Genre-Kenner sollten immer einen Blick auf die Horror-Erzeugnisse spanischer Regisseure werfen. Mit [Rec] haben Jaume Balagueró und Paco Plaza eine langlebige und gute Found Footage-Reihe geliefert, mit Das Waisenhaus ist J. A. Bayona ein unfassbar atmosphärisches Werk gelungen und mit Juan of the Dead oder Witching & Bitching zeigt man komödiantische Erzeugnisse fernab von handelsüblicher Horrorfilm-Kost. Und auch The Others, ein 2001er Haunted House-Horror mit Nicole Kidman beweist, dass der spanische Horrorfilm leise, schleichend und effektiv zugleich sein kann.

In dem Film von Regisseur und Drehbuchautor Alejandro Amenábar (Das Meer in mir, Regression) lebt die fromm-gläubige Mutter Grace Stewart (Kidman) mit ihren beiden Kindern Anne (Alakina Mann) und Nicholas (James Bentley) in einem abgelegenen Landhaus irgendwann nach den Ereignissen des Zweiten Weltkriegs. Ihre Kinder haben eine seltene Krankheit, die sie empfindlich gegenüber Sonnenlicht sein lässt, so dass in dem Haus immer und zu jederzeit alle Vorhänge zugezogen sind.

Grace stellt drei neue Hausbedienstete ein, die bereits einmal in dem Haus gearbeitet haben. Mrs. Bertha Mills (Fionnula Flanagan), den Gärtner Edmund Tuttle (Eric Sykes) und ein stummes Mädchen namens Lydia (Elaine Cassidy). Die kleine Anne erzählt den Neuankömmlingen, dass ihre Mutter dem Wahnsinn verfallen sei, nachdem die letzten Bediensteten das Haus verlassen haben, während ihr Bruder Nicholas widerspricht, dass hier nichts Ungewöhnliches vor sich gehen würde.

The Others
Grace Stewart (Nicole Kidman) mit ihrer Tochter Anne (Alakina Mann)

Immer wieder kommt der Gedanke auf, dass das Haus verflucht sei, vor allem nachdem Anne vermehrt mit einem Jungen zu sprechen scheint, der hier mit seinen Eltern und einer bösen alten Frau leben soll. Grace versichert allerdings, dass sie nicht an Geister glaubt und die neuen Bediensteten nicht alles glauben dürften, was die Kinder – vor allem Anne – ihnen erzählen würden.

The Others wurde visuell äußerst hübsch gefilmt, vor allem wenn wir mit Nicole Kidman durch die vernebelten Landschaften außerhalb ihres alten, gotisch angehauchten Anwesens irren. Hier hat Kameramann Javier Aguirresarobe gespenstische Einstellungen geschaffen, zeigt uns im Inneren des Hauses große, leere Räume, in die er die Protagonisten verloren wirkend hinein setzt.

Kidman spielt ihre Figur zwar kühl, was anfangs aber nur der Atmosphäre gleich kommt und sie unterstützt. Mit zunehmenden Anzeichen, dass in dem Haus aber wirklich noch andere Personen, Wesen, Geister leben, bricht auch ihre eisige Fassade auf. Ihre Tochter erzählt ihr von einem Jungen namens Viktor, seiner Mutter, seinem Vater und einer gruseligen, alten Frau: “Viktor hat mir gesagt, sie sei eine Hexe”. Die kleine Tochter glaubt so fest daran, dass sich auch Nicole Kidman gruseln lässt.

Und Nicholas sieht selbst schon so gruselig aus, dass man eher vor ihm, als vor irgendeinem Gespenst Angst haben möchte. Jung-Darsteller James Bentley verkörpert ungemein gut diesen kleinen Jungen, der durch seine bloße Anwesenheit, durch seine erschrockenen, verängstigten Blicke bei uns dieselbe Angst vor diesen Dingen erzeugen kann, die dort in den Schatten zu lauern drohen.

The Others
Sohn Nicholas (James Bentley)

Am Ende ist natürlich alles ein bisschen anders, wie wir es erwartet hätten. Denn The Others kommt mit einem Twist daher, der sich in der letzten Viertelstunde immer wieder selbst toppt. Der multiple Twist funktioniert dabei mit jeder Neuausrichtung und erzeugt bei uns gleich mehrere “Ah”- und “Oh”-Momente.

The Others ist aber auch ein Haunted House-Film ohne irgendwelche Schock-Momente. Wer auf Jump Scares wartet, wird dies vergeblich tun. Vielmehr zeigt sich der Film in einer dunklen, angespannten Stimmung, in der keine plötzlich aufpoppenden Fratzen oder laute Sound-Effekte für Schockmomente sorgen möchten. Damit hat der Film mehr mit M. Night Shyamalans The Sixth Sense gemein, als mit der blutrünstigen Horror-Welt vieler Slasher- und Teenhorrorfilme Hollywoods.