Es ist Trash. Ganz klar. Noch nicht ganz so schlimm wie die Sharknado-Reihe, aber wenn in Deep Blue Sea die CGI-Haie auftauchen, dann versprüht das sicherlich nicht den Charme und wirkt nicht so bedrohlich wie bei Steven Spielbergs Der weiße Hai. Aber das ist ohnehin ein unerreichbares Hai-Horror-Meisterwerk.

In den 1990er Jahren haben Filme ohnehin anders funktioniert. Regisseur Renny Harlin hat hier einiges fabriziert, was heutzutage vermutlich als Guilty Pleasure Movies genannt werden darf: Die Piratenbraut und Tödliche Weihnachten mit Geena Davis und eben Deep Blue Sea, diese Michael Bay-Kopie, die irgendwo zwischen The Rock, Waterworld und SeaQuest DSV zu finden ist.

Der Film führt uns in eine isolierte Unterwasser-Forschungseinrichtung, wo ein Team von Wissenschaftlern an Makohaien experimentiert um durch ihre Erkenntnisse Alzheimer zu heilen. Aber die Situation gerät natürlich außer Kontrolle, als drei genetisch verbesserte Haie entkommen und in der gefluteten Anlage auf Menschenjagd gehen.

Deep Blue Sea
Das Forscherteam von DEEP BLUE SEA

Die Nähe zu Michael Bay-Filmen mag auch durch den südafrikanischen Komponisten Trevor Rabin entstanden sein, der zwar nicht The Rock, aber ähnlichen 90er-Werken wie Con Air, Staatsfeind Nr. 1 oder aber Bays Armageddon als Komponist einen pathetisch-bombastischen Sound verpasste, wie er nun einmal gerade für Michael Bay-Filme ein Markenzeichen ist.

Die Idee der genetisch manipulierten Haie wirkt albern, ähnlich wie die miteinander kommunizierenden Velociraptoren aus Jurassic Park 3. Auf einmal sind diese Makohaie in der Lage intelligente Entscheidungen zu treffen, haben Erinnerungen, können strategisch handeln und bleiben dabei doch die Urzeit-Killer, die von einem kleinen Tropfen Blut angefixt werden können.

Und ebenso wie in Jurassic Park muss es bei Urzeit-Killern einen Spezialisten geben, einen Jäger, der in diesem Fall von Thomas Jane (The Punisher, Der Nebel, The Expanse) verkörpert wird. Er wird von Samuel L. Jackson (Tödliche Weihnachten, The Hateful 8, Killer’s Bodyguard) als Cowboy bezeichnet, was nur allzu gut passt, denn diesem Mann gelingt es unter Wasser Haie auszumanövrieren, sich an ihre Flosse zu hängen und sie zu reiten.

Während er die Gefahr der Haie nur zu gut erkennt und sie am liebsten eliminieren würde, gibt uns Deep Blue Sea natürlich wieder eine Reihe von Wissenschaftlern, die in den gefährlichen und nach Blut dürstenden Viechern ihre kleinen Lieblinge sehen, die für die Forschung unabdingbar sind. Es geht also einmal mehr um die Wissenschaft, die glaubt, Monster erschaffen und kontrollieren zu können.

Hier bekommen wir Darstellerin Saffron Burrows (Wing Commander, Troja, Mozard in the Jungle) als Leading Lady, die fast Lara Croft-like von der Kittel-tragenden Wissenschaftlerin zur halbnackten Actionheldin mutiert, dabei aber immer überraschend charmant überzeugend bleibt.

Deep Blue Sea
LL Cool J steckt mehr als knietief im Schlamassel.

Der heimliche Star des Films möchte wohl gerne LL Cool J (Halloween H20, Rollerball, Navy CIS: L.A.) als Koch der Anlage sein, muss diese Ehre aber an die Einrichtung selbst abgeben, die wunderbar gritty designed zahlreiche Schauplätze für die Auseinandersetzung Mensch gegen Killerhai liefert. Es ist ein bisschen das Gefängnis Alcatraz aus The Rock, eine schwimmende Festung wie aus Waterworld, eine zerstörte Forschungsanlage wie in Vergessene Welt: Jurassic Park, ein gigantisch-gefährlicher Freizeitpark, in dem die Attraktionen Amok schwimmen.

Die Actionmomente beginnen hier grundsätzlich mit einer Zeitlupe, sind aber spannend in Szene gesetzt worden. Wenn ein solcher Makohai auf eines seiner auserwählten Opfer zu schwimmt oder plötzlich aus dem Nichts auftaucht und jemanden verschlingt, möchte man fast die übermäßige CGI vergessen.

Dabei dürfte klar sein, dass auch Deep Blue Sea der Slasher-Logik folgt und am Ende kaum jemand zu den Überlebenden gehört. Es mag absehbar sein, welche Figuren sich gegen die Haie zur Wehr setzen können, aber tatsächlich hält der Film die eine oder andere Überraschung parat, was die Überlebensrate betrifft.

Deep Blue Sea wirkt erst einmal recht lächerlich, dann aber muss man sich tatsächlich eingestehen, dass Renny Harlin in 1999 den ersten Hai-Horror inszeniert hat, der vom reinen Unterhaltungswert fast an Spielbergs Klassiker heranreicht.