Mit Diary of the Dead fragt man sich, ob die Zombiefilm-Reihe von George A. Romero überhaupt als zusammenhängende Storyline angelegt worden ist. Im fünften Teil des Dead-Franchises findet der Zombie-Ausbruch vor laufender TV-Kamera statt, womit ein nahtloser Anschluss an den vorherigen Land of the Dead nicht denkbar ist, da sich hier die Endzeit-Apokalypse schon lange aktiv zeigte. Dennoch spielt Romeros 2007er Werk nach eigener Aussage im selben Universum wie seine Original-Trilogie um Nacht der lebenden Toten, Zombie und Zombie 2.

Dieses Mal erzählt Romero von einer Gruppe von Film-Studierenden der Universität von Pittsburgh, die in einem Wald einen Horrorfilm drehen. Dabei werden sie von ihrem Fachbereichsleiter Andrew Maxwell (Scott Wentworth) unterstützt, als sie zu hören bekommen, dass es zu Massenunruhen und Morden gekommen sei. Ridley (Philip Riccio) und Francine (Megan Park) gehen ihrer eigenen Wege, Regisseur Jason (Joshua Close) will seine Freundin Debra (Michelle Morgan) besuchen, die wiederum verzweifelt versucht, ihre Familie zu kontaktieren. Als das nicht gelingt, beschließt die Gruppe, das Elternhaus in Scranton, Pennsylvania aufzusuchen um nach dem Rechten zu sehen.

Diary of the Dead
Debra (Michelle Morgan) und Jason (Joshua Close) in DIARY OF THE DEAD.

Das macht Diary of the Dead zu einem willkommenen Road Movie, der gleich mehrere spannende Horrorfilm-Szenarien via Found Footage-Kamerastil ins Spiel bringt. Als Voice Over Stimme bekommen wir Michelle Morgans Debra, die uns erklärt, dass das Material, das wir gerade zu sehen bekommen, von ihr zusammen geschnitten worden ist. Ein Hoch auf die Idee der Film-Studierenden, die es Romero ermöglicht, seinen Found Footage-Stil besser zu verkaufen als vielen – oder allen – anderen Vertretern dieses Horror-Subgenres.

So lässt er seine Hauptfigur erklären, dass sie das Filmmaterial mit Musik unterlegt habe, um uns durch die Bilder in Angst und Schrecken zu versetzen – und das kann man nun einmal mit Musik bewerkstelligen, das sollten wir auch ohne Filmstudium wissen. So mag in Diary of the Dead das gefundene Filmmaterial – Found Footage – zwar professioneller wirken als in anderen Found Footage-Werken, aber Romero versteht, dass er hierfür einfach nur eine Erklärung liefern muss, um seiner Idee und Umsetzung die notwendige Glaubwürdigkeit zu verleihen.

Der Road Movie lässt die Gruppe dann eine ganze Weile in einem Van durchs Land fahren. Sie treffen auf untote Polizisten, später auf vagabundierende Soldaten – die Zombie-Apokalypse bringt bei Romero auch immer das Schlechteste im Menschen hervor. Kein Zusammenhalt, sondern pure Egozentrik, wenn der Überlebenswille einsetzt.

Diary of the Dead
Gordo (Chris Violette) wurde gebissen, seine Freundin Tracy (Amy Lalonde) kümmert sich um ihn.

Natürlich verschlägt es die Filmemacher auch in ein Krankenhaus, denn jeder gute Horrorfilm will die ohnehin bedrückende Atmosphäre ausnutzen, die dieser Hort des Todes in sich birgt. Nur ein Friedhof wäre noch stereotypischer. Dann landen wir auf einmal bei einem letzten Amish-Überlebenden, der nur via kleinen Wort-Schildchen kommunizieren kann. Da hebt er sein “Ich bin Samuel. Hallo” hoch, nachdem er ein paar Zombies mit einer Stange Dynamit weg gesprengt hat. Romero kann auch lustig, ohne seinen Film zum Spaßfest zu machen.

Einzig die Tatsache, dass auch bei ihm die Protagonisten – und auch noch Film-Studierende – ohne Wissen über Filme aufgewachsen sind, ist einmal mehr nervtötend. In einer mediatisierten Welt sollte ein gewisses popkulturelles Verständnis über Untote vorhanden sein, so dass die Figuren vielleicht über die Realität der Dinge überrascht sein dürften, aber nicht gänzlich unwissend, wenn dort auf einmal Zombies auf sie zu schlurfen.

Aber die Teenies versuchen trotz sichtlicher Merkmale mit den Untoten in Kontakt zu treten: “Entschuldigen Sie bitte, könnten Sie uns helfen?”, worauf sie nur Gegrummel und Todesseufzer ernten. Dann humpelt der Untote auf sie zu und sie fragen sich immer noch “Was ist denn mit dem los?”. Man möchte ihnen einen Backstein an den Kopf werfen und schreien “Habt ihr noch nie einen Zombiefilm gesehen?”

Zugleich stellt sich Romero mit Diary of the Dead auf die Seite des zivilen Journalismus. Die professionellen Medien berichten bei ihm nur Unwahrheiten. Alles wird wieder gut, heißt es da, obwohl die Zombies so ziemlich jeden dahinraffen.

Die Film-Studierenden wiederum stellen ihre Videos Online, sind ganz nah dran an dem Geschehen und zeigen die Realität, wie sie wirklich ist, nicht wie sie für mehr Quoten sorgt oder die Menschen, in welche Richtung auch immer, manipulieren soll. Irgendwann ist dann der Mainstream tot und es bleiben “nur wir, die Blogger, Kinder, Teens”, die jetzt noch Up-to-Date halten können.

Auch mit seinem fünften Film findet George A. Romero kreative Wege, seine Untoten auf immer neue Weise zur Bedrohung werden zu lassen und zugleich einen gesellschaftlichen Kritikpunkt in seine Story einzubauen. Genau deswegen sind seine Filme so sehenswert.