COOTIES REVIEW

von Renatus Töpke

Alle Monate wieder findet er statt; der Angriff auf den Thron der besten Zombiekomödie. Und jeder Genrefan weiß, dass es hier immer wieder viel Ausschuss und zahlreiche vergebliche Versuche gibt, sich in die Fanherzen zu verbeißen. Seit mittlerweile nun elf Jahren hat den ersten Platz fraglos Edgar Wrights Kultfilm „Shaun of the Dead“ inne. Und trotz eines vielversprechenden Trailers, namhaften und komödienerprobten Darstellern und einer großartigen Grundidee, schafft es der Zombiekinder-Horror „Cooties“ der Regisseure Jonathan Milott und Gary Murnion nicht, „Shaun of the Dead“ den Platz streitig zu machen.

Aushilfslehrer Clint Hadson (Elijah Wood) kehrt nach einigen erfolglosen Jahren als New Yorker und Schriftsteller in sein Heimatkaff Fort Chicken in Illinois zurück. Hier lebt er wieder bei seiner Mutter im früheren Kinderzimmer und träumt davon, es doch noch mit seinem Roman über ein dämonisches Boot in die Bestsellerlisten zu schaffen. Doch vorher muss er erst einmal als Aushilfslehrer an seiner alten Grundschule die Viertklässler unterrichten. Gleichzeitig breitet sich unter eben diesen Schülern eine Infektion aus, die von verseuchten Chicken Nuggets des nahen Mastbetriebs ausgeht. Ehe es sich Clint versieht, steht er einer Übermacht aus zombiefizierten und blutrünstigen Vierklässlern gegenüber. Zur Seite stehen ihm dabei zwar die anderen (überlebenden) Lehrer, doch sind diese zu meist keine große Hilfe, sondern von Spleens und Neurosen gebeutelte Sonderlinge.

Die Welle von Zombiefilmen und -serien, Games und Büchern nimmt kein Ende. Spätestens mit dem Erfolg von „The Walking Dead“, aller spätestens jedoch mit der Produktion des 250 Millionen Dollar Zombie-Mega-Movies „World War Z“, ist der Zombie im Mainstream angekommen. Und ein Ende ist mit dem kommenden „World War Z 2“, dem gerade angelaufenen „Fear The Walking Dead“-Serie und und und nicht abzusehen. Liefen Zombiestreifen in den 70ern und 80ern noch im Bahnhofskino, gibt es nun gar schon Zombiegeschichten für Kinder oder Zombiefiguren von Lego. Der Schöpfer der Untoten, wie wir sie heute kennen, George A. Romero, hat bei den Dreharbeiten zu seinem Klassiker „Die Nacht der lebenden Toten“ von 1967 sicher nicht gedacht, das er eine wahre Lawine lostritt und dabei auch noch eine Gelddruckmaschine an wirft – von der er aber leider nicht wirklich etwas hat – außer, dass ihm so die Möglichkeit gegeben ist, alle Jahre (s)einen Genrebeitrag abzuliefern.

Mittlerweile ein eigenes Subgenre geworden, ist die Zombiekomödie. Wie eingangs gesagt, thront mit „Shaun of the Dead“ seit über zehn Jahren eine der besten Komödien überhaupt auf diesem Thron. Jeder Film in dieser Richtung, muss sich an dessen Timing, Inszenierung, Charakteren und Darstellung messen. Sei es die indirekte „Nacht der lebenden Toten“-Fortsetzung „Fido“, der originelle High School-Metzler „Dance of the Dead“ oder aktueller Joe Dantes „Weg mit der Ex“. Dem Trailer nach war „Cooties“ tatsächlich auf dem Weg, hier einige Genrebeiträge alt aussehen zu lassen. Doch leider hapert es an ein paar Ecken, um aus der wirklich guten Komödie einen Klassiker zu machen. An den Darstellern liegt das nicht. Eher an dem Verlassen der Drehbuchautoren auf spleenige Klischeefiguren, deren Tiefe nur herbeigeredet wird.

Geschrieben wurde „Cooties“ von Leigh Wannel (Saw, Insidious) und Ian Brennan (Glee) mit dem Hintergedanken, einmal Kinder richtig schön fertig zu machen. Was auch im Film mehr als einmal geschieht. Man merkt den Autoren den Spaß an, den sie beim Schreiben hatten, Kinder mal nicht als lieb und süß darzustellen, sondern diese zu töten, zu zerfetzen und zu zerstückeln. Den Autoren hilfreich zur Seiten stehen Co-Produzent Elijah Wood als liebenswerter Loser, Rainn Wilson („The Drummer“, „Hesher“) als psychopathischer Sportlehrer, Jack McBrayer („30Rock“) als schwuler Feigling und (eher passiv) Jorge Garcia („Lost“) als Schülerlotse auf Magic Mushrooms. Leider schleicht sich trotz der knackigen 85 Minuten immer wieder Leerlauf ein, fehlt es an der einen genialen Wow-Idee und überzeugen die Kinderdarsteller nicht immer in ihren Zombierollen (man sieht eben zu oft, dass die Kinder ‘Spaß’ am Spielen ihrer Zombierollen haben).

Fazit: „Cooties“ macht vieles richtig und ist sicher ein Anwärter, um unter die Top Ten der besseren Zombiekomödien wie „Juan of the Dead“ zu kommen. Leider hindern ihn daran die arg klischeebeladenen, aber dennoch sympathischen Figuren. Für Genrefans dennoch eine Empfehlung.