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Hexen Horror #5 | “The Witch” (2015)

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Horror in den archaischen Zeiten des Jahres 1630. Hierher hat Regisseur Robert Eggers sein Langspielfilm-Debüt The Witch verlegt. Der nach einem Waldschrat ausschauende Vater einer Großfamilie, muss sich in diesem Hexen-Horror mit einem Ziegenbock bekriegen, der als teuflisches Sinnbild über ihn herfällt. Das ist eine der wenigen aufwühlenden Szenen des Films, der seine spukige Atmosphäre sonst durch Ruhe, Grusel und Misstrauen entfacht.

Es ist ebenso hart mit anzusehen, wie die Eltern William (Ralph Ineson) und Katherine (Kate Dickie) ihren eigenen Kindern Thomasin (Anya Taylor-Joy), Caleb (Harvey Scrimshaw) und den Zwillingen Mercy (Ellie Grainger) und Jonas (Lukas Dawson) anfängt zu misstrauen. Nachdem sich die Familie gezwungenermaßen in die Einsamkeit an den Rand eines Waldes niederlässt, beginnt sie sich voneinander zu entfernen, da sie scheinbar von Hexerei, schwarzer Magie und Besessenheit überkommen werden.

Vor allem Anya Taylor-Joy, die inzwischen auch in Das Morgan Projekt und M. Night Shyamalans Split zu sehen war, bringt durch ihren Otherworldly-Look erheblich viel Charisma in die Handlung. Sie sticht von Beginn an hervor und kapselt sich so schon von den übrigen Familienmitgliedern ab, bevor sie selbst zum Hauptziel derer Hexenverfolgung wird.

The Witch

Anya Taylor-Joy in “The Witch”

Dafür steht ihr Jung-Darsteller Harvey Scrimshaw schauspielerisch in nichts nach. Er gibt eine starke Performance ab, wenn er besessen und von seiner Familie umringt am Boden liegt, Schmerzen erleiden muss und laut aufschreit. Sein Körper beginnt zu zittern, offensichtlich von fremden Kräften durchfahren. Es ist das Bild an sich, dass hier Horror aufkommen lässt, ebenso aber auch das Unwissen und die Hilflosigkeit der Eltern – oder der ganzen Familie – was hier mit dem Jungen vor sich geht.

Ebenso erhält er eine dunkle Szene im Wald, wo er als Sohnemann Caleb auf die Hexe trifft, die ihn geradezu zu verführen scheint. Wie Hänsel und Gretel nähert er sich einer Hexenhöhle, die wiederum wie ein sexy Rotkäppchen hinaus kommt und sich erst einmal wenig bedrohlich dem Jungen nähert.

Hier sind das Rotkäppchen und der böse Wolf aber ein und dieselbe Person. Die Hexe ändert ihr Erscheinungsbild und macht sich über Caleb her. Hier sind wir ganz nah bei dem Jungen, fühlen wie sich der feste Griff der Hexe um ihn schlingt und uns bleibt selbst der Atem weg, wenn wir diese Szene beobachten (müssen).

The Witch

Es ist finster im Wald, wenn der kleine Caleb auf die Hexe trifft

Immer wird dies entweder von absoluter Stille oder den unheimlichen Klängen von Mark Korven unterlegt, die man kaum als Musik bezeichnen möchte. Vielmehr handelt es sich um Töne, die Horror erzeugen sollen. Diese Klänge spielen sich jedesmal in gruselige Höhen, werden schrill und bedrohlich. Dabei wirken sie vor allem umso mehr, da sie gezielt eingesetzt werden und die sonst so anspannend stillen Momente durchbrechen.

Ein guter Horrorfilm sollte natürlich über eine entsprechende Atmosphäre verfügen und würde es allein darum gehen, hätte The Witch sicherlich recht schnell den Gipfel des Genres erklommen. Allerdings hat sich Robert Eggers allein auf die Stimmung gestürzt, einige wenige bedrückende Momente einfließen lassen, hat aber ansonsten nichts in seiner Geschichte zu erzählen.

Dem Film hätte es sicherlich gut getan, mehr Hexe, mehr Satan, gar ein bisschen mehr konventionellen Horror einfließen zu lassen, und uns nicht nach den ersten zehn Minuten in die atmosphärisch starke Langeweile zu schicken, bevor The Witch erst gegen Ende wieder ein wenig Fahrt aufnimmt.

Denis Sasse
Ich schreibe seit 2009 über Filme und habe viele Jahre Hörfunk-Beiträge zu unterschiedlichsten Medieninhalten produziert. Beim Radio durfte ich meine eigene Kino-Sendung planen und moderieren. Irgendwie habe ich ein Studium der Literaturwissenschaft und der Medienwissenschaften dazwischen gequetscht. Jetzt lehre ich an einer Hochschule über Thematiken in den Bereichen Film, Fernsehen, Social Media und Medienpädagogik.

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