. Wie viele sind das?

Jörg Buttgereit: Also von den Godzilla-Filmen gibt es so um die dreißig Stück. Dann sind es noch einmal etwa vierzehn Gamera-Filme und von den Anderen gibt es auch nochmal um die dreißig Filme. Aber es sind auch wirklich nur japanische Monsterfilme. In dem Buch sind aber auch Filme drin, die noch nicht in Deutschland liefen. Da jetzt aber die Gamera-Filme in Deutschland herauskommen, hat man da direkt auch ein Buch, durch das man weiß, was das eigentlich alles für Filme sind. Da sind also auch Filme drin, die zum Zeitpunkt der Buchveröffentlichung in Deutschland noch nicht erschienen waren. Aber da sie eben schon drin sind, bleibt das Buch weiterhin aktuell.

filmtogo: Gibt es Filme, die du selbst noch nicht gesehen hast oder hast du dir die ganze Palette schon zu Gemüte geführt?

Jörg Buttgereit: Also die Filme, die in meinem Buch sind, die habe ich alle gesehen – auch wenn ich nicht alle Texte selbst geschrieben habe. Aber es ist auch ein übersichtliches Genre. IN dem Buch sind es vielleicht achtzig bis einhundert Filme. Das ist ja kein Ding, wenn man schon seit vierzig Jahren Filme guckt.

filmtogo: Gibt es eine persönliche Empfehlung von dir? Also ein Film, den man unbedingt gesehen haben sollte, wenn man sich mit diesem Genre beschäftigt?

Jörg Buttgereit: Natürlich sollte man sich den allerersten Godzilla-Film ansehen. Den gibt es in den verschiedensten Varianten in Deutschland. Man wird halt erstaunt sein, wie ernst dieser Film ist. Das ist so ein richtiger Anti-Kriegsfilm. Das ist auf jeden Fall eine Empfehlung, die ich jedem machen kann. Es ist einfach ein toller Film.

filmtogo: Dann komme ich mal eben auf den 24. November zu sprechen, wo du in Bielefeld zu Gast sein wirst. Es gibt dann eine Kombination aus Lesung, Trailershow und Film.

Jörg Buttgereit: Die Veranstalter haben mal einfach alles aufgelistet. Was ich genau machen werde, weiß ich noch gar nicht. Ich denke, es wird eine Art Filmgespräch mit dem Publikum geben. Ich werde dann, je nachdem worüber gesprochen wird, darauf eingehen und seltene, alte – deutsche wohlgemerkt – Trailer von diesen japanischen Filmen zeigen. Ich habe da selbst ein kleines Archiv angelegt. Ich werde vielleicht auch darüber sprechen, wie verrückt oder falsch diese Filme damals vermarktet wurden. Aber ich werde mich jetzt nicht dahin setzen und lesen. Ich spreche da frei und mache eher so eine Art Vortrag. Ich werde auch einen Partner haben, der bisher allerdings noch nicht feststeht. Der wird mir dann Fragen stellen. Denn, wie das immer so ist, wenn man einen Fachmann auf die Bühne setzt, weiß der oft gar nicht wo er anfangen soll. Da kann es dann auch schnell passieren, dass es zu nerdig wird, wenn man mich da nicht bremst.

filmtogo: Darf man dabei nicht nerdig werden?

Jörg Buttgereit: Das verstehen die Leute dann nicht mehr. Wenn ich jetzt zu detailliert auf Sachen aus dem Genre eingehe, die Leute aber gar nicht die Grundkenntnisse haben, dann wird man da nicht mehr allzu viel verstehen. Es fängt schon mit den japanischen Namen an. Ich kenne die deutschen Titel, die japanischen Titel und die englischen Titel. Außerdem gibt es in der Regel für jeden Film so zwei bis drei verschiedene Titel. Ein Film hat also insgesamt so acht bis neun Titel.

filmtogo: Bist du öfters mit solchen Programmen auf Tour um den Menschen den Monsterfilm wieder näher zu bringen?

Jörg Buttgereit: Immer mal wieder. Oft habe ich auch gar keine Zeit dazu. Wenn ich jetzt Theater inszeniere oder einen Film, eine Doku oder ein Hörspiel mache, dann bin ich für mehrere Wochen aus der Welt. Das bietet sich jetzt gerade einfach für mich an. Das Buch ist ja auch nicht mehr so neu. Es ist zwar noch aktuell, aber eben nicht gerade erst erschienen. Es bietet sich eher an, weil Japan eben durch Fukushima in aller Munde ist. Ich denke auch, dass wir an diesem Abend den Bogen zu Fukushima spannen werden. Das wäre für mich jedenfalls interessant, wenn man einen Ausblick darauf gibt, wie sich diese aktuelle Katastrophe in Japan auf dieses Genre auswirken wird. Ich habe für die ‚Zeit‘ einen Artikel darüber geschrieben, wie der Zusammenhang von Monstern und Katastrophen in Japan aussieht. Der Artikel heißt „Monster aus dem Meer“.

filmtogo: Und was kommt dann als Nächstes? Was hast du derzeit in der Mache?

Jörg Buttgereit: Ich bin jetzt am schreiben und werde dann Anfang nächsten Jahres die Regie bei einem neuen Hörspiel übernehmen. Das soll ‚Die Bestie von Fukushima‘ heißen und wird für den WDR produziert. Das soll dann ein Jahr nachdem diese Katastrophe in Japan war, die Erdbeben und die Atomreaktorkatastrophe, im WDR laufen. Dann könnte es sein, dass ich direkt danach wieder ein Theaterstück für Dortmund inszeniere. Aber da ist es jetzt noch ein wenig früh, dazu etwas zu sagen. Aber Ideen habe ich auf jeden Fall.

Jörg Buttgereit wird mit dem Programm „Japan – Die Monsterinsel: Lesung, Trailershow, Film“, veranstaltet von der Initiative Bielefelder Subkultur, am 24. November 2011 in Bielefeld zu Gast sein. Die Veranstaltung findet ab 20:00 Uhr im „Nummer zu Platz“ an der Großen-Kurfürsten-Straße 81 statt.

Das Interview führte Denis Sasse

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