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Deutschsprachiger Horror #4 | “Hell” (2011)

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Mancher deutscher Horrorfilm bleibt leider gänzlich unentdeckt. Während Anatomie und Creep die frühen 2000er Jahre unsicher gemacht haben, hat Regisseur Tim Fehlbaum seinen Hell in 2011 veröffentlicht. Nicht so feurig-hell wie die Hölle, sondern strahlend-hell wie die Sonne, die unsere Welt durch einen enormen Anstieg ihrer Strahlkraft in eine postapokalyptische Dürre verwandelt hat.

Fehlbaum arbeitete für den bisher besten Eintrag ins deutsche Horrorgenre mit Hannah Herzsprung, Lars Eidinger und Stipe Erceg zusammen. Hell ist ein Mix aus dem Überlebenskampf in dieser Welt nach der Katastrophe und einem Kannibalen-Slasher-Film.

Hell

Hannah Herzsprung in der postapokalyptischen Dystopie von “Hell”.

Wir sind also in der Dystopie des Jahres 2016, in der man ohne Schutzkleidung verbrennt, wenn man sich unter der Sonne aufhält, die ununterbrochen auf die Erde einstrahlt. Durch diese Welt reisen drei Freunde, die auf einen Fremden treffen, dem sie erst einmal gehörig misstrauen. Dann aber finden sie sich gemeinsam auf einem Bauernhof wieder, deren Bewohner zuerst zwar freundlich erscheinen, dann aber ihre kannibalischen Gedanken offenbaren.

Tim Fehlbaum traut sich den deutschen Film in eine neue Richtung zu lenken: Science Fiction gemischt mit Slasher-Horror. So traurig es ist, dass der Film keine große Beachtung bekommen hat, so gut funktioniert sein Genre-Experiment.

Sein Kameramann Markus Förderer fängt die Zukunftswüste wunderschön ein. Dieses Land bedarf keiner Zombies um Bedrohlichkeit auszustrahlen. Hier wird schnell deutlich gemacht, dass die Menschheit selbst sich ihr größter Feind darstellt, wenn sie am Ende des zivilisiert-gesellschaftlichen Miteinanders angekommen ist.

Förderer taucht seine Bilder in ein gleißendes Weiß, wenn er out-in-the-open filmt. Später wird es umso dunkler, wenn die Figuren den Bauernhof erkunden.

Auch gelingt es Hell den Genre-Wechsel zu vollziehen. Während der erste Teil noch recht ruhig gefilmt in der dystopischen Landschaft spielt, verwandelt sich der Film glaubhaft in den Kannibalen-Slasher, der keinerlei Ruhe mehr mit sich bringt.

Hell

Das Essen mit den Farmern macht Marie (Hannah Herzsprung) nicht wirklich Spaß.

Wo zuerst noch Misstrauen die Handlung vorantreibt, sind es bald schon Axt-schwingende Bauern, die hinter den Überlebenden her sind. Hier wird dann nur noch ans Essen und auch Fortpflanzen gedacht, ein pures Horrorszenario, dem man selbst nur allzu gerne entfliehen möchte.

Aus den jeweiligen Situationen entfaltet sich immer ein gewisser Horror. Der Horror in einer Postapokalypse überleben zu müssen. Der Horror neuen Menschen zu begegnen und nicht zu wissen, wie sie ticken und was sie vorhaben. Aber natürlich auch der Horror eingesperrt und gegessen werden zu wollen.

Hell ist ein viel zu seltener Film im deutschen Kino, der sicherlich seine Schwächen hat, über die man aber gerne hinwegsieht.

Denis Sasse
Ich schreibe seit 2009 über Filme und habe viele Jahre Hörfunk-Beiträge zu unterschiedlichsten Medieninhalten produziert. Beim Radio durfte ich meine eigene Kino-Sendung planen und moderieren. Irgendwie habe ich ein Studium der Literaturwissenschaft und der Medienwissenschaften dazwischen gequetscht. Jetzt lehre ich an einer Hochschule über Thematiken in den Bereichen Film, Fernsehen, Social Media und Medienpädagogik.

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