Filmkritik

“House at the End of the Street” von Mark Tonderai

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© Universum/Squareone/Walt Disney Studios / Jennifer Lawrence und Max Thieriot in "House at the End of the Street"

© Universum/Squareone/Walt Disney Studios / Jennifer Lawrence und Max Thieriot in “House at the End of the Street”

Schon als Jennifer Lawrence im Alter von 21 Jahren für den Film „Winter’s Bone“ ihre erste Oscar-Nominierung erhielt, hatte sie einen anderen Film bereits abgedreht, der nun – nach Auftritten in „X-Men: Erste Entscheidung“, „Die Tribute von Panem“ und jüngst „Silver Linings“ endlich das Licht der Kinoprojektoren erblickt. Mit „House at the End of the Street“ wagte sich Lawrence einst an das Genre des Horrorfilms, unter der Regie von Mark Tonderai und nach einer Idee von Jonathan Mostow, selbst Regisseur von Filmen wie „Terminator 3“, Arnold Schwarzeneggers letztem Auftritt vor seinem Gang in die Politik, sowie „Surrogates“ mit Bruce Willis. Nun also findet sich dieses Horror-Vehikel auf den Kinoleinwänden wieder und attestiert Lawrence, dass auch junge Oscar-nominierte Schauspielerinnen schon Jugendsünden vorzuweisen haben, in denen sie wenig bis gar nichts gegen ein Debakel von einem Drehbuch ausrichten können, gleich welche Schauspielkraft sie diesem entgegenzusetzen versuchen. Auch die tatkräftige Mithilfe von Dauernebenakteurin Elisabeth Shue, zuletzt als Barkeeperin in „Wie beim ersten Mal“ zu sehen, verhilft dem Film nicht zu einer ansatzweise respektablen Grusel-Qualität.

Lawrence spielt hier Elissa, die mit ihrer frisch geschiedenen Mutter Sarah (Shue) in ein Traumhaus in einer beschaulichen Kleinstadt umzieht. Sie erfreuen sich der Möglichkeit, hier einen Neustart hinzulegen, müssen jedoch schon bald feststellen, dass dieser Ort ein düsteres Geheimnis birgt. Im Nachbarhaus, so sagt die Legende, hat ein kleines Mädchen ihre Eltern auf bestialische Weise ermordet, danach verschwand sie spurlos. Die meisten Bürger der Stadt halten sie für tot, nur wenige erlauben sich den Scherz, sie noch zu den Lebenden zu zählen. Wie altertümliche Horrormärchen fantasieren sie von einem in den umliegenden Wäldern herum schleichenden Mädchen. In dem Haus lebt derweil nur noch ihr Bruder, Ryan (Max Thieriot), ein merkwürdiger Außenseiter, der nur wenige Freunde in der Schule hat. Gegen den Willen ihrer Mutter beginnt Sarah eine Beziehung zu dem zurückgezogen lebenden Jungen aufzubauen. Immer öfter treffen sich die beiden und kommen sich mit der Zeit näher. Aber je mehr Zeit Elissa mit Ryan verbringt, desto mysteriöser erscheint er ihr. Es eröffnen sich nach und nach die Geheimnisse um seine gruselige Familiengeschichte.

Jennifer Lawrence ist Elissa

Jennifer Lawrence ist Elissa

Das geht dann schneller als man es als Zuschauer gewohnt ist. Sieht man zu Beginn noch den besagten Mord der kleinen Carrie Anne (Eva Links Spielfilmdebüt) – Ryans Schwester – an ihren Eltern, ein bestialisches Messerwetzen, so wird nur wenig Zeit damit verschwendet hier Spannung aufzubauen. Ein in der Ferne hell erleuchtetes Fenster soll gruseln, obgleich der Zuschauer wissen wird, dass dort Ryan lebt, es sich nicht um ein verlassenes Spukhaus handelt. Über Ryan wird in dieser Kleinstadt-Idylle natürlich gesprochen, meistens abwertend. Einzig der Sheriff verteidigt ihn fleißig, auch nachdem er einen Mitschüler das Bein gebrochen hat. Damit soll sich der Gesetzeshüter natürlich verdächtig machen, es darf ruhig ein wenig in die Irre geführt werden, klären sich die anderen Mysterien doch schneller auf als die Exposition lang ist. Nachdem sich die beiden Teenager der Geschichte kennengelernt haben, geht alles ganz schnell. Lawrence ist das forsche Großstadtmädchen im kleinen Dorfe. „Your parents got killed“, konfrontiert sie Ryan ganz unverblümt. Dieser bestätigt, will nur noch das herunter gekommene Haus auf Vordermann bringen. Die Chemie zwischen Ryan-Darsteller Max Thieriot und Jennifer Lawrence könnte geringer kaum sein. Es wirkt als sei er der verträumte Kleinstädter, der auf jede Dame anspringt die ihm über den Weg läuft, weil die Auswahl ach so gering ist. Sie biedert sich geradezu an, wirkt als sei sie nymphomanisch veranlagt.

Die Gemeinsamkeit besteht aus der Plage, die sie beide wohl als Erziehungsberechtigte benennen. Ryan erlebt in seinen Flashbacks, Rückblicke an seine wenig erfreuliche Kindheit, wie sein Vater trunken im Sofa hängt, seine Mutter sich mit Drogen volldröhnt. Elissa wird von ihrer Mutter wiederum bevormundet, findet ihre beharrliche Mütterlichkeit, ihre Vorschriften, den immensen Mutterschutz nervtötend einengend. Für Elissa ist es ein Aufbäumen gegen ihre Mutter, wenn sie sich mit Ryan trifft, vielleicht ist hier auch ihre wahre Faszination an diesem Typen begründet. Die Faszination des Verbotenen. Doch am Ende soll sich das Hinwegsetzen über die Anweisungen der Mutter als böser Fehler herausstellen. Hör auf deine Mutter, sie weiß es besser. Das ist die Lehre die hier proklamiert wird.

Kann Elissa ihrem neuen Freund Ryan trauen?

Kann Elissa ihrem neuen Freund Ryan trauen?

Dann aber widmet sich der Film auch wieder seiner eigentlichen Thematik, nicht dem Balzverhalten dieser beiden Jugendlichen, sondern dem Horror, der in diesem Haus am Ende der Straße verborgen liegen soll. Aber das große Geheimnis wird noch in der ersten halben Stunde gelüftet. Ryan geht mit einem Tablett beladen in den Keller seines Hauses, wo er die junge Schwester, lebend, gefangen hält. Er füttert sie, er fesselt sie. Sie soll nicht entkommen, niemanden Leid zufügen. Das sagt er jedenfalls oder so erscheint es. Aber man spürt, dass hier ganz andere Dinge am Werke sind. Man spürt dass auch mit Ryan selbst etwas nicht stimmt. Daraus möchte der Film dann wieder seine Kraft schöpfen, seine Horror-Momente, wenn ab diesem Zeitpunkt Elissa mit dem unheimlichen Jungen aus der Nachbarschaft zusammen ist. Aber das möchte dem Film nicht so richtig gelingen, viel zu vorhersehbar werden Elemente eingebaut, die auf ein deutliches Ende hinzielen. Da verkommt auch der x-te vermeintliche Ausbruch der kleinen Schwester zur platten Verschleierungstaktik.

„House at the End of the Street“ ist ein maues Geplänkel, dass fast gänzlich ohne Spannung und Atmosphäre auskommt. Jede falsche Fährte ist schnell erkannt, das Drehbuch und die Indizien die zu Hauf geliefert werden, regen nicht zu den Überraschungsmomenten an, die offenbar angestrebt werden. Da ist es als äußerst vorteilhaft zu betrachten, dass zumindest Jennifer Lawrence mit „Silver Linings“ einen Film parallel in den Kinos laufen hat, dessen Unterhaltungswert sich am anderen Ende der Qualitätsskala wiederfindet.

Denis Sasse

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“House at the End of the Street“

Originaltitel: House at the End of the Street
Altersfreigabe: ab 16 Jahren
Produktionsland, Jahr: USA / CDN, 2012
Länge: ca. 102 Minuten
Regie: Mark Tonderai
Darsteller: Jennifer Lawrence, Max Thieriot, Elisabeth Shue, Eva Link,

Deutschlandstart: 17. Januar 2013
Offizielle Homepage: house-at-the-end.de

2 Comments

  1. ich hab da mal ne frage zum ende? wie genau war das denn? man weiss ja dass carrie beim schaukeln starb und er dann sozusagen ihre Rolle übernehmen muss. aber wer ist nun das mädchen im keller?

    1. Die Studentin aus dem Diner, die er zu seiner Carrie-Ann gemacht hat. Und dann will er ja Elissa zu seiner Neu-Carrie Ann machen, weil er sie aus Versehen umbringt.

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