Wo bei anderen Filmen die Trailer als Vorausschau, gar als Werbung wahrgenommen werden, da läuft Machete mit Danny Trejo als Coming Attraction bei Robert Rodriguez’ Planet Terror fest verankert zu Beginn des Films. Machete hat später ein eigenes Franchise nach sich gezogen, soll hier aber beim Grindhouse-Doppel mit Quentin Tarantinos Death Proof für ein möglichst natürliches Gefühl der alten Pulp-Double Features sorgen, wie sie so richtig schön trashig in den amerikanischen Autokinos zu sehen waren.

Robert Rodriguez hat mit seinem Planet Terror in 2007 einen großartigen Zombiefilm hingelegt, der mit Rose McGowan, Freddy Rodriguez, Josh Brolin, Marley Shelton, Naveen Andrews, Michael Biehn, Jeff Fahey, Stacy “Fergy” Ferguson und Bruce Willis darüber hinaus über eine ziemlich staunenswerte Cast verfügt. Rodriguez saß nicht nur auf dem Regiestuhl, sondern hat auch gleich noch das Drehbuch geschrieben, die Kamera geführt, den Score komponiert, mit im Schnitt gesessen und den Film produziert.

Die Hauptrolle übernimmt Rose McGowan als Go-Go Tänzerin Cherry Darling, die sich dazu entschließt, ihren schlecht bezahlten Job an den Nagel zu hängen. In dem heruntergekommenen Schuppen The Bone Shack trifft sie auf ihren Ex-Freund El Wray (Freddy Rodriguez), während andernorts eine Gruppe von Soldaten unter dem Kommando des gestörten Lt. Muldoon (Bruce Willis) eine chemische Waffe von dem Biotechnologen Abby (Naveen Andrews) kaufen will.

Aus dem Kauf wird eine Abzocke und die Chemikalie, genannt Project Terror, wird freigesetzt. Schon bald schwebt eine grüne Giftwolke über allem und lässt die Menschen in deformierte, blutdurstige Psychopathen mutieren, die nur noch als “Sickos” bezeichnet werden.

Planet Terror
Unter der giftigen Chemikalie schmelzen die Lebenden geradezu dahin.

Planet Terror kommt stilistisch einfach großartig daher. Wie wunderschön es ausschaut, dass der Film künstlich auf alt, auf pulp getrimmt wurde. Mit seinem körnigen Bild und den immer wieder aufkommenden Streifen erinnert er uns daran, wie es ist einen Film wirklich auf Film zu sehen, fernab jeglicher digitalen Perfektion.

Da fragt man sich während Planet Terror schon so manches mal, weshalb sich diese De-Restaurierung nicht als Genre-Ästhetik durchgesetzt hat, wie es zum Beispiel auch dem Found Footage-Bildern im Horrorfilm gelungen ist ein Eigenleben zu entwickeln.

Aber Rodriguez geht noch einen Schritt weiter und implementiert seine Ästhetik auch gleich noch im Storytelling, wenn an einer Stelle der Film verbrennt und ein “Missing Reel” darauf hinweist, dass hier nun einige Szenen verloren gegangen sind. So switched der Regisseur von einer heißen Sexszene zwischen Rose McGowan und Freddy Rodriguez zur Apokalypse. Von dem brennend heißen Sexspiel zum Lichterloh in Flammen stehenden The Bone Shack unter Zombie-Belagerung. Ein genialer und feuriger Schnitt.

Aber auch Rodriguez’ Kamera fängt allerhand sehenswerte Momente in dystopischen Postkarten-Motiven ein. Wenn Dakota (Marley Shelton) mit ihrem Sohn (Rebel Rodriguez) flüchtet, das stilisierte Sexspiel von McGowan und Freddy Rodriguez, die Belagerung des Bone Shacks oder eine Konvoi-Fahrt durch die Zombie-Horden – alles bietet einen wertvollen Schauwert.

Als solche könnten auch die Oberweiten der Darstellerinnen genannt werden: McGowan und Black Eyes Peas-Frontfrau Stacy Ferguson lassen sich bereitwillig von Robert Rodriguez in altmodischer Pulp-Film manier körperlich ästhetisieren. Zwar stehen hier die Rundungen immer wieder im Vordergrund, aber Planet Terror weiß sehr genau, wie die Fleischbeschau wenig sexistisch und viel mehr als Persiflage und Hommage an alte Schinken herüber gebracht werden kann. Und am Ende sind die Frauen gar die stärksten Figuren des Films, was Quentin Tarantino in einem Gastauftritt (als “Vergewaltiger 1”) nur allzu schmerzhaft zu spüren bekommt.

Planet Terror
Quentin Tarantino kommt Rose McGowan und Marley Shelton mit seinem Gastauftritt als “Vergewaltiger 1” gefährlich nahe.

Außerdem versteht Rodriguez es, in welcher Geschwindigkeit er seine Story zu erzählen hat. Auch er lässt sich eine halbe Stunde Zeit, um die Zombie Apokalypse einzuläuten. Erst dann wird die Schwämme von Untoten – oder “Sickos” – auf die Welt losgelassen. Aber Planet Terror gibt uns schon in diesen ersten dreißig Minuten immer wieder kleine Einblicke und Appetitanreger, die als Zugabe zu der Einführung der Figuren funktionieren und uns schon früh mit fiesen Zombie-Bildern bei Laune halten.

Ebenso wird von dem flachen One-Liner Humor der Spaß hoch gehalten. Wenn eine Leiche betrachtet wird und die Frage nach der Todesursache aufkommt, hören wir ein “Looks like a no brainer”, bevor der Kopf der Leiche zur Seite gedreht wird und offenbart, dass sie “no brain”, kein Hirn mehr besitzt. Szenenapplaus. Danke für das Wortspiel.

Planet Terror gehört gemeinsam mit Zack Snyders 2004er Remake Dawn of the Dead zu den vielleicht innovativsten und interessantesten amerikanischen Zombie-Horrorfilmen der 2000er Jahre. Dagegen muss Quentin Tarantino sich ganz klein machen, da sein Companion Piece Death Proof geradezu langatmig langweilig dasteht, wenn man ihn mit dem Spaß-Faktor und Speed von Rodriguez’ Grindhouse-Beitrag vergleicht.