Sechs Jahre nach dem Original Tanz der Teufel holt Regisseur Sam Raimi seinen Helden Ash zurück in den einsamen Wald zu der verlassenen Hütte um erneut mit den Dämonen des sumerischen Totenbuchs, dem Necronomicon, zu kämpfen. “Zurückbringen” ist vermutlich das falsche Wort, denn Tanz der Teufel 2 gibt uns einen kurzen, arg vereinfachten Rückblick auf den ersten Teil, bevor die Handlung exakt dort ansetzt, wo wir Bruce Campbell 1981 zum letzten Mal gesehen haben: schreiend vor der Hütte, eine dunkle Macht auf ihn zustürmend.

Ohne diese Szene auflösen zu wollen, will Ash diesem Horror natürlich entfliehen, sieht aber die Brücke zerstört, die ihn aus diesem Stück des Waldes zurück in die Zivilisation bringen könnte. Er verschanzt sich also wieder in der Hütte und lässt die Dämonen über sich kommen, darunter auch einmal mehr die besessene Linda (von Denise Bixler gespielt, die damit die Rolle von Betsy Baker aus dem ersten Teil übernimmt), die sich kopflos aus ihrem Grab erhebt und einen kleinen Totentanz vor ihrem Ex-Freund vorführt.  

Ihrem Kopf gelingt es derweil, sich an der Hand von Ash festzubeißen. Nach allerlei Mühen gelingt es ihm, Lindas Kopf loszuwerden, indem er sich seine Hand mit einer Kettensäge abtrennt. Später wird er genau diese Kettensäge an seinen Arm montieren um zu Chainsaw-Ash zu werden, der mit Schrotflinte und tödlichem, rechten Waffenarm gegen die Dämonen des Necronomicons antritt.

Tanz der Teufel 2
Ash (Bruce Campbell) bekommt in TANZ DER TEUFEL 2 allerhand Beistand. Ob der allerdings überlebt…?

Außerdem bekommt er Unterstützung – oder der Film bekommt Kanonenfutter – in Form von Annie (Sarah Berry), der Tochter des Archäologen, der das Necronomicon gefunden und übersetzt hat. Sie und ihr Forschungspartner Ed (Richard Domeier) haben noch mehr Seiten des Buches gefunden und versuchen zu der Hütte zu gelangen. Hierzu benötigen sie allerdings die Hilfe der örtlichen Rednecks Jake (Dan Hicks) und Bobby Joe (Kessie Wesley), die einen Weg an der zerstörten Brücke vorbei kennen.

Wenn der erste Film noch dazu da war, Ash zu etablieren und Sam Raimi als kreativen Kopf dieser Trash-Reihe zu zeigen, dann ist es tatsächlich Tanz der Teufel 2, der all die Elemente hinzufügt, mit denen wir Bruce Campbells Ash in Erinnerung behalten sollten. Er bekommt den Kettensägen-Arm, nachdem seine rechte Hand von dämonischer Besessenheit überkommen wird – eine Inspiration für den 1999er Teen-Horror Die Killerhand. Und er darf sein “Groovy” zum ersten Mal von sich geben, um dem Trash-Horror auch gleich noch einen Trash-One Liner mitzugeben.

Nach dem Erfolg des ersten Teils und einem kurzen Ausflug Sam Raimis zu einer Regiearbeit namens Die Killer-Akademie, für die er nach einem Drehbuch der Coen Brüder arbeiten durfte, kehrt er 1987 mit weitaus mehr und besseren – immer noch nicht guten – Special Effects zurück. Tote Körper erheben sich aus ihren Gräbern und tanzen wie einst die Skelette im 1929er Disney-Kurzfilm The Skeleton Dance oder kämpfen wie Ray Harryhausens Gerippe in Don Chaffeys 1969er Jason und die Argonauten.

Während der erste Tanz der Teufel schon durch seine übermäßig-trashige Art und Weise immer wieder gewollt ins Komödiantische abgerutscht ist, nutzt Tanz der Teufel 2 diese Erwartungen und schraubt neben den Special Effects auch die Comic Performance von Bruce Campbell nach oben, der in den sechs Jahren seit seinem ersten Evil Dead-Auftritt sichtlich an Präsenz gewonnen hat.

Er verkauft uns Ash als vor Angst quietschend und schreienden Helden, der sich im Verlauf der Handlung zum Bad Ass-Dämonenkiller verwandelt, ohne dass wir an dieser Entwicklung zweifeln würden. Die Mimik und Gestik des Darstellers sind gänzlich over-the-top um damit eine surreale Performance abzuliefern, die erst einmal nicht zum harschen Splatter-Charakter des Horrorstreifens passen will, sich aber eben genau dadurch als so gutes, ergänzendes Element erweist.

Tanz der Teufel 2
Ashs Hand entwickelt ein dämonisches Eigenleben.

In seiner besten Szene muss er zum Leben erwachende Gegenstände mental verarbeiten und verfällt in ein manisch-verrücktes Gelächter, während man denken könnte, dass Sam Raimi einmal mehr auf einen Disneyfilm Bezug nehmen möchte, denkt man an den 1940er Fantasia und wie Micky Maus allerhand Haus-Gegenstände um sich tanzend sieht. Diese Szene wirkt absolut durchgeknallt. Ash mit blutig-verschmierten Gesicht, wird als erstes von einem geschossenen Hirsch-Kopf ausgelacht. Ein purer Drogentrip, der die volle Dämonen-Power über Ash, den Film und uns entlädt.

Spoiler: Am Ende wird Ash durch ein Dimensionstor ins Mittelalter gerissen, wo er im dritten Teil Armee der Finsternis ein noch verrückteres Abenteuer erleben muss, bevor er sich erst einmal für längere Zeit (21 Jahre!) zur Ruhe setzt. Mit Tanz der Teufel 2 gibt es aber erst einmal noch krassen Splatter-Gore samt perfekten Comedy-Timing, das nicht wirklich auf Horror ausgelegt wird. Schön auch, dass Raimi trotz des Erfolgs von Teil 1 weiterhin bei einer Low Budget-Produktion bleibt und hierdurch den Charme der Filme aufrecht erhält.