“Das Leben findet einen Weg” sagte einst Jeff Goldblum als Chaos-Mathematiker Dr. Ian Malcolm in Steven Spielbergs Jurassic Park. Guillermo Del Toro zeigt sich als Goldblum-Fan, wenn er in seinem 1993er Cronos auf dessen Filmrolle in Die Fliege blickte und nun mit Mimic dieses Zitat des Darstellers aufgreift um seine Monster-Motten über Manhattan herfallen zu lassen.

Der Film basiert auf der gleichnamigen Kurzgeschichte von Donald A. Wollheim und erzählt von einer Kinderkrankheit in Manhattan, die durch Kakerlaken übertragen wird. Dr. Peter Mann (Jeremy Northam) von der Seuchenschutzbehörde zieht die Insektologin Dr. Susan Tyler (Mira Sorvino) hinzu, die das genmanipulierte Judas-Insekt züchtet, das ein Enzym freisetzt, das die Kakerlaken veranlasst, sich zu Tode zu hungern.

Drei Jahre später wird Dr. Tyler auf ein Insekt aufmerksam gemacht, dass verblüffende Ähnlichkeiten mit ihrer Judas-Züchtung aufweist, obwohl diese so angelegt worden ist, dass sie binnen weniger Monate stirbt. Sie sucht Rat bei ihrem Mentor Dr. Gates (F. Murray Abraham), der nach seinen Untersuchungen zu dem Schluss kommt, dass die Züchtung nicht nur lebendig ist, sondern sich auch in eine überlebensfähige Spezies weiterentwickelt hat. Das Leben hat einen Weg gefunden.

Mimic
Dr. Susan Tyler (Mira Sorvino) ist Guillermo Del Toros Buffy, die Vampirjägerin – nur jagt sie in MIMIC Monster-Motten.

Mira Sorvino stellt für Del Toro so etwas wie eine Ersatz-Sarah Michelle Gellar in einer besonders düsteren Folge der Spät-90er Jahre Serie Buffy the Vampire Slayer dar, in der die Vampirjägerin mal nicht auf der Jagd nach Blutsaugern, sondern eben nach Monster Motten ist. So jedenfalls sehen die Ungetüme aus, die sich in den U-Bahn Tunnel von Mimic herumtreiben und an denen Del Toro scheinbar weitaus mehr Interesse hat als an all seinen menschlichen Darstellern, die recht blass charakterisiert sind und eigentlich so gar nicht mit den Qualitäten der Jägerin und ihren Freunden im Bann der Dämonen mithalten können.

Schon in Cronos wurde der Regisseur von seiner Faszination mit Insekten getrieben, die er hier drastisch erweitert hat. Der Skarabäus weicht den Kakerlaken, hinzu kommen noch die Gottesanbeterin, Termiten und eine Kreuzung aus alledem. Das ergibt dann dieses Judas-Insekt, dass in der Lage ist, die menschliche Form zu imitieren und damit droht, uns von Anfang der Nahrungskette zu vertreiben.

Mimic bewegt sich stark in einem Genre des Monster-Horrorfilms, dass in den 90er Jahren äußerst präsent war. Ein weiterer wichtiger und vergleichbarer Titel dürfte Das Relikt gewesen sein, in dem im selben Jahr eine südafrikanische Riesenechse ein Museum in Chicago heimsuchte. Oder natürlich Paul Verhoevens Starship Troopers, wo wir es gar ebenso mit Käfern zu tun bekommen haben, sogar mit einem gigantischen Brain-Bug. All diese Filme fühlen sich wie eine Standard-Mischung aus Horror und Sci-Fi Wissenschaft an, die immer nach demselben Muster abläuft.

In der Eröffnung gibt es einen pseudowissenschaftlichen Plot, der irgendetwas entstehen lässt, dass dann unerwartet Amok läuft und von Wissenschaftlern aufgehalten werden muss. Diese fühlen sich zuerst von diesem meist neuen und unbekannten Monstrum bedroht, da es sich um ein Wesen handelt, dass die Menschheit noch nie zuvor gesehen hat. Oftmals kommt es so gefährlich daher, dass man es besser zerstören sollte, als dass ein Versuch sinnvoll wäre, es gefangen zu nehmen.

Was Guillermo Del Toros Mimic den Vorteil verschafft, ist eben sein Regisseur, der schon früh seine Stärke fürs visuelle Märchen-erzählen erkannt und mit der Welt geteilt hat. Sein Film hat genau die richtige Atmosphäre, ist dunkel und finster, wodurch der Grusel entsteht, der uns in die Story hineinziehen kann. Die Monster werden nur in den Schatten gezeigt, größtenteils bleiben wir von schlechter 90er Jahre CGI verschont, wie sie eben in Das Relikt zu Hauf zu finden ist.

Mimic
Die finstere Atmosphäre ist die stärkste Waffe von MIMIC.

Wie schon in Cronos streut Del Toro dabei seine religiösen Metaphern ein, was hier vielleicht nicht ganz so arg in den Vordergrund tritt, da der Film unter massiven Streitigkeiten zwischen dem Filmemacher und seinen Produzenten zu leiden hatte. Zwar gibt es einen Directors Cut, aber auch dieser entspricht nicht ganz den Vorstellungen Del Toros, der sich unter Mimic einen ganz anderen, vielleicht besseren Film vorgestellt hatte.

Dennoch finden wir einen toten Priester, “Jesus wird uns retten”-Schilder, eine verlassene Kathedrale oder natürlich die Judas-Züchtung. Und ebenso wie Cronos hat Mimic kein Interesse daran, uns klar zu machen, weshalb all diese Symbole im Film zu finden sind. Es gibt keine tiefere Auseinandersetzung mit dem Glauben, nur einen oberflächlichen Zusammenhang mit der Thematik der Insekten, die sich über den Menschen erheben und herrschen werden.

Dennoch gelingt es Del Toro einmal mehr, die Standard-Zutaten des Monster Movies zu nehmen, sie durch seine Liebe zum Film und einer Portion seiner düsteren Atmosphäre in ein neues Gericht zu verwandeln und hierdurch einen Horrorfilm zu köcheln, der sich von der Masse abhebt und uns zu unterhalten versteht.