Filmkritik

“Silent Hill: Revelation” von Michael J. Bassett

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© Concorde Filmverleih GmbH / Heather betritt “Silent Hill”

Die kanadische Jungschauspielerin Jodelle Ferland war vor sechs Jahren in dem ersten Teil der atmosphärischen Horror-Videospielverfilmung „Silent Hill“ von Regisseur Christophe Gans zu sehen, nahm dort die Doppelrolle der Sharon und Alessa ein, eine junge Teenagerin aus der normalen, uns bekannten Welt, sowie ein dämonenhaftes Mädchen aus den staubigen Trümmern Silent Hills. Am Ende des erste Teils bleibt das Mädchen gemeinsam mit ihrer Mutter in der Stadt gefangen, das richtige Set-Up für eine Fortsetzung, in der Sharon zu ihrem Vater, dargestellt von „Game of Thrones“-Season 1 Zugpferd Sean Bean, zurückkehrt. Für die Fortsetzung „Silent Hill: Revelation“ wurde Michael J. Bassett verpflichtet, er führte Regie und schrieb das Drehbuch, holte Adelaide Clemens um nun die fast achtzehn Jahre alte Sharon zu verkörpern, die ohne Erinnerungen an ihre Erlebnisse in „Silent Hill“ mit ihrem Vater auf der ständigen Flucht vor etwas ist, das sie nicht begreifen kann. Aber immer noch hat sie diese albtraumhaften Erscheinungen, immer noch wandelt sich vor ihren Augen die reale Welt in ein schreckliches Horrorszenario. Als solches könnte der Film an sich dann auch für die Zuschauer bezeichnet werden.

Am Abend ihres Geburtstages stellt Sharon, hier Undercover als Heather unterwegs, fest, dass ihr Vater entführt wurde. Die Forderung lautet: „Komm nach Silent Hill“. Hier trifft sie auf einen Kult, der ihren Körper dazu nutzen möchte, einen neuen Gott in ihr auferstehen zu lassen, der die Welt von Silent Hill von der Dämonin Alessa befreien kann, die Welt reinigen soll. Die Führerin dieses Kults, Claudia Wolf (Carrie-Anne Moss) schickt ihren eigenen Sohn Vincent (ebenfalls aus „Game of Thrones“: Kit Harington) in die reale Welt um dafür zu sorgen, dass Sharon auch wirklich in Silent Hill ankommt. Aber er verliebt sich in sie und hintergeht nicht nur den Kult, sondern auch seine eigene Mutter.

Heather (Adelaide Clemens) mit ihrem Vater (Sean Bean)

Man muss es wirklich als Schande betrachten, dass die „Silent Hill“-Filme immer wieder an die falschen Drehbuchautoren geraten, vielleicht auch darstellerisch nicht ganz mit anderen Spielfilmproduktionen mithalten können. „Visuell stark“ ist bei „Silent Hill“ nämlich meistens noch untertrieben, irgendwo in einer Ecke könnte Guillermo Del Toro sitzen und sich kindisch darüber freuen, wie diese Welten fast den seinen ähneln, „Pan’s Labyrinth“ springt sofort ins Gedächtnis, wenn man in die Tiefen der horroresken Stadtbilder eintaucht. Überall die Asche, dieses weiß/graue Bild, die heruntergekommenen Gebäudekomplexe, normale Häuser, Hotels, Irrenanstalten. Hinzu kommt ein erfrischender Einfallsreichtum bei den Kreaturen: Der Pyramidenkopf, zu Mannequins werdende Menschen, Krankenschwester-Monster, die sich nur bei aufkommenden Geräuschpegel bewegen, ein abartiges Spinnenwesen – an gestalterischen Einfallsreichtum fehlte es „Silent Hill“ weder im ersten, noch im zweiten Teil.

Aber ein Film lebt nun einmal nicht durch seine Kreativität allein, zumal sich diese nur auf der Bildebene ausfindig machen lässt, nicht bei den Figuren, bei den Dialogen, bei der Story, das alles ist Wirr, Konfus, nicht wirklich nachzuvollziehen. Das sich ein Sean Bean sowieso chronisch unterfordert fühlt, steht außer Frage, er gibt sich seit Jahrzehnten für solche Rollen her, hier wahrscheinlich nur der Kontinuität wegen, ein kurzer Auftritt in „Silent Hill“, nun darf er sich in „Silent Hill: Revelation“ entführen lassen, ein Glücksfall für ihn, kann er dadurch doch die meiste Zeit des Films durch Abstinenz glänzen. Nun sind es aber gerade die beiden Hauptfiguren, Heather und Vincent, die diesen Film vorantreiben sollten, aber schauspielerisch auf der Strecke bleiben. Man weiß nicht woran es liegen mag: Adelaide Clemens spielt stocksteif, keine Emotion wirkt glaubhaft, ihr Zusammenspiel mit Kit Harington, der in „Game of Thrones“ sicherlich besser aufgehoben ist, wirkt eher wie eine billige Porno-Produktion als wie ein gruseliger Horrorfilm – obgleich die Dialoge schon einen gewissen Horror hervorbringen.

Heather (Adelaide Clemens, rechts) mit Vincent (Kit Harington) in Silent Hill

Manchmal laufen Unterhaltungen so schnell ab, dass man glaubt, der Regisseur hätte während des Drehs in seiner eigenen Vorlage mehrere Seiten zusammenfassen wollen. Da wird aus einem „Ich mag dich nicht“ ein „Ich brauche deine Hilfe“, ein „Du musst mit mir nach Silent Hill kommen“ steht vor einem „Ich gehöre zu den Kindern von Silent Hill“, eine innige Umarmung fast schon ein Kuss…das alles nicht etwa in einer Entwicklung der Geschichte, sondern eben in einer einzigen Unterhaltung. Famos wie man so schlecht inszenieren kann. Solche Geschwindigkeitsschübe gibt es immer wieder, diese tragen aber im Gesamtgefühl eher dazu bei, dass sich der etwa eineinhalb Stunden lange Film weitaus länger anfühlt. Heather trifft derweil immer wieder auf Menschen, die ihr Informationen zustecken, eigentlich findet sie nichts selbst heraus, weder die Handlung noch die Intelligenz ihrer Figur scheinen durchdacht worden zu sein. Ein Detektiv, der ihr in der normalen Welt auf der Spur ist, hat dann plötzlich einen Auftritt. Er sollte sie beschatten, tritt dann aber bei Tageslicht auf sie zu, fragt ob sie sich nicht schon einmal getroffen hätten, nur um wenige Minuten später hinter ihr her zu hetzen, ihr zu sagen, dass der Kult sie verfolgt. Ein „mysteriöser Fremder“ hätte es auch getan, der Detektiv wirkt derweil herzlich unglaubwürdig und verschwindet auch ebenso schnell wieder von der Bildfläche.

Ebenso wie man um die Stadt Silent Hill einen großen Bogen machen sollte, wenn man denn die Wahl hat, so sollte auch der Film „Silent Hill: Revelation“ gemieden werden, hier hat man auf jeden Fall die Wahl. Einzig Guillermo Del Toro könnte dem Film etwas abgewinnen, nämlich den französisch-griechischen Creature Designer Patrick Tatopoulos, der auch schon für „Underworld“ oder den Roboter Sonny in „I, Robot“ verantwortlich war. Er kommt noch ganz heile aus „Silent Hill: Revelation“ heraus, während der Rest in einem undurchdringlichen Nebel des Blödsinns versickert.

Denis Sasse

“Silent Hill: Revelation“

Originaltitel: Silent Hill: Revelation
Altersfreigabe: ab 16 Jahren
Produktionsland, Jahr: F / USA, 2012
Länge: ca. 95 Minuten
Regie: Michael J. Bassett
Darsteller: Adelaide Clemens, Kit Harington, Carrie-Anne Moss, Sean Bean, Radha Mitchell, Malcolm McDowell

Deutschlandstart: 29. November 2012
Offizielle Homepage: silenthill2-derfilm.de

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