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Horror von Guillermo Del Toro #3 | PANS LABYRINTH (2006)

Eine kleine Heuschrecke erweckt die Aufmerksamkeit eines jungen Mädchens. Inmitten eines brutalen Krieges verwandelt sich das Insekt vor ihren Augen in eine kleine Fee und führt sie in das Labyrinth eines Fauns. Guillermo Del Toro zeigt nach Cronos und Mimic erneut seine Vorliebe für kleine Insekten und Horrorgestalten in schönster Visualisierung. Pans Labyrinth ist sein Meisterwerk, eine Kombination aus hartem Kriegsfilm und wunderschönem Horrormärchen.

Pans Labyrinth ist kein Kinderfilm und es gibt auch keinen Pan. Der spanische Originaltitel “El laberinto del fauno” lässt sich viel mehr mit “Das Labyrinth des Fauns” übersetzen. Also kein Hirtengott aus griechischer Mythologie mit menschlichen Oberkörper und untenrum ein Ziegenbock. Stattdessen ein Faun, ein ähnlich aussehender gehörnter Waldgeist, der von Doug Jones gespielt wird, der für Del Toro immer wieder skurril-groteske Fantasyfiguren verkörpert (den Amphibienmann Abe Sapien in den Hellboy-Filmen, ebenso wie die Amphibienkreatur in Shape of Water, eine gruselige Dame in dem Haunted House Horror Crimson Peak und auch den Pale Man in Pans Labyrinth).

Das kleine Mädchen heißt Ofelìa (Ivana Baquero, inzwischen in den Shannara Chronicles zu sehen) und erlebt das diktatorische Spanien des Jahres 1944 unter Francisco Franco. Aus der Ferne gibt es Nachrichten von der Landung der Westalliierten in der Normandie sowie von weiteren Rückschlägen für die Freunde Hitlers und Mussolinis. Der sadistische Capitan Vidal (Sergi Lopez) jagt mit seinen Soldaten nach Rebellen, die sich in den Wäldern des Landes versteckt halten.

Pans Labyrinth
Ivana Baquero als Ofelìa in Guillermo Del Toros PANS LABYRINTH.

Dabei dient ihm eine alte Mühle als Hauptquartier, wo er auch seine neue Frau Carmen (Ariadna Gil) unterbringt, die hochschwanger ist und ihre Tochter Ofelìa aus erster Ehe mitbringt. Das Mädchen hasst ihren Stiefvater, der ihre Mutter tatsächlich nur dazu benutzt, einen Nachkommen für ihn zur Welt zu bringen.

Dann aber macht Ofelìa von der kleinen Heuschrecken-Fee in ein Labyrinth geführt, die Bekanntschaft des Fauns, der glaubt, sie sei die wiedergeborene Prinzessin Moanna aus einem Reich unterhalb der Menschenwelt, in der keine Lügen oder Schmerzen existieren. Der Faun erzählt ihr die ganze Geschichte ihrer vermeintlichen Herkunft und gibt ihr drei Aufgaben, die sie bewältigen muss, um zu beweisen, wirklich die Prinzessin zu sein und ihre Unsterblichkeit zurückzuerlangen.

Ofelìa ist eines dieser Filmkinder, die sich als Bücherwurm, als Träumerin und Geschichtenerzählerin (für ihren noch nicht geborenen Bruder) herausstellt. Die Gattung Kind, die Abenteuer fernab der Realität erleben darf und doch in dieser verankert bleibt. Es gibt eine gewisse Nähe zu Bastian Balthazar Bux aus der Unendlichen Geschichte, die allerdings weitaus freundlicher daherkommt, aber ebenso ein Kind zeigt, dass sich in der Real- als auch in einer Fantasywelt wiederfindet.

Pans Labyrinth ist dabei einer der besten Fantasyfilme überhaupt, gerade weil Guillermo Del Toro es so gut versteht, zwei Welten miteinander zu vermischen und seinem Film dennoch das Gefühl des Ganzen zu geben. Bei ihm passen märchenhafte Figuren wie Faune und Feen zur gewalttätigen Realität eines Krieges von sadistischen Soldaten und Diktatoren geführt.

Pans Labyrinth
Der unheimliche Pale Man wird von Doug Jones gespielt.

Wenn das Mädchen ein neues Kleid bekommt, muss sie danach zu einer gigantischen Kröte kriechen, die in einer schlammigen Höhle unter der Wurzel eines Baumes lebt. Wenn wir im realen Kriegsszenario von der Nahrungsknappheit und der Essensrationierung hören, muss Ofelìa vor einem festlich angerichteten Tisch voller Leckereien stehen, ohne sie essen zu dürfen, sonst erwacht der schreckliche Pale Man.

Pans Labyrinth ist in jedem Moment visuell beeindruckend. Vor allem die Kreaturen, die weniger wie Filmfiguren wirken und mehr wie pure Alpträume in Erscheinung treten, die uns auch nach dem Film noch weiter verfolgen werden. Der von Doug Jones verkörperte Pale Man muss hier an erster Stelle genannt werden, wie er die Augen in seinen Handflächen zum Kopf führt um Ofelìa zu erblicken und sie dann mit staksigen Schritten durch seine unheimlichen Katakomben zu verfolgen.

Pans Labyrinth ist visuell wie storytechnisch ein äußerst finsteres Fantasymärchen, wie ein real gewordenen Studio Ghibli Film für Erwachsene, voller gruseliger Figuren, ob nun fantastische Kreaturen oder reale, mordlustige Soldaten. In diesen Welten ist es für ein kleines Mädchen allzu schwer sich zu behaupten. Wir schauen ihr dabei zu, wie sie versucht, diese unmöglichen Horrorwelten zu überleben.

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