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In DER MARSIANER kolonialisiert Matt Damon den Mars

DER MARSIANER REVIEW

Er ist wieder da, schallt es derzeit durch die Kinohäuser. Damit ist dann nicht etwa der gleichnamige Film gemeint, in dem Adolf Hitler den Walking Undead mitten in Berlin gibt, sondern filmbekannte Namen wie M. Night Shyamalan, der mit THE VISIT seine „Rückkehr“ zum Mystery-Genre feierte, und Johnny Depp, über den es aus den USA bereits zu hören gibt, dass er sich mit BLACK MASS wieder ins qualitative Schauspiel zurückgefunden hat. Und auch Ridley Scott, der Schöpfer von BLADE RUNNER und ALIEN, hat sich in nicht nur letzter Zeit, sondern schon seit mehr als zehn Jahren schwer damit getan, einen ordentlichen Film zu fabrizieren. Aber auch hier ist nun die Rede von „Rückkehr“, denn DER MARSIANER ist das Beste, was wir von Scott seit dem 2000er GLADIATOR zu sehen bekommen haben.

Mars macht mobil. Das mag aber auch an der Zusammenarbeit mit Drehbuchautor Drew Goddard liegen. Seines Zeichens Schreiberling für Fernsehserien wie BUFFY oder LOST, für die Horror-Persiflage CABIN IN THE WOODS oder aber auch Schöpfer der Netflix Serie DAREDEVIL, die von Kritikern und Zuschauern hochgelobt und geliebt wird. Wenn so jemand ein Drehbuch schreibt, dann klappt es auch mit Ridley Scott.

Dementsprechend skeptisch sollte man aber gegenüber dem Regisseur dann doch noch bleiben – ist er wirklich wieder da oder lag’s am Drehbuch? Es braucht sicher mehr als einen Film um „wieder da“ zu sein. Ja, und damit seid auch ihr gemeint. Ganz gleich was man von M. Night Shyamalan oder Johnny Depp nun halten mag, ein einziger Erfolg ist noch kein Beweis für die triumphale „Rückkehr“. Da müsst ihr schon ein bisschen mehr bringen um zu beeindrucken.

DER MARSIANER handelt jetzt aber erst einmal von dem Astronauten und Botaniker Mark Watney, gespielt von Matt Damon, der von seiner Crew auf dem Mars zurückgelassen wird – weil diese ihn nach einem Unfall für Tod halten. Ist er aber nicht. Nun muss er sich wie einst Tom Hanks in CAST AWAY, ganz auf sich allein gestellt, auf dem Planeten Mars behaupten. Das heißt, er muss am Leben bleiben, bis die nächste Mission in vier Jahren auftaucht und ihn wieder mit nach Hause nimmt. Aber auf der Erde arbeitet man bei der NASA natürlich daran, ihn möglichst schnell wieder auf den guten Erdboden zurück zu holen. Im besten Fall noch vor diesen vier Jahren.

Und da kommt der erste gute Punkt des Films hervor. Wir bekommen nämlich kein hin und her geswitche, zwischen den jeweiligen Handlungen. Immerhin haben wir drei Orte an denen wir sein könnten. Der Mars mit Mark Watney, die Erde mit der NASA und dazwischen die Mars-Crew auf dem Weg zurück zur Erde. Aber statt das Ganze zu verschachteln, wird es eher episodenhaft hintereinander erzählt und erst am Ende zusammengefügt. Das bringt dann wiederum mit sich, dass wir eine ganze Weile wirklich mit Mark Watney allein auf dem Mars bleiben müssen und die Erde oder andere Personen eben nicht zu sehen bekommen. Davon profitiert die Handlung, die auf der einen Seite mehr ist als nur der gestrandete Astronaut, auf der anderen Seite aber trotzdem diese Einsamkeit spürbar machen kann.

Und diese Einsamkeit wird natürlich auch noch durch die Marslandschaft unterstützt. Man könnte es einfach als karge Landschaft, als Ödnis bezeichnen. Aber das wäre zu einfach. Weil die Kamerabilder dem Mars wirklich einen Charakter verleihen. Es sind, ganz gleich ob in 2D oder gimmickhaften 3D, wirklich imposante und beeindruckende Bilder. Alles wirkt so gigantisch, so einsam und so unvorstellbar. Ganz klar, eine Wow-Landschaft.

Mit Goddards pointierten, witzigen Dialoge zeigt DER MARSIANER darüber hinaus nicht nur, wie verzweifelt und aussichtslos dieser Überlebenskampf ist, sondern auch, dass Mark Watney im Angesicht des vermeintlichen Todes dennoch seinen Humor bewahren kann. Er ist eben auch nur ein Mensch, bleibt auch ein solcher, so dass wir ihn mögen und mit ihm leiden müssen. Und Ridley Scott wiederum hat ja durchaus die Gabe, immer eine hervorragend Cast um sich zu versammeln. Und das ist zu 100% auch hier der Fall. Und dann trifft eben diese hochkarätige Ridley Scott-Besetzung auf das knackige Drehbuch von Drew Goddard und erweckt diese ganze Welt zum Leben.

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