Horror

Horror von George A. Romero #7 | “Land of the Dead” (2005)

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Man spricht gerne von der Dead-Trilogie des Filmemachers George A. Romero, obwohl es sich um insgesamt sechs Filme handelt, die in seiner zombifizierten Welt existieren. Vielleicht ist die Zeitspanne irritierend, die zwischen Zombie 2 (Day of the Dead, 1985) und Land of the Dead in 2005 liegen – 20 Jahre, in denen Romero sich im Filmbusiness herumgetrieben und ausprobiert hat, nur um dann zu seinen Wurzeln zurückzukehren und seine Untoten-Saga in die Moderne zu holen.

Dem neuen Publikum bietet er mit Land of the Dead alte, vielleicht längst in Vergessenheit geratene Analogien an, wenn er Ausflüge in gigantische Shopping Malls macht, wie schon in seinem Dawn of the Dead (Zombie, 1978), um der Gesellschaft den Konsumwahn-Zombie vorzuhalten. Hier aber führt er ebenso die Zombies selbst vor und bietet uns somit eine Persiflage auf die eigenen Sehgewohnheiten. Die Zombies sind zu Schau-Objekten geworden, die in Zirkus ähnlichen Einrichtungen Käfigkämpfe austragen oder als angekettete Ungetüme für lustig-mutige Selfie-Fotos von Teenagern herhalten müssen.

Da hat Romero einmal mehr nicht nur einen schlichten Horrorfilm erschaffen, sondern uns seinen Kommentar auf unsere Zombie-Begeisterung geliefert, die fünf Jahre später mit der AMC Serie The Walking Dead sogar ins Fernsehen übertragen wird. Die Untoten sollen kultiviert werden, was im Film nicht nur von unserer menschlichen Seite aus geschieht, sondern auch die Zombies selbst scheinen sich in Land of the Dead weiterzuentwickeln, sich den Gegebenheiten ihrer Umwelt anzupassen.

Land of the Dead

Simon Baker und Asia Argento in LAND OF THE DEAD

Da gibt es diesen Oberzombie, der besonders intelligent erscheint oder dessen Instinkte einfach besser ausgeprägt sind. Wenn die Menschen mit einem Panzerwagen durch die Welt fahren, dann muss das Zombie eben lernen mit fortschrittlichen Waffen umzugehen. Es wird gar Wissen weitergegeben. Denn der Einzelgänger-Zombie hat keine Chance in einer auf die Untoten ausgerichteten Welt. Also wird der Ober-Zombie auch gleich noch zum Lehrer-Zombie, der seinen Artgenossen das Waffen-Wissen weiterreicht.

Dieses Zombie, genannt Big Daddy (Eugene Clark) wird aber auch von den Menschen entdeckt, die durch das apokalyptische Pittsburgh, Pennsylvania streifen. Die Stadt ist zu einem Zufluchtsort geworden, an dem die Reichen verbarrikadiert in einem Luxus-Hochhaus leben, während die übrigen Menschen ihr Dasein in dreckigen Behausungen fristen.

Ganz oben sitzt Kaufman (Dennis Hopper), der skrupellose und geldgierige Herrscher über diese Stadt, der den Panzerwagen “Dead Reckoning” gesponsered hat, der von Konstrukteur Riley Denbo (Simon Baker) entwickelt wurde. Während es sich Kaufman gut gehen lässt, fährt Denbo selbst im “Dead Reckoning” mit einer Gruppe von Plünderern durch die Gegend, um Essen und Medikamente für die Menschen aufzutreiben.

In einer Bar hilft er der Prostituierten Slack (Asia Argento), die in einem Käfigkampf Zombies geopfert werden soll, weil sie der Rebellion gegen Kaufman geholfen haben soll. Derweil wird Denbos Nachfolger Cholo DeMora (John Leguizamo) eine Wohnung im Luxus-Hochhaus verwehrt, obwohl er Kaufman gute Dienste geleistet hat. Cholo droht “Dead Reckoning” an sich zu reißen und das ganze Hochhaus damit zu zerstören. Und ganz nebenbei kommt Big Daddy-Zombie mit seiner Armee von Untoten in der Stadt an, wo sich Ober- und Unterschicht ohnehin schon in den Haaren liegen.

Land of the Dead

Eine kleine, aber sehenswerte Rolle für Dennis Hopper in LAND OF THE DEAD

Man merkt geradezu, wie George A. Romero sich hier zum ersten Mal richtig austoben kann, da ihm in der Moderne die Möglichkeiten der CGI-Technik gegeben worden sind. Denkt man zurück an seine Die Nacht der lebenden Toten-Anfänge in 1968, dann müssen die Gestaltung der Zombies in Land of the Dead, die Möglichkeiten der Massakrierungen, die Blutfontänen und all die zerfleischten Menschen Verwirklichungen sein, die sich der Filmemacher fast 40 Jahre zuvor vermutlich niemals hätte erträumen lassen.

Hier nun sehen seine Untoten großartig aus (in einer Zeit vor The Walking Dead!), seine Ideen sind originell und die blutigen Splatter-Momente unterhaltsam. Ganz nebenbei bekommt er einen Darsteller wie Dennis Hopper in seinen Film hinein, dessen Rolle denkbar klein ausfallen mag, der aber ein großartiges böses Gesicht für diesen Film abgibt. Und wer ganz genau aufpasst, kann Regisseur Edgar Wright und Schauspieler Simon Pegg in einer Szene als Zombies in einer Fotobox erhaschen – nur ein Jahr nach ihrem gemeinsamen Film Shaun of the Dead, eine Hommage an eben George A. Romero.

Auf den ersten Blick erscheint Land of the Dead also wie ein harmloser Zombie-Movie, dann aber steckt doch wieder mehr drin, als man denkt. Die Zombie-Kultur als Hingucker, ausgerechnet von Romero vorgeführt. Damit kehrt der legendäre Filmemacher in seinen Kosmos der Untoten zurück.

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