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Hai Horror #3 | THE SHALLOWS (2016) mit Blake Lively

Gedreht wurde der Hai-Horrorfilm The Shallows in Australien, die Szenerie wird aber im Film für einen Strand irgendwo in Mexiko verkauft. Es ist aber eigentlich auch ganz egal wo wir sind, denn die Hauptsache ist, dass wir verstehen, wie schön es hier sein soll. Und da macht Regisseur Jaume Collet-Serra keine Anstalten, uns wirklich ins Schwärmen nach einer solchen Idylle zu bringen. Hier soll uns ein purer Alptraum widerfahren? Das ist kaum vorstellbar. Aber dann ist da doch eben dieser Monster-Hai, der es auf Blake Livelys Surferin Nancy abgesehen hat.

Eigentlich will Nancy nur einen Tag an demselben abgelegenen Strand verbringen, wie ihre Mutter, als sie mit ihr Schwanger war. Ihre Mutter ist kürzlich erst verstorben, weshalb dieser Kurztrip eine Art Verarbeitung des tragischen Ereignisses darstellen soll.

Dann aber entdeckt Nancy den Kadaver eines toten Buckelwals, der einen großen weißen Hai anlockt. Dieser wird angestachelt durch das Blut und die übermäßig große Mahlzeit. Als Nancy das erste Mal auf den Hai trifft, probiert dieser sogleich ein Stück von ihrem Bein. Angeschlagen kann sie sich auf den Wal retten, der aber schon bald vom Hai in die Tiefen des Meeres gezogen wird. Nancy findet einen kleinen Fels, ist mit ihrem angeschlagenen und blutenden Bein aber nicht mehr in der Lage, zurück zum Strand zu schwimmen, während der weiße Hai auf sie lauert.

The Shallows
Am Anfang ist noch alles cool am Strand.

Bevor der Horror beginnt, können wir aber wirklich mit Nancy in diesem gigantischen Meer baden und surfen gehen. Kameramann Flavio Martínez Labiano nimmt uns mit in diese paradiesischen Verhältnisse. Er stellt uns an einen gold-glänzenden Sandstrand an einem türkis-strahlenden Meer. Das ist keine Touristenhochburg, sondern ein geheimer Ort, den nur eingeweihte Menschen kennen. Es ist eine Idylle, an der wir uns sofort entspannen und sorglos in die Wellen stürzen würden.

Hier sorgt allenfalls ein Delfin für einen wahren Jump Scare. Dann aber entwickelt sich alles ganz anders und dieser monströse weiße Hai bricht über das Paradies hinein. Dabei wirkt dieses Viech fast größer als der Wal und zeigt sich damit mehr als Film-Monster und weniger als reales Tier. Dieser Hai ist aggressiv-angriffslustig und scheint nicht nach Instinkt, sondern nach purer Boshaftigkeit zu handeln.

Aber ganz gleich ob wir uns anfänglich noch in der Idylle sonnen können oder uns mit Blake Lively auf einen Fels kauern, die Kamera bleibt stylisch von den Surf-Bildern bis zum mit scharfen Zähnen zuschnappenden Killerhai. Vor allem investiert Collet-Serra ausreichend Zeit in seine Landschaft. Immer wieder sehen wir, wie klein Blake Lively aus der Vogelperspektive auf diesem Meer wirkt, auch wenn sie sich in unmittelbarer Strandnähe aufhält.

Die Bilder wissen um die Kraft dieser unendlichen Weite, zeigen sie immer wieder und erzeugen damit zwar ein angenehm-beruhigendes Gefühl der Abgeschiedenheit, aber mit dem Einbruch der tödlichen Gefahr eben auch den hilflosen Auf-sich-allein-gestellt-sein Kontrast.

Hier setzt The Shallows auf gar nicht so viele Hai-Momente oder Schocker-Horror, sondern versucht uns – zumeist erfolgreich – in die Situation von Blake Livelys Nancy zu versetzen. Wir sollen ihre Einsamkeit, ihre Verzweiflung spüren. Das ist dann der wahre Horror, der durch das Auftauchen des Hais nur noch mehr in die Höhe getrieben wird.

The Shallows
Nancy (Blake Lively) steckt in einer schweren Krise

Manchmal verliert sich The Shallows allerdings. Wie wenn Lively in ein Meer von lumineszierenden Quallen Schutz vor dem Hai sucht. Dann mag das stylisch aussehen, aber auch mehr an einen Pixar Animationsfilm erinnern, als das man ein solches Szenario hier ernst nehmen könnte ohne kurz zu schmunzeln. Auch die Seemöwe namens Steven Seagull würde sich mehr als Pixar Nebenfigur eignen und das arg aufgeplusterte Actionfinale gibt dem Film im letzten Akt noch einen kleinen Bruch im bisherigen Erzähltempo und -ton mit.

Es ist Blake Lively zu verdanken, dass das alles trotzdem wunderbar funktioniert. Sie gehört zu einer Kategorie Darstellerinnen, die noch nicht ihr volles Potential zeigen durften. Aber in Filmen wie The Town oder Für immer Adaline ist es bereits zu finden. Auch in The Shallows ist diese Hollywood-Note zu spüren, wenn Lively niemals wie eine austauschbare Horrorfilm-Göre wirkt, sondern wirklich ihr Schauspiel in die Geschichte bringt und uns dadurch in jedem Moment mitzureißen versteht.

The Shallows hat vor allem am Ende seine Schwächen, entschuldigt sich aber recht effektiv durch seine Hauptdarstellerin, durch seinen Fokus auf die Spannungsmomente und die wunderschönen Kamerabilder, ganz gleich wie groß der Hai-Schrecken auch gerade sein mag.

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